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Bibliographische Angaben zur Publikation

Jetzt entscheide ich selbst!

Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung durch das Persönliche Budget



Autor/in:

Prochnow, Alexandra


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Hamburg: Diplomica, 2008, 114 Seiten, ISBN: 978-3-8366-2019-2


Jahr:

2008



Abstract:


Diplomarbeit an der Fachhochschule Bielefeld - University of Applied Sciences Deutschland.

Einleitung:

Betrachtet man die Geschichte der Heil- und Sonderpädagogik, lassen sich die Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts in der Bundesrepublik Deutschland als besonders bedeutend für Menschen mit Behinderungen bezeichnen. Es vollzieht sich ein Wandel in der Behindertenhilfe weg von der Versorgungsmentalität hin zu einer selbstbestimmten Lebensführung und der Stärkung der Selbstbestimmungsrechte von Menschen mit Behinderungen.

Diese veränderte Sichtweise hat ihren Ursprung in der amerikanischen Independent-Living-Bewegung, einer Bürgerrechtsbewegung von Menschen mit Behinderungen, die in Deutschland unter dem Leitgedanken 'Selbstbestimmt Leben' bekannt ist, und kommt gegenwärtig insbesondere in emanzipatorischen und subjektorientierten Leitsätzen wie zum Beispiel 'Ich weiß doch selbst, was ich will!', 'Ich bin jetzt Chef!' oder 'Jetzt entscheide ich selbst!' zum Ausdruck.

Auf sozialrechtlicher Ebene wurde mit dem zum 01. 07. 2001 eingeführten Sozialgesetzbuch IX, 'Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen', die Grundlage für diesen Paradigmenwechsel geschaffen. Der hier verankerte § 17 SGB IX 'Ausführung von Leistungen, Persönliches Budget' kommt den Forderungen nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung in hohem Maße nach.

Beim Persönlichen Budget handelt es sich um eine neue Art der Leistungsform für Menschen mit Behinderung, auf die seit dem 01.01. 2008 ein Rechtsanspruch besteht. Während das herkömmliche und parallel bestehen bleibende Sachleistungsprinzip eine Mitbestimmung und Steuerung durch den Leistungsempfänger kaum ermöglicht, gestaltet sich die Beziehung zwischen Leistungsträger, Leistungserbringer und Leistungsberechtigtem im Persönlichen Budget völlig neu und anders. Hier steht der Leistungsempfänger im Zentrum, dadurch verändert sich seine Rolle vom passiven Leistungsempfänger zum aktiven Kunden.

Die Arbeit befasst sich mit dem Thema 'Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung durch das Persönliche Budget'. Dabei soll die vorherrschende und unter anderem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vertretene Auffassung, dass das Persönliche Budget mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit ermöglicht, diskutiert werden. Dabei wird aufgrund der beruflichen Tätigkeit der Autorin der Schwerpunkt auf die Personengruppe der Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung (so genannter geistiger Behinderung; vgl. Kapitel 2.2) im vollstationären Bereich gelegt.

Im ersten Teil der Arbeit (Kapitel 2) wird das Phänomen der Behinderung anhand des bio-psycho-sozialen Modells der Weltgesundheitsorganisation definiert. Danach folgen nähere Erläuterungen zur Personengruppe der Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung, wobei auch auf die Schwierigkeit einer einheitlichen Begriffsbildung eingegangen wird. Anschließend werden verschiedene Menschenbilder in der Sonderpädagogik erläutert, da sie die Grundlage anthropologischer Leitgedanken der pädagogischen Arbeit und damit maßgeblich für das Tun und Wollen der professionellen Helfer sind.

Im nächsten Teil (Kapitel 3) wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der Behindertenhilfe von 1945 bis 1980 gegeben, wobei insbesondere die beiden pädagogischen Konzepte der praktischen Bildbarkeit und des Normalisierungsprinzips kurz vorgestellt werden. Der Schwerpunkt dieses Kapitel liegt auf der Independent-Living-Bewegung und dem daraus hervorgegangenen Konzept Selbstbestimmt Leben sowie dessen Transfer in die Bundesrepublik Deutschland. In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nachgegangen, ob das häufig in Verbindung mit der Selbstbestimmungsbewegung diskutierte Empowerment als eine Methode der Sozialen Arbeit zur Umsetzung des Konzeptes Selbstbestimmt Leben geeignet ist.

In Kapitel 4 wird die biologische und entwicklungspsychologische Auffassung vom Menschen als autonomes System in der Beziehung zur Umwelt beschrieben und Selbstbestimmung als Teil der menschlichen Autonomie definiert. Anschließend wird die soziale Abhängigkeit von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und die daraus entstehende Gefahr der Fremdbestimmung durch Betreuer, Eltern und/ oder Angehörige auf der Grundlage der Praxiserfahrungen der Autorin ausführlich diskutiert.

Im Folgenden wird die neue Leistungsform des Persönlichen Budgets vorgestellt (Kapitel 5), indem die Rechtsverhältnisse des sozialrechtlichen Leistungsdreiecks, der Rechtsrahmen und die Ziele des Persönlichen Budgets aufgezeigt werden.

Anhand der Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Persönlichen Budget und der Angaben des statistischen Bundesamtes wird der Frage nachgegangen, ob das Persönliche Budget allen Menschen mit Behinderung gleichermaßen zugänglich ist und ob die Personengruppe der Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung aufgrund ihres zum Teil höheren Unterstützungsbedarfs davon ausgeschlossen ist. Ein kurzer Praxisbericht eines Berufsbetreuers soll einen Eindruck davon vermitteln, wie bei den Menschen mit Behinderung die Resonanz auf das Persönliche Budget beziehungsweise das Interesse daran ist, und auch den in diesem Zusammenhang bestehenden Informationsbedarf deutlich machen.

Abschließend werden die Selbstbestimmungsmöglichkeiten von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung im Bereich der Freizeitgestaltung im Rahmen der beiden Systeme, dem Sachleistungsprinzip und dem Persönlichen Budget, vor- und einander gegenübergestellt (Kapitel 6). Anhand eines konstruierten Beispiels soll noch einmal der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Leistungsformen herausgestellt und die Frage, ob das Persönliche Budget ein Mehr an Selbstbestimmung für die Betroffenen bewirken kann, beantwortet werden.

[Aus: Autorenreferat]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 29 SGB IX Persönliches Budget | REHADAT-Recht




Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Diplomica Verlag GmbH
Homepage: https://www.diplomica-verlag.de/

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Referenznummer:

R/NV4501


Informationsstand: 03.03.2009

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