Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation bei Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit: Psychotherapie im Fokus

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Schuhler, Petra; Vogelgesang, Monika; Jung, A. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 480-482


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Im Zuge des vollzogenen Wandels zur Dienstleistungsgesellschaft spielen die psychischen in Abgrenzung zu den körperlichen Belastungsfaktoren im Arbeitskontext eine immer größere Rolle. Dazu gehören: fehlender Handlungs- und Entscheidungsspielraum, mangelhafte Information, Zeitdruck, häufige unvorhersehbare Änderungen im Arbeitsablauf, dauernde, hohe Aufmerksamkeit, insbesondere bei monotonen Arbeitsabläufen, Unklarheit über Arbeitsabläufe, nicht eindeutig geregelte Zuständigkeiten, ebenso wie sozial-interaktive Konflikte, aggressive, entwertende Teams, Mobbing, unzureichende Weiterbildungsangebote, mangelhafte Kooperation, Kommunikation und Unterstützung, insbesondere durch Vorgesetzte. Die individuelle kognitive, emotionale und behaviorale Kompetenz, die im Fall der Sucht stark defizitär ist, entscheidet darüber, ob aus Belastungsfaktoren anhaltende Fehlbeanspruchung und in der Konsequenz Krankheitsentstehung, Chronifizierung und Multimorbidität resultieren, die unbehandelt oft bis zur Aufhebung der beruflichen Leistungsfähigkeit führen können. Besondere berufliche Problemlagen komplizieren die meisten der stationären Entwöhnungsbehandlungen. Als Fokus der Behandlung ist dabei die Psychotherapie gefordert, die unter dem Primat der Abstinenzerreichung die Verflechtung zwischen Arbeitskontext, Suchtentwicklung und Komorbidität in den Blick nimmt hinsichtlich Problemanalyse, Behandlungsplanung, psychotherapeutischer Schwerpunktsetzung mit Arbeitsbezug und Einbezug adjuvanter sozio-, ergo- und sporttherapeutischer Maßnahmen.

Methodik:

Psychotherapie-Programm als zentrales Element der MBOR. Das MBOR- Psychotherapieprogramm ist dem Grundsatz verpflichtet, dass die Einbeziehung der Persönlichkeit, der Entwicklungsgeschichte und der gesamten Lebenssituation des Patienten gelingen muss, weil es nicht nur um die Kompensation einer isolierten Leistungseinschränkung handelt.

Das Programm umfasst folgende Bausteine:
(1) Die Anamnese und Exploration der Arbeitssituation und des beruflichen Werdegangs wird in Verbindung gebracht mit der psychischen Entwicklung, den Sozialisationserfahrungen, den Persönlichkeitsmerkmalen, der sozialen Lebenssituation, und vor allem mit der Suchtentwicklung, sowie den zentralen Problembereichen der komorbiden psychischen und körperlichen Symptomatik.

(2) Vor diesem Hintergrund werden MBOR-Zielsetzungen formuliert die über die allgemeinen therapeutischen Zielsetzungen:
Diese lauten im Einzelnen: Einsicht in die psychogenetischen Zusammenhänge, die zur Fehlbeanspruchung im Arbeitshandeln führen: Zusammenhänge zwischen dysfunktionaler innerer Steuerung hinsichtlich der Leistungserbringung Symptomentwicklung und Einsatz von Suchtmitteln in abhängiger Weise.

(3) MBOR-spezifischer Behandlungsplan: Einsichtsvermittlung in die Art und Weise, wie das Suchtmittel dazu beigetragen hat, die komplexe pathogene Struktur von Persönlichkeit und Arbeitshandeln aufrechtzuerhalten im Sinn einer kognitiven und emotionalen Krankheitsannahme als Suchtkranker; Erlernen arbeitskontextspezifischer Symptombewältigung, wie beispielsweise Expositionsübungen in sensu und in vivo; Erarbeitung der arbeitsbezogenen Kompetenzen und Ressourcen; Arbeitserprobung im Anschluss; Abstinenzentscheidung und Rückfallprophylaxe unter besonderer Berücksichtigung der prästationären Funktionalität des Medikamentenkonsums zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit und Erarbeitung funktionaler Alternativen im Arbeitskontext.

(4) Methodische Elemente: Im Zentrum steht die interaktionelle Gruppenpsychotherapie im Rahmen der therapeutischen Wohngruppe (wegen der besonderen Explorations- und Veränderungspotenz arbeitsbezogener Erlebens- und Handlungsdefizite), flankiert von Einzeltherapie und indikativem Therapieprogramm via Problembewältigung am Arbeitsplatz im multiprofessionellen Team, das medizinische Versorgung, Ergo- Sport- und soziotherapeutische Behandlungselemente integriert.

(5) Erarbeitung individueller Lösungen für berufs- und sozialrechtliche Problemlagen: Sozial- und Berufsberatung, Beratung bei Arbeitsplatzproblemen, Bewerbungstraining, Möglichkeiten der Wiedereingliederung und von LTA, interne und externe Belastungserprobungen.

(6)Empirische Wirksamkeitsüberprüfung
In der Zweijahreskatamnese zeigte sich, dass 83 Prozent der Patienten im Erwerbsleben geblieben sind. Dies korrespondiert mit Ergebnissen zu dem arbeitsbezogenen Erleben und Verhalten, gemessen mit dem AVEM-Fragebogen.

Diskussion:

Die Ergebnisse ermutigen den eingeschlagenen Weg des fokussierten Arbeitsweltbezugs in der Psychotherapie bei suchtmittelabhängigen Patienten weiter zu verfolgen, um anhaltender psychischer Fehlbeanspruchung im Arbeitskontext, die sowohl Ursache als auch Folge von eingeschränkter beruflicher Leistungsfähigkeit bei Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit
ist, wirksam entgegenzutreten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362287


Informationsstand: 28.07.2014

in Literatur blättern