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Bibliographische Angaben zur Publikation

Kurzfristige Wirksamkeit der internetbasierten Nachsorge GSA-Online für beruflich belastete Patienten

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Zwerenz, Rüdiger; Gerzymisch, Katharina; Becker, J. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 271-273


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

In der stationären medizinischen Rehabilitation haben berufsbezogene Behandlungsangebote mittlerweile einen hohen Stellenwert und deren Wirksamkeit für den stationären Kontext konnte belegt werden. Allerdings gibt es noch kaum Befunde dazu, wie der Transfer der während der Rehabilitationsmaßnahme erreichten Veränderungen in den Berufsalltag gelingen kann. Von der Deutschen Rentenversicherung Bund werden verschiedene Reha-Nachsorgeprogramme angeboten (zum Beispiel IRENA, KARENA), die berufsbegleitend in Verbindung mit der medizinischen Rehabilitation zu einer Verbesserung berufsbezogener Parameter führen sollen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass nur ein geringer Teil der Rehabilitanden eine ambulante Nachsorgebehandlung wahrnimmt, vor allem wenn diese nicht mit den beruflichen Verpflichtungen vereinbar ist oder mit einem hohen Zeitaufwand beziehungsweise
schlechter Erreichbarkeit der Nachsorgeeinrichtung einhergeht. An dieser Schnittstelle erscheinen internetbasierte Nachsorgemaßnahmen vielversprechend. Basierend auf dieser Annahme wurde das Nachsorgeprogramm 'GSA-Online' entwickelt, das sich auf das stationäre Behandlungsangebot 'Gesundheitstraining Stressbewältigung am Arbeitsplatz' (GSA) stützt.

Methodik:

Im Rahmen einer multizentrischen kontrollierten randomisierten Studie wurden in den teilnehmenden Kliniken indikationsübergreifend (Kardiologie, Orthopädie, Psychosomatik) konsekutiv Patienten nach Prüfung der Ein- und Ausschlusskriterien in die Studie aufgenommen und randomisiert entweder der Interventions- (IG) oder der Kontrollgruppe (KG) zugewiesen. Patienten der Interventionsgruppe erhielten nach Entlassung aus der stationären Rehabilitation die spezielle internetbasierte Nachsorge 'GSA-Online'. Patienten der Kontrollgruppe erhielten, über die üblichen Nachsorgeempfehlungen hinaus, regelmäßig Hinweise auf im Internet zugängliche Informationen zu Gesundheitsverhalten und Stressbewältigung. Drei sowie 12 Monate nach der stationären
Rehabilitation wurden beide Gruppen über die Internetplattform katamnestisch mit standardisierten Verfahren (unter anderem SIBAR, AVEM, SF-12, PHQ) untersucht.

Ergebnisse:

Zwischen Juli 2011 und August 2013 haben insgesamt N=660 Patienten (Kardiologie: N=322; Psychosomatik: N=203; Orthopädie: N=135) die Einschlusskriterien erfüllt und sich zur Teilnahme an der Studie bereiterklärt; N=343 (52 Prozent) wurden in die Kontrollgruppe und N=317 (48 Prozent) in die Interventionsgruppe randomisiert. Die Teilnahmerate nach Entlassung aus der stationären Rehabilitation (mindestens einmal Login) betrug 73 Prozent (N=250) in der KG und 77 Prozent in der IG (N=244). An der Befragung zum Ende der Intervention (drei Monate nach der Reha) haben 75 Prozent (IG 73 Prozent, KG 77 Prozent) der Patienten teilgenommen, der Rücklauf der noch laufenden Katamnese (12 Monate nach der Reha) beträgt aktuell circa 68 Prozent (IG 67 Prozent, KG 68 Prozent). Das Hauptzielkriterium, der Sozialmedizinische Risikoindex im SIBAR (Bürger, Deck, 2009) lag drei Monate nach der stationären Rehabilitation bei M=3,36 (SD=3,34) in der IG und M=3,79 (SD=3,29) in der KG (t[487]=1,44, p=.149). Auch hinsichtlich anderer Indikatoren der beruflichen Reintegration waren beide Gruppen zum Ende der Intervention vergleichbar (zum Beispiel Arbeitsunfähigkeitsdauer, Erwerbstätigkeit). Allerdings zeigte sich in der Teilstichprobe der Psychosomatik ein signifikanter Unterschied im Sozialmedizinischen Risikoindex zugunsten der IG (M=3,87, SD=3,67) verglichen mit der KG (M=5,25, SD=4,05, t[153]=2,21, p=.027).

Schlussfolgerung und Ausblick:

Mit unserer Studie konnte gezeigt werden, dass eine internetbasierte Nachsorge mit berufsbezogenem Schwerpunkt indikationsübergreifend bei Patienten der stationären medizinischen Rehabilitation auf eine hohe Akzeptanz stößt. Allerdings konnten drei Monate nach Entlassung aus der stationären Rehabilitation mit Ausnahme der Teilstichprobe der psychosomatischen Patienten noch keine bedeutsamen Unterschiede im Sozialmedizinischen Risikoindex festgestellt werden. Zu überlegen ist, ob der Sozialmedizinische Risikoindex als Zielkriterium zu streng ist, insbesondere da unsere Stichprobe schon im Screening einen vergleichsweise niedrigen Wert in diesem Risikoindex aufwies (Bodeneffekt). Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie änderungssensitiv der Sozialmedizinische Risikoindex für den relativ kurzen Zeitraum von drei Monaten ist, so dass sich erst nach Abschluss der 12-Monatskatamnese die Frage nach der Wirksamkeit der internetbasierten Nachsorge abschließend beantworten lässt. Weitere Ergebnisse zu den Nebenfragestellungen und zu indikationsspezifischen Untergruppen werden berichtet.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV362264


Informationsstand: 17.04.2014

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