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Bibliographische Angaben zur Publikation

Anerkennung von Wirbelsäulenschäden als Berufskrankheit


Autor/in:

Krämer, Jürgen; Brandenburg, Stephan


Herausgeber/in:

Bundesärztekammer (BÄK); Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)


Quelle:

Deutsches Ärzteblatt, 1995, 92. Jahrgang (Heft 38), Seite 2482-2487, Köln: Deutscher Ärzteverlag, ISSN: 0176-3695


Jahr:

1995



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Abstract:


Obwohl die 2. VO zur Änderung der Berufskrankheitenverordnung schon am 1.1.1993 in Kraft getreten ist, bereiten die neuen Berufskrankheiten 2108 (Lendenwirbelsäule) 2109 (Halswirbelsäule) und 2110 (Lendenwirbelsäulenschäden durch Schwingungsbelastung) noch Beurteilungsprobleme.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Merkblätter zu den Berufskrankheiten keine Rechtsverbindlichkeit besitzen sondern nur den Ärzten Anhaltspunkte dafür geben sollen, wenn nach § 5 der BeKV Anzeigepflicht (wegen begründetem Verdacht auf eine BK) gegeben ist. Ob eine relevante berufliche Wirbelsäulenbelastung vorlag oder nicht, entscheidet letztlich der TAD des jeweiligen Unfallversicherungsträgers.

Gegenstand der Neuregelung sind nicht röntgenologisch sichtbare Verschleißerscheinungen im Bewegungssegment (Wortlaut der BK Nr. 70 der DDR), sondern bandscheibenbedingte Erkrankungen, zum Beispiel ein lumbales Wurzelsyndrom, Segmentinstabilität mit lokaler und radikulärer Symptomatik.

Röntgenologische Befunde an der WS haben nur im Zusammenhang mit entsprechenden klinischen Symptomen einen Krankheitswert und sind auch nur dann MdE-mäßig beurteil- und einstufbar. Ein berufsbedingter Wirbelsäulenschaden mit geringer Funktionseinschränkung und ohne neurologische Symptomatik wird mit einer MdE von zehn Prozent einzuschätzen sein. Bei chronisch rezidivierenden lokalen bandscheibenbedingten Beschwerden ist eine MdE im rentenberechtigten Bereich von zwanzig Prozent, je nach Ausprägung der neurologischen Symptomatik auch bis dreißig Prozent angemessen. Beim Postdiskotomiesyndrom, das heißt, beim rückenoperierten Problempatienten kann der Vomhundertsatz höher liegen.

Gemäß § 3 Absatz 1 BeKV hat der Unfallversicherungsträger mit allen geeigneten Mitteln der Gefahr einer berufsbedingten Wirbelsäulenerkrankung entgegenzuwirken.

Als vorbeugende Maßnahmen kommen in Betracht:
- technische Maßnahmen
- arbeitsplatzbezogene Maßnahmen der Rückenschule
- Rehabilitationsmaßnahmen ambulant und stationär
- orthopädietechnische Hilfsmittel, wie zum Beispiel Arbeitsschutzbandagen

Die Prävention muss sich darüber hinaus auch auf einen regelmäßigen Wechsel zwischen Be- und Entlastung erstrecken, speziell in Sitzberufen, die allerdings nicht von den neuen Berufskrankheiten erfasst werden. Auch sind das psychosoziale Umfeld und die Arbeitszufriedenheit in die Prävention einzubeziehen.

(Th. Peters, Bochum)


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Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsches Ärzteblatt
Homepage: https://www.aerzteblatt.de/archiv

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Referenznummer:

R/ZA0070/0007


Informationsstand: 07.09.2020

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