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Bibliographische Angaben zur Publikation

Optimierungspotenziale und Entwicklungsperspektiven der Bedarfsermittlung bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Schubert, Michael; Bade, Svea; Gleisberg, Dorit [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 93-95


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Die individuelle und auf Teilhabeziele ausgerichtete Ermittlung von Bedarf an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ist die zentrale Voraussetzung für adäquate Leistungsentscheidungen sowie passgenaue und erfolgreiche Rehabilitationsprozesse. Sozialrechtliche Anforderungen des Neunten Sozialgesetzbuches an Prozesse der Bedarfsermittlung formulieren den Maßstab, dass diese umfassend und ganzheitlich erfolgen und Ergebnisse von Bedarfsermittlungsprozessen trägerübergreifend verwendbar sein sollen. Der Beitrag mit Ergebnissen aus der Machbarkeitsstudie 'Prüfung von aktuellem Stand und Potenzial der Bedarfsermittlung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben unter Berücksichtigung der ICF' stellt Optimierungspotenziale hinsichtlich einer noch besseren Gestaltung und Steuerung des Rehabilitationsprozesses über die Bedarfsermittlung in den Mittelpunkt. Bearbeitet wird dabei auch, inwiefern die ICF ein geeignetes Mittel zur Optimierung darstellt und welche Perspektiven sich für Weiterentwicklungsprozesse bei der Bedarfsermittlung als Schlussfolgerung ergeben.

Methodik:

Die Ergebnisse beruhen auf verschiedenen methodischen Zugangswegen. So wurden neben einer umfangreichen Literaturrecherche eine umfassende bundesweite Befragung aller Leistungsträger sowie zentrale Leistungserbringer im Bereich der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben mittels Fragebogen (mit geschlossenen, halboffenen und offenen Fragentypus) befragt. Die Rücklaufquote bei Leistungsträgern (n=68) und -erbringern (n=190) lag bei je knapp 30 Prozent. Darüber hinaus wurden Leistungsberechtigte (Teilnehmer) schriftlich mittels Fragebogen (Rücklauf: 82 Prozent; n=212) und im Rahmen je einer Fokusgruppe mit Menschen mit Behinderung sowie mit deren Verbände in die Untersuchung einbezogen.

Ergebnisse:

Aufbauend auf einer Erforderlichkeit der Kooperation und Kommunikation der Akteure im Rahmen des Rehabilitationsprozesses sehen die Befragten Optimierungsmöglichkeiten bei der akteursübergreifenden Kommunikation und Zusammenarbeit. Dies bezieht sich unter anderem auf den Informationsfluss zwischen Leistungsträgern untereinander und zwischen Leistungsträgern und -erbringern bezüglich Inhalt, Geschwindigkeit und Informationsqualität, aber auch auf eine Vernetzung der verschiedenen Akteure. Hinsichtlich der inhaltlichen Weiterentwicklung von Bedarfsermittlungsprozessen und insbesondere der eingesetzten vielfältigen Instrumente und Verfahren, lassen sich die Nennungen zur Kategorie 'stärkere Konvergenz' bündeln. Benannt wird dabei einerseits das Erfordernis einer Standardisierung, andererseits aber auch das Erfordernis, dem Einzelfall gerecht zu werden. Des Weiteren bestehen Optimierungsmöglichkeiten hinsichtlich einer Passgenauigkeit von LTA bezogen auf die Individualität und Spezifik des Einzelfalls. Dabei seien die Bedarfsermittlungsprozesse stärker ganzheitlich sowie ressourcen- und kompetenzorientiert auszurichten, wobei den individuellen Teilhabezielen und relevanten Lebenskontexten zukünftig eine stärkere Bedeutung zukommen sollte. Insbesondere wird das Erfordernis des stärkeren Einbezugs von Kontextfaktoren und deren Bedeutung für die Erreichung von Teilhabezielen benannt.

Von einigen Akteuren werden Nutzungsmöglichkeiten der ICF unter anderem im Hinblick auf gemeinsame Begrifflichkeiten (Sprache) und damit Verbesserungsoptionen für die Kommunikation, Möglichkeiten einer exakten, differenzierten und ganzheitlichen Betrachtung beziehungsweise Beschreibung individueller Bedarfslagen (zum Beispiel durch den regelhaften Einbezug von Kontextfaktoren) angeführt. Befragte benennen aber im Blick auf einen möglichen Einsatz der ICF im Rahmen der Bedarfsermittlung bei LTA zugleich wesentliche fachwissenschaftliche Weiterentwicklungsnotwendigkeiten. Diese beziehen sich unter anderem auf die Abbildung der Variablen Arbeitswelt und Kompetenzen.

Diskussion und Schlussfolgerungen:

Von den Akteuren werden für Bedarfsermittlungsprozesse bei LTA eine Vielzahl an Optimierungspotenzialen mit unterschiedlichen Zielrichtungen und mit verschiedenen Reichweiten benannt. Ausgehend von einer der Fragen des Forschungsprojektes, welchen Beitrag die ICF zur Weiterentwicklung leisten kann, ergibt sich, dass die ICF - in ihrer Charakteristik als Klassifikations beziehungsweise Ordnungssystem - und insbesondere das bio-psycho-soziale Modell geeignet erscheint, eine Grundlage für eine ganzheitliche Betrachtung der Person im Rahmen der Bedarfsermittlung zu bilden, da die ICF sowohl Beeinträchtigungen der Aktivitäten und Teilhabe als auch Wechselwirkungen mit Kontextfaktoren (zum Beispiel Sozialraum) berücksichtigt. Ferner scheint sie geeignet zu sein, durch gemeinsame Begrifflichkeiten zu einer besseren Verständigung zwischen den Akteuren beizutragen. Im Blick auf die Anforderungen von UN-Behindertenrechtskonvention und Neuntes Sozialgesetzbuch kann sie als akteursübergreifende anerkannte Systematik zugleich als Referenz von Strukturierung und Konvergenz der diversifizierten Bedarfsermittlungsprozesse genutzt werden. Entwicklungsperspektiven dazu werden vorgestellt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV362228


Informationsstand: 17.04.2014

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