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Bibliographische Angaben zur Publikation

Unermüdlich kämpfen


Autor/in:

Große Halbuer, Andreas


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

WirtschaftsWoche, 2005, Heft 44, 05, Seite 105-108, Düsseldorf: Verlagsgruppe Handelsblatt, ISSN: 0042-8582


Jahr:

2005



Abstract:


Andreas Große Halbuer spricht mit Herrn Schoss, Scout24-Gründer, über dessen schweren Verkehrsunfall und die daraufhin folgenden Veränderungen. Die Ärzte amputierten ihm den rechten Arm und das rechte Bein. Der gebürtige Essener, der vier Kinder hat, lebt zurückgezogen in der Nähe von Zürich und baut jetzt ein Internetportal für Behinderte auf.

Joachim Schoss musste am eigenen Leib erfahren, wie schwer Behinderte es haben, an vernünftige Informationen zu kommen. Daher möchte er jetzt anderen Menschen, die sich in einer solchen Notlage befinden, helfen. Im Internet gäbe es keine Seite, die das Wissen bündelt. Dies möchte er mit myhandicap.com ändern. Dadurch hofft Schoss, die aufkommenden Fragen beantworten zu können.

Die Frage, ob es ihm schwer falle, über den Unfall zu reden, verneint Schoss mit der Erklärung, dass dies schließlich zur Verarbeitung des Ganzen beitrage. Er erzählt im weiteren Verlauf des Interviews, wie hart es anfangs war, plötzlich auf andere angewiesen zu sein.

Schoss ist überzeugt davon, trotz allem viel Glück gehabt zu haben. Daher wirkt er trotz der schlimmen und vor allem bleibenden Folgen keineswegs niedergeschlagen. Da er das Leben schon immer als Herausforderung betrachtet habe, gehe er am Frust über seine Behinderung nicht zu Grunde, sondern er sei motiviert, den Kampf aufzunehmen. Er ist der festen Überzeugung, dass man besser nach vorn schauen und die Chancen der Zukunft sehen sollte. Man müsse sich kleine Ziele stecken und unermüdlich darum kämpfen, diese Ziele zu erreichen. Wenn man das geschafft habe, tanke man daraus die Kraft und die Befriedigung für den nächsten Schritt. Das funktioniere beim Aufbau eines Unternehmens und es helfe auch in solch schweren Zeiten.

Auf die Frage, ob man denn ängstlicher und risikoscheuer durch so eine Erfahrung werde, antwortet Joachim Schoss, dass der Unfall ihn auf alle Fälle vor seiner eigenen Hybris bewahrt habe. Er glaubte vorher, dass er jedes Risiko kontrollieren könne, doch jetzt sei er vorsichtiger. Das Gefühl, dass das Schicksal jederzeit zuschlagen kann, mache ihn demütiger.

Die Prioritäten würden sich nach so einem Einschnitt grundlegend ändern. Früher sei das Leben sehr einseitig gewesen und habe praktisch nur aus Arbeit bestanden. Jetzt stehe die Zeit mit den Kindern und den Freunden im Vordergrund. Das frühere Leben basierte mehr in der Zukunft, das heutige in der Gegenwart.

Jetzt hat Joachim Schoss das gemacht, was er am besten kann: ein Internetportal gründen. Er möchte ein globales Netzwerk für Behinderte aufbauen. Es gibt Behinderungen, die auf der ganzen Welt nur 20-mal vorkommen. Diese Menschen über ein solches Medium zusammenzubringen, ist eines der Ziele. Betroffene sollen motiviert werden, nicht den Lebensmut zu verlieren.

Außerdem würden Behinderte eine bessere Interessenvertretung benötigen. Das System behandle Betroffene häufig wie Werkstücke. Der Kunde sei oft jemand anderes - meist der jeweilige Sachbearbeiter der Krankenversicherung oder der Arzt. Dies müsse sich ändern. Die Nutzer können auf der Internetseite kommentieren und bewerten, wo sie gut betreut worden sind. Dies helfe den anderen.


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Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


WirtschaftsWoche
Homepage: https://www.wiwo.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA0220


Informationsstand: 09.11.2005

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