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Bibliographische Angaben zur Publikation

Vorhersage kritischer beruflicher Ereignisse durch den SIMBO bei Patienten mit Muskel-Skeletterkrankungen: Zur Relevanz einer Schwellenwertdiskussion

Poster auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Streibelt, Marco


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 158-160


Jahr:

2014



Abstract:


Einleitung:

Bei chronischen Muskel-Skelett-Krankheiten (MSK) ist die Evidenz hoch, dass RehabilitandInnen mit besonderen beruflichen Problemlagen (BBPL) von einer medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) stärker hinsichtlich ihrer Reintegration in das Erwerbsleben profitieren als von einer herkömmlichen medizinischen Rehabilitation. RehabilitandInnen mit BBPL zeichnen sich durch erhebliche Beeinträchtigungen ihrer beruflichen Teilhabe aus, deren Identifikation integraler Bestandteil einer erfolgreichen Durchführung der MBOR sein sollte. Die Nutzung standardisierter Screenings hat sich dabei als erfolgreiche Strategie herauskristallisiert. Angesichts der geringen Verbreitung von MBOR-Behandlungsprogrammen erlangt die Steuerung bei den Leistungsträgern zur Zuweisung in Reha-Zentren mit MBORSchwerpunkt herausgehobene Bedeutung. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund hat sich vor diesem Hintergrund für die screeninggestützte Steuerung im Antragsverfahren entschieden und testet diese in der orthopädischen Indikation. Die Reha-Antragsunterlagen wurden um den SIMBO erweitert, dessen gute Testeigenschaften in Bezug auf die Beschreibung von BBPL nachgewiesen sind. Ungeachtet der Empfehlung eines Cut-off von 30 Punkten besteht bislang Unklarheit, welcher Schwellenwert im Steuerungsmanagement angezeigt ist.

Methoden:

Eine Re-Analyse bestehender Datensätze fokussierte die prädiktive Güte des SIMBO in Bezug auf BBPL im Anschluss an die medizinische Rehabilitation (BBPLpost). Eingeschlossen wurden MSK-PatientInnen, die zwischen 2002 und 2008 eine stationäre orthopädische Rehabilitation in vier Rehabilitationskliniken absolvierten. Informationen aus Befragungen zu Reha-Beginn und nach 6 Monaten sowie Daten des Entlassungsberichts wurden genutzt. BBPLpost definierte sich über eine Kombination aus Nichterwerbstätigkeit beziehungsweise Fehlzeiten von mehr als 3 Monaten im 6-Monats-Follow up. War eines der Ereignisse angegeben, lag eine BBPLpost vor. Zusätzlich wurde ermittelt, inwiefern der SIMBO die separaten Ereignisse, eine verringerte Leistungsbeurteilung (LB) in der letzten Tätigkeit (< 6 Stunden) sowie eine Empfehlung zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) vorhersagen kann. Anhand einer ROC-Analyse zur Vorhersage der BBPLpost durch die SIMBO-Skala erfolgte die Festlegung des optimalen Cut-off (Maximierung anhand des Youden-Index J). Der Cut-off diente anschließend in multiplen logistischen Regressionsanalysen als Trennwert für die Vorhersage der genannten Outcomes. Die Modelle wurden nach Alter, Geschlecht, Diagnose und subjektivem Gesundheitszustand adjustiert.

Ergebnisse:

Komplette Datensätze lagen für 1.849 PatientInnen vor (Alter: 47.8 ± 8.7; Frauen: 35 Prozent; M40-M54: 81 Prozent). 27 Prozent der PatientInnen wiesen im 6-Monats-Follow up eine BBPLpost auf (Nichterwerbstätigkeit: 17 Prozent; Fehlzeiten >3 Monate: 16 Prozent). Die SIMBO-Skala konnte die BBPLpost mit einem AUC=.83 (.81-.85) sehr gut vorhersagen. Der optimale Cut off lag bei 23 Punkten (J=.57). Damit wurde eine Übereinstimmung von 77 Prozent erreicht (Sensitivität: 81 Prozent, Spezifität: 76 Prozent). 40 Prozent der PatientInnen werden damit als auffällig definiert. Bei SIMBO?23 wurde für eine BBPLpost ein Odds Ratio (OR) = 12,5 (9,5-16,5) ermittelt. Auch mit Nichterwerbstätigkeit (OR=10,6; 7,6-14,7), Fehlzeiten >3 Monate (OR=10,7; 7,5-15,3), einer LB <6h (OR=20,1; 11,2-36,3) und einer LTA-Empfehlung (OR=6,9; 4,8-10,0) war der SIMBO in hohem Maße assoziiert.

Diskussion:

Die Analyse weist die ausgezeichnete prädiktive Validität des SIMBO erstmals an einer großen, multizentrischen Stichprobe für den Bereich der MSK-Rehabilitation nach. Das Risiko kritischer beruflicher Ereignisse im Anschluss an die medizinische Rehabilitation ist bei höheren SIMBO-Werten um ein Vielfaches erhöht. Dabei zeigt sich, dass die bisherige Festlegung des Schwellenwertes für eine BBPL mit 30 Punkten (angelehnt an die Übereinstimmung mit dem klinischen Arzturteil) überdacht werden muss. Für MSK-PatientInnen kann auf der Grundlage dieser Analyse auch ein geringerer Cut-off (hier: 23 Punkte) empfohlen werden. Insbesondere für die Nutzung bei Reha-Trägern bietet sich dieser niedrigschwellige Zugang an, um möglichst viele BBPL-PatientInnen richtig zu erkennen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV362255


Informationsstand: 17.04.2014

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