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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rehabilitation Suchtkranker: Mehr als Psychotherapie!


Sammelwerk / Reihe:

Schriftenreihe des Fachverbandes Sucht, Band 24


Autor/in:

Bönner, Karl; Buschmann, Hubert; Cramer, Thomas [u. a.]


Herausgeber/in:

Fachverband Sucht e.V. (FVS)


Quelle:

Geesthacht: Neuland, 2001, 1. Auflage, 448 Seiten, ISBN: 3-87581-209-3


Jahr:

2001



Abstract:


Der umfangreiche Sammelband enthält die überarbeiteten Beiträge des gleichnamigen 13. Heidelberger Kongresses 2000 und gibt damit einen umfassenden Überblick über therapeutische Konzepte, Forschungsergebnisse und aktuelle Trends in der Rehabilitation Suchtkranker.

Nach den üblichen Grußworten und den einführenden Beiträgen durch die Kongressveranstalter nimmt die Wiedergabe der Plenumsvorträge zunächst breiten Raum ein. Dieter Frey gibt einen ausführlichen Überblick über zentrale Theorien über Entstehung und Veränderungen von Einstellungen sowie über den Transfer von Einstellungen in Verhalten, ohne dabei jedoch auf süchtiges Verhalten direkt einzugehen.

Das Autorenteam Zemlin, Missel, Dornbusch und Herder berichten daraufhin Ergebnisse einer empirischen Auswertung des Leistungsspektrums einer Gruppe von Fachkliniken für Abhängigkeitskranke und untersuchen dabei unter anderem die Frage, ob das gefundene Leistungssepktrum den empirischen Vorgaben der ICIDH-2 entspricht.

Johannes Lindenmeyer thematisiert angesichts hoher Arbeitslosenquoten unter den Patienten stationärer Entwöhnungseinrichtungen den sehr bedeutsamen Bereich der Grenzen, Möglichkeiten und Erfordernisse der Rehabilitation Abhängigkeitskranker bei Patienten mit geringen beruflichen Reintegrationschancen. Dabei plädiert er dafür, die konkrete Lebensplanung und berufliche Reintegration der betroffenen Patienten in den Mittelpunkt der Behandlung zu rücken und schlägt hierzu eine Erweiterung des traditionellen sozialkognitiven Rückfallmodells von Marlatt durch ein verhaltensökonomisches Rückfallverständnis vor.

Ursula Mootz skizziert aus der Sicht der BfA zunächst die Entwicklung der Rehabilitationsleistungen im Suchtbereich anhand der Zahlen unter anderem zum Antragsverhalten, der Bewilligung und der Verweildauern der Jahre 1995-1999 und beschreibt danach die Gesamtrehabilitations-Strategie und deren Bedeutung für die Behandlung Abhängigkeitskranker.

Unter dem Titel Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile schließlich beschreibt Ralf Schneider sehr eindrucksvoll den dynamischen Entwicklungsprozess, den die Suchtkrankenhilfe in Deutschland in den zurückliegenden Jahrzehnten durchgemacht hat.

In der Folge gliedert sich das Buch in sieben inhaltliche Bereiche. Am Anfang stehen vier Beiträge zur Diagnostik und Therapieplanung bei der interdisziplinären Behandlung, in denen die Frage nach dem Stellenwert von Medizin und (Psycho)diagnostik sowie der Arbeitswelt in der Therapieplanung und der Entwöhnungsbehandlung gestellt wird. Es schließt sich ein größerer Block mit sieben Beiträgen zu Therapiebausteinen in der Behandlung Suchtkranker an, bevor noch einmal das wichtige Thema (Wieder-)Eingliederung in das Erwerbsleben in vier Beiträgen aufgegriffen wird.

Eine Reihe von sieben inhaltlich eher heterogenen Beiträgen werden in der Folge unter Aktuelle Themen und Ergebnisse der Suchtforschung zusammengefasst, in denen es unter anderem um Selbstwirksamkeitserwartungen und Behandlungsmotivation, aber auch um ambulante Aspekte der ambulanten Suchttherapie geht. Eine inhaltlich engere Klammer vereint danach vier Artikel zu Wissenschaftlichen Fundierungen der Therapeutischen Gemeinschaft.

Die beiden letzten Bereiche greifen vom Titel her noch einmal das Kongressthema auf: Unter Suchttherapie - mehr oder weniger anders als Psychotherapie werden drei Beiträge zusammengefasst, die chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke, Soziotherapie sowie Betreutes Trinken - Nasse Wohngemeinschaften thematisieren. Die letzten sieben Beiträge unter der Überschrift Rehabilitation Suchtkranker - mehr als Psychotherapie! Aktuelle Ansätze und Entwicklungen stellen wiederum eine heterogene Sammlung weiterer interessanter Aufsätze dar.

Insgesamt fällt auf, dass die hier thematisierte Rehabilitation Suchtkranker fast ausschließlich den Bereich der Alkoholabhängigkeit im Blick hat. Zwar korrespondiert dies mit der besonderen Bedeutung der Alkoholabhängigkeit innerhalb der Versorgungslandschaft, wird aber letztlich den Erwartungen angesichts des umfassenderen Buchtitels nicht ganz gerecht. Leider wird von den Autoren nicht immer die verwendete Literatur aufgeführt. Vermisst werden innerhalb des Autorenverzeichnisses genaue Kontakt- oder E-Mail-Adressen und ein Stichwortverzeichnis, deren Erstellung für die Zwecke eines Tagungsbandes jedoch wohl zu arbeitsaufwändig gewesen wäre. Für einen Tagungsband zwar nicht untypisch, aber dennoch ärgerlich, sind die mitunter recht häufigen Tippfehler, die man bei einem Buch dieser Preiskategorie zunächst nicht erwarten würde. Alles in allem ändert dies jedoch nichts an dem Gesamteindruck, dass mit dem vorliegenden Band eine sehr umfassende und aktuelle Übersicht über die relevanten Themen der vielschichtigen Praxis der Rehabilitation Suchtkranker geschaffen wurde, nach deren aufmerksamer Durchsicht jeder bestätigen wird: Rehabilitation Suchtkranker - mehr als Psychotherapie!

(Rezension von W. Lotz-Rambaldi in Suchttherapie, Jahrgang 3/2002, Heft Nr. 3, Seite 188).


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Tagungsdokumentation




Bezugsmöglichkeit:


NEULAND Verlagsgesellschaft
***Der Verlag hat seinen Betrieb im Jahre 2011 eingestellt.***

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Referenznummer:

R/NV7124


Informationsstand: 28.11.2003

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