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Bibliographische Angaben zur Publikation

Lebensqualität, Erwerbstätigkeit und körperliche Aktivität bei Menschen mit Sehschädigungen: Eine Befragung ehemaliger Rehabilitanden von Berufsförderungs- und Berufsbildungswerken

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Schliermann, Rainer; Heydenreich, P.; Scheuer, T. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 106-108


Jahr:

2014



Abstract:


Einleitung:

Es ist belegt, dass die subjektive Lebensqualität (LQ) wesentlich von einer als befriedigend wahrgenommenen Erwerbstätigkeit abhängt. Gleichzeitig setzt eine Erwerbstätigkeit adäquate Ressourcen und Kompetenzen seitens der potenziell im Erwerbsleben Stehenden im Sinne der sogenannten individuellen Beschäftigungsfähigkeit voraus. Es hat sich gezeigt, dass körperliche Aktivität und Sport positive Wirkungen auf genannte Aspekte haben kann. In Bezug auf Personen mit Sehschädigungen im erwerbsfähigen Alter liegen bisher im deutschsprachigen Raum keine Studien vor, die sich mit körperlicher Aktivität, Sport und Lebensqualität beschäftigen. Eine Vielzahl von Studien ist ophthalmologisch ausgerichtet und konzentriert sich auf ältere und nicht mehr erwerbstätige Personen. Hier wird deutlich, dass diese Personengruppe im Regelfall eine schlechtere sehbezogene Lebensqualität aufweist. Die nachfolgende Studie verfolgt deshalb das Ziel, für den deutschsprachigen Raum repräsentative Daten zu körperlicher Aktivität, Sport und Lebensqualität bei Personen im erwerbsfähigen Alter zu analysieren. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderte Projekt soll mittelfristig zur Optimierung des beruflichen Rehabilitationsprozesses beitragen.

Methode:

Es wurde eine Online-Befragung bei 277 Personen (38 Prozent weiblich) mit Sehschädigungen durchgeführt, die ehemals Teilnehmer der Berufsförderungswerke (BFWs) Düren, Mainz und Halle (Saale) sowie des Berufsbildungswerks Stuttgart (BBW) waren. Das Durchschnittsalter beträgt 40.05 Jahre (SD=10.71). Somit handelt es sich um Personen, die prinzipiell erwerbstätig sein können. Der verwendete standardisierte Fragebogen umfasste Angaben zur Sehbeeinträchtigung, Freizeit- und Sportverhalten, biografische Daten sowie zur subjektiven LQ. Letztgenannter Schwerpunkt wurde durch den WHOQOL-BREF Kurzfragebogen der WHO operationalisiert. Er gilt als reliables und valides Instrument und ist weltweit verbreitet.

Ergebnisse:

Von den Befragten weisen 69 Prozent eine Sehschädigung mit einem Visus ?30 Prozent auf, was der Definition von Sehbeeinträchtigung und Blindheit der WHO entspricht. Bei etwa einem Drittel der Respondenten handelt es sich um eine angeborene Visusminderung. Hinsichtlich der körperlichen Aktivität betätigen sich 70 Prozent eher aktiv in ihrer Freizeit (exklusive Sportaktivitäten), während sich 49 Prozent als sportlich aktiv beschreiben. Bei 56 Prozent der Studienteilnehmer liegt bei einem BMI von >25 kg/m² Übergewicht bzw. Adipositas vor. 60 Prozent geben an, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Bezogen auf eine Normgruppe Normalsehender weisen die Befragten in allen vier Dimensionen sowie der Globalbewertung der LQ geringere Mittelwerte und somit eine geringere LQ auf. Die MANOVAs (AV: 4 Dimensionen WHOQOL-BREF) erbringen bezüglich Geschlecht und Visus keine signifikanten Unterschiede in der LQ. Bei der Sportaktivität zeigen sportlich Aktivere in der Globalbewertung der LQ univariat höhere Werte als sportlich eher Inaktive, nicht jedoch in multivariater Hinsicht (vier Dimensionen). Deutlichere Befunde ergeben sich für Freizeitaktivität (FA) und Erwerbstätigkeit (ET). Jeweils sind signifikante multivariate Differenzen zu konstatieren, die sich univariat in allen vier LQ-Dimensionen sowie der Globalbewertung widerspiegeln.

Diskussion und Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse bestätigen die Befunde bei älteren und nicht mehr im Erwerbsleben stehenden Menschen, wonach sie im Vergleich mit Normalsehenden niedrigere LQ-Werte aufweisen. Offenbar trifft dies nicht nur für sehspezifische sehbezogene Facetten zu, sondern auch für weniger spezifische in der Operationalisierung mittels WHOQOL-BREF (Physische LQ; Psychische LQ; Soziale Beziehungen; Umwelt; Globalwert). Dass eine Erwerbstätigkeit die LQ wesentlich zu beeinflussen scheint, zeigen die erhaltenen Ergebnisse. Nichterwerbstätige zeigen in allen Dimensionen sowie der Globalbewertung eine niedrigere LQ als im Arbeitsleben stehende Personen. Insofern ist es auch unter gesundheitsbezogenem Aspekt bedeutsam, die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu fördern und somit eine Erwerbstätigkeit anzubahnen. Es hat sich gezeigt, dass eine allgemeine körperlich aktive Freizeitgestaltung auf alle Facetten der LQ positiv wirkt und spezifischeres Sportverhalten zumindest auf die Globalbewertung positiv wirkt. Demnach scheint es sinnvoll, Strategien der aktiven Freizeitgestaltung auch in beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen gezielt zu nutzen. Die Rolle spezifischer Sportangebote in diesem Kontext ist noch genauer zu untersuchen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV362234


Informationsstand: 17.04.2014

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