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Bibliographische Angaben zur Publikation

Bestimmungsgründe des Arbeitsmarktes für die Wiedereingliederung nach Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in Berufsförderungswerken

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Hetzel, Christian


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 291-293


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Empirische Analysen zu Bestimmungsgründen der Wiedereingliederung nach Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in Berufsförderungswerken (BFW) beziehen sich meist ausschließlich auf psychosoziale Faktoren. Der isolierte Einfluss des Arbeitsmarktes ist bislang nicht ermittelt worden. Sofern Arbeitsmarktbedingungen berücksichtigt werden, sind dies die regionale Arbeitslosenquote, die Einwohnerdichte und die offenen Stellen. Ferner wird jüngst die Arbeitsmarkttypologie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (kurz IAB, siehe Dauth et al., 2008) verwendet und damit implizit die dahinter liegenden, am Arbeitslosenkontext gewichteten Arbeitsmarktindikatoren (Literatur siehe Hetzel et al., 2012). Dies ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die arbeitsmarktlichen Bestimmungsgründe im Arbeitslosenkontext und im BFW-Kontext vergleichbar sind.

Zielstellung:

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Einflussfaktoren des Arbeitsmarktes auf die Wiedereingliederung von Rehabilitanden in Berufsförderungswerken auf Ebene der Agenturbezirke zu ermitteln und der Vergleich der Ergebnisse mit dem SGB-III-Arbeitslosenkontext.

Methodik:

Datenbasis sind
a) die regionalen BFW Wiedereingliederungsquoten des Abgangsjahres 2006 (Quelle: Zwei-Jahres-Nachbefragung der Arbeitsgemeinschaft der BFW),
b) ausgewählte Arbeitsmarktindikatoren des Jahres 2007 (Arbeitslosenquote, Saisonspanne, Bevölkerungsdichte, Tertiarisierungsgrad, Umgebungsvariable, Arbeitsplatzbesatz) auf Ebene der Agenturbezirke und
c) die darauf aufbauende SGB-III-Arbeitsmarkttypologie des IAB für 2007 (Dauth et al., 2008).

Die Agenturbezirke (n=75), in denen 74.5 % der nachbefragten Rehabilitanden wohnen, werden varianzanalytisch und mittels multipler loglinearer Regression untersucht - nach univariater Vorselektion (p<.4) dann schrittweise Rückwärtsselektion (p<.05) der verbleibenden Merkmale. Für den Vergleich der BFW-Rehabilitanden mit SGB-III-Arbeitslosen wird auf soziodemografische Merkmale zurückgegriffen, von denen ein Zusammenhang mit der Wiedereingliederung in Arbeit vermutet wird (Quelle: Statistiken der Bundesagentur für Arbeit).

Ergebnisse:

BFW-Rehabilitanden haben im Vergleich zu SGB-III-Arbeitslosen deutlich häufiger mittlere Reife. Das mittlere Bildungsniveau ist häufiger und das geringe bzw. hohe Bildungsniveau seltener vertreten. Unter den BFW-Rehabilitanden sind deutlich mehr Männer, die Altersklassen ab 50 und unter 25 Jahre sind nicht oder nur sehr gering besetzt. Drei der fünf IAB-Typen differenzieren die zeitpunkt- bzw. zeitraumbezogene Wiedereingliederungsquote statistisch signifikant (n²= 22 % bzw. 27.9 %). In der univariaten Betrachtung sind die Arbeitslosigkeit, der Tertiarisierungsgrad, der Arbeitsplatzbesatz und die Saisonspanne von Bedeutung. Im multiplen Modell verbleibt bei der zeitpunktbezogenen Wiedereingliederungsquote allein die regionale Arbeitslosenquote (R²=25 %). Bei der zeitraumbezogenen Wiedereingliederungsquote verbleiben die regionale Arbeitslosenquote und der Tertiarisierungsgrad (R²=30.4 %).

Diskussion:

Die Einflüsse des Arbeitsmarktes im BFW-Kontext sind gegenüber dem SGB-III-Kontext deutlich geringer (dort R²=80 %, Dauth et al., 2008) und weniger komplex (dort alle sechs Merkmale). Herausragende Bedeutung für die Wiedereingliederung hat in beiden Kontexten wie erwartet die regionale Arbeitslosenquote. Zweiter Einflussfaktor ist der Tertiarisierungsgrad, was bereits Köster et al. (2007) für Dienstleistungsberufe andeutet. Der vergleichsweise geringere Arbeitsmarkteinfluss dürfte vor allem auf die qualifizierungsorientierten Interventionen und die institutionelle Unterstützung durch BFW zurückzuführen sein. Denn Unterschiede in der Personenstruktur sind nicht eindeutig. Einerseits sind alters- und bildungsbedingte Arbeitsmarktrisiken bei BFW-Rehabilitanden vergleichsweise geringer ausgeprägt, andererseits haben sie seltener hohes Bildungsniveau und zudem eine gesundheitliche Einschränkung. Die zeitpunktbezogene Betrachtung der Wiedereingliederung ist im Vergleich zur zeitraumbezogenen Betrachtung das 'härtere' Erfolgskriterium, weil sie die Nachhaltigkeit der Wiedereingliederung abbildet (Grünbeck, Klosterhuis, 2006). Arbeitslosenquote und Tertiarisierungsgrad klären etwas mehr Varianz als die IAB-Typologie auf. Dies überrascht nicht, da in der IAB-Typologie die arbeitsmarktlichen Einflussfaktoren aus dem nur bedingt vergleichbaren SGB-III-Kontext modelliert werden.

Schlussfolgerung:

Der Einfluss des Arbeitsmarktes auf die Wiedereingliederung ist im BFW-Kontext deutlich geringer und weniger komplex als im SGB-III-Kontext. Die bedeutsamen Bestimmungsgründe sind die regionale Arbeitslosenquote sowie der regionale Tertiarisierungsgrad, die etwas mehr Varianz als die IAB-Typologie aufklären.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV357355


Informationsstand: 05.06.2013

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