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Bibliographische Angaben zur Publikation

Therapieerfolg bei pathologischem Glücksspielen - Berufsbezogene Aspekte

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Premper, Volker; Schwickerath, Josef; Missel, Peter [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 500-502


Jahr:

2013



Abstract:


Ziele/Fragestellung:

Der überwiegende Teil der Patienten, die wegen pathologischem Glücksspielen in Deutschland eine stationäre Therapie suchen, erhalten ihre Behandlung im Rahmen der medizinischen Rehabilitation. Wesentliches Ziel der medizinischen Rehabilitation ist es, die Teilhabe am Erwerbsleben zu fördern bzw. vorzeitiges Ausscheiden oder Beeinträchtigungen zu verhindern oder hinauszuschieben (DRV Bund, 2007). Entsprechend wurde im Rahmen einer multizentrischen Katamnese der Frage nachgegangen, in wie weit sich nach der Behandlung die berufliche Situation der Rehabilitanden verbessert hat. Ferner wurde untersucht, welchen Einfluss berufliche und soziodemografische Parameter für den Therapieerfolg und den Erwerbsstatus zum Katamnesezeitpunkt haben.

Methodisches Vorgehen:

Die AHG-Kliniken, in denen pathologische Glücksspieler behandelt werden, haben eine gemeinsame multizentrische 1-Jahreskatamnese durchgeführt (Premper, Petry, 2012). Untersucht wurden alle zwischen dem 01.10.2010 und 30.09.2011 entlassenen Patienten. Die Erhebung umfasste drei Messzeitpunkte, Eingangs- und Abschlussdiagnostik (T1, T2) sowie eine Nachuntersuchung (T3) ein Jahr nach Entlassung. Zum Einsatz kamen ein spezifischer Anamnesefragebogen, der Kurzfragebogen zum Glücksspielverhalten (KFG, Petry, Baulig, 1996) sowie der Schweriner Fragebogen zum Glücksspielen (SFG, Premper et al., 2007). Die Nachuntersuchung erfolgte analog der Katamnesestandards des Fachverbandes Sucht (FVS) unter Berücksichtigung des Kerndatensatzes zur Dokumentation im Bereich der Suchtkrankehilfe. Die Nachbefragung wurde ergänzt um einen spezifischen Zusatzfragebogen 'Pathologisches Glücksspielen'.

Ergebnisse:

Es wurde eine Rücklaufquote von 54,6 % erreicht. Von den Katamneseantwortern waren 47,8 % dauerhaft spielfrei, spielfrei nach Rückfall waren 23,2 %, rückfällig waren 29,0 %. Die Rehabilitanden, die dauerhaft spielfrei waren, beurteilten ihre Arbeitssituation als deutlich besser, als die anderen Gruppen. Von den Katamneseantwortern, die zu Behandlungsbeginn arbeitslos waren (n=152), gaben 30,3 % an, wieder in Arbeit zu sein, 29 % gaben an, weiterhin arbeitslos zu sein, 4,6 % waren selbständig, in Ausbildung oder in beruflicher Reha, 2,0 % waren berentet, 2,6 % waren sonstige Erwerbslose. 31,6 % machten keine Angabe zu ihrer Erwerbssituation. Von den Katamneseantwortern, die zu Behandlungsbeginn arbeitsunfähig waren (n=82), gaben 14,6 % an, im Katamnesezeitraum nicht arbeitsunfähig gewesen zu sein, 11,0 % unter 3 Monaten, mehr als 3 Monate, 11,1 %, nicht erwerbstätig 4,9 %, keine Angabe zu ihrem Arbeitsfähigkeitsstatus machten 58,5 %. Diejenigen, die in Arbeit waren, waren zu 74,7 % spielfrei oder spielfrei nach Rückfall, gegenüber 59,6 % der Arbeitslosen, ferner wiesen sie eine signifikant geringere Involviertheit in das Glücksspielen (SFG-Gesamtwert 6,9 gegenüber 14,7) auf. Letzteres gilt auch für Personen, die in Ausbildung, beruflicher Reha oder die nicht erwerbstätig waren (SFGGesamtwert 7,5).

Schlussfolgerungen:

Die katamnestische Erfolgsquote (71,0 % nach DGSS III) ist vergleichbar derjenigen, die aus der Behandlung alkoholabhängiger Patienten bekannt ist (75,0 % nach DGSS III; Missel et al., 2012). Ein beträchtlicher Teil der zuvor arbeitslosen Patienten ist wieder in Arbeit und Arbeitsunfähigkeit konnte deutlich reduziert werden, selbst wenn man berücksichtigt, dass ein erheblicher Anteil der Patienten zu diesen Fragen keine Angaben machte. Weiter konnte gezeigt werden, dass ein Weiterbestehen von Arbeitslosigkeit mit einer höheren Involviertheit in das Glücksspielen und mit höherer Rückfälligkeit assoziiert ist. Die Befunde machen deutlich, dass die stationäre medizinische Rehabilitation die Erwerbsprognose von pathologischen Glücksspielern verbessern kann und dass bei einem erheblichen Anteil sowohl auf der Verhaltensebene (Glücksspielfreiheit) als auch auf der Ebene der glücksspielassoziierenden Gedanken und Gefühle (Involviertheit in das Glücksspielen) Abstand vom Glücksspielen geschaffen werden kann.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV357390


Informationsstand: 05.06.2013

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