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Bibliographische Angaben zur Publikation

Besondere berufliche Problemlagen bei Rehabilitanden der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Golla, Andre; Saal, Susanne; Mau, Wilfried


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 66-67


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Der Ausbau der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) gilt als ein wichtiges Ziel der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Aktuell werden bundesweit berufsbezogene Konzepte in den medizinischen Rehabilitationseinrichtungen entwickelt und implementiert. Für etwa ein Drittel aller Rehabilitanden wird angenommen, das eine gesundheitsbedingte besondere berufliche Problemlage (BBPL) vorliegt und dementsprechend ein Bedarf an berufsbezogenen Maßnahmen während der medizinischen Rehabilitation angezeigt ist. Grundlage dieser Bedarfsschätzung bilden Versichertendaten der damaligen Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf Versicherte der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung ist aufgrund unterschiedlicher Versichertenmerkmale fraglich. Ziel unserer Untersuchung war es daher, auf Grundlage erfüllter BBPL-Kriterien den anteiligen Bedarf an spezifischen MBOR-Leistungen unter allen Rehabilitanden der DRV Mitteldeutschland zu beschreiben.

Methoden:

Zur Analyse stellte die DRV Mitteldeutschland anonymisierte Routinedaten und Angaben aus den Entlassungsberichten von Versicherten mit Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Heilverfahren und Anschlussrehabilitation) des Kalenderjahres 2011 bereit. Der Datensatz umfasste Fälle im Alter von 18 bis 64 Jahren in den Indikationsbereichen Orthopädie, Psychosomatik (ohne Abhängigkeitserkrankungen), Kardiologie, Neurologie und Onkologie. In Anlehnung an die Definition von Müller-Fahrnow und Radoschweski wurden zur Identifikation von BBPL ein eingeschränktes Leistungsvermögen < 6 Stunden täglicher Arbeitszeit, Arbeitsunfähigkeitszeiten > 3 Monate vor der Rehabilitation (Reha) und Arbeitslosigkeit zu Reha-Beginn herangezogen. Die Analyse erfolgte deskriptiv unter Berücksichtigung des Geschlechts, der Diagnose und des beantragten Rehabilitationsverfahrens.

Ergebnisse:

Zur Auswertung standen vollständige Datensätze von 26.873 Behandlungsmaßnahmen aus 81 ambulanten und stationären medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zur Verfügung. Die Rehabilitanden sind durchschnittlich 50 ± 9 Jahre alt, 34 Prozent sind weiblich. 82 Prozent der Rehabilitanden erhielten stationäre Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Insgesamt 51 Prozent der Rehabilitanden absolvierten eine Anschlussrehabilitation. Insgesamt 65 Prozent der Rehabilitanden der DRV Mitteldeutschland erfüllen mindestens ein Kriterium einer BBPL. Geschlechtsbezogene Unterschiede lassen sich nicht beobachten. BBPL sind bei der Anschlussrehabilitation (64 Prozent) nur geringfügig seltener als im Heilverfahren (67 Prozent). Die höchsten BBPL-Anteile lassen sich bei Rehabilitanden in der onkologischen (74 Prozent), psychosomatischen (74 Prozent) und neurologischen (72 Prozent) Rehabilitation identifizieren. In der orthopädischen (65 Prozent) und kardiologischen (56 Prozent) Rehabilitation fallen die Anteile an Rehabilitanden mit BBPL vergleichsweise geringer aus.

Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit nach Abschluss der Rehabilitationsmaßnahme, lange AU-Zeiten sowie das kombinierte Auftreten beider Kriterien erklären den größten Teil der BBPL innerhalb der Stichprobe. Lässt man die Arbeitslosigkeit als ein alleiniges Kriterium einer BBPL unberücksichtigt, sinkt die Häufigkeit der Fälle mit erfüllten BBPL-Kriterien in der Stichprobe nur geringfügig auf 60 Prozent. Auffällig sind die indikationsübergreifend hohen Anteile an Rehabilitanden (25 Prozent bis 33 Prozent), bei denen mehrere Kriterien die BBPL bestimmen.

Diskussion und Ausblick:

Im Raum Mitteldeutschland zeigt sich im Vergleich zu bisherigen Schätzungen ein deutlich höherer Anteil an Rehabilitanden bei denen ein Bedarf an MBOR-Leistungen zu vermuten ist. So erfüllen circa die Hälfte bis drei Viertel aller Rehabilitanden die Kriterien für eine besondere berufliche Problemlage. In allen betrachteten Indikationsbereichen sind diese hohen BBPL-Anteile anzunehmen. Die Ergebnisse untermauern die Notwendigkeit der flächendeckenden Durchführung von MBOR-Basisangeboten und sprechen für einen hohen Bedarf an MBOR-Kernmaßnahmen in der medizinischen Rehabilitation. Dies stellt alle MBOR-Akteure in Regionen mit BBPL-Häufigkeiten in der genannten Größenordnung vor besondere Herausforderungen, die in enger Kooperation gemeinsam zu bewältigen sind.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://deutsche-rentenversicherung.de/
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV362214


Informationsstand: 17.04.2014

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