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Bibliographische Angaben zur Publikation

Evaluation des RehaBau-Programmes für Bauhandwerker: Erste Ergebnisse der 6-Monats-Katamnese

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Preßmann, Philipp; Philipp, Jürgen; Leibbrand, Birgit [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 250-252


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund und Zielsetzung:

Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationsmaßnahmen haben aufgrund fortschreitender Chronifizierung der Behandlungsverläufe sowie vielfältiger und neuer Herausforderungen in der Arbeitswelt, wie beispielsweise der Verlängerung der Lebensarbeitszeit, eine hohe Bedeutung (Hillert et al., 2009). Vor allem in der Bauwirtschaft sind die Folgen langjähriger Berufstätigkeit unter hohen Belastungsspektren und oftmals prekären Arbeitsplatzbedingungen deutlich spürbar (Hartmann und Seidel, 2007). Sie begründen die zumeist chronischen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und bewirken Einschränkungen sowohl der körperlichen als auch der beruflichen Funktions- und Leistungsfähigkeit. Die Folgen sind ein hoher Krankenstand und ein überdurchschnittliches Frühberentungsrisiko in der Branche (DRV, 2011). Das von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft entwickelte RehaBau-Programm orientiert sich an den beruflichen Belastungsfaktoren und Arbeitssituationen in der Bauwirtschaft, berücksichtigt aber auch die individuellen und teilweise multiplen Problemlagen der Betroffenen. Ergebnisse einer Pilotstudie ohne Vergleichsgruppe weisen auf die Wirksamkeit von RehaBau hin (Weiler et al., 2006), sodass nun die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit mit einem randomisierten kontrollierten Studiendesign überprüft wird.

Methode:

Die NABEOR-Studie ist eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie zur Evaluation der Nachhaltigkeit einer medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation am Beispiel des RehaBau-Programmes für Bauhandwerker, die in zwei Reha-Einrichtungen durchgeführt wird und auf einem prospektiven Längsschnittdesign beruht. Es werden Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen aus dem Baugewerbe sowie aus tätigkeits- und belastungsähnlichen Arbeiterberufen zu vier Messzeitpunkten - Prä (t0), Post (t1) und Followup nach sechs (t2) und zwölf Monaten (t3) - befragt. Bei der bis August 2013 andauernden Gesamtbefragung wurde bis dato eine Teilstichprobe von n = 143 Fällen ausgewertet - 71 Fälle in der Interventionsgruppe (IG) und 72 Fälle in der Kontrollgruppe (KG). Die IG, die das RehaBau-Programm erhält, nimmt an einem berufsorientierten theoretischen und praktischen Ergonomietraining (u. a. auf einer Übungsbaustelle) sowie an vordergründig aktiven und intensivierten bewegungstherapeutischen Rehabilitationsmaßnahmen teil. Die Rehabilitation findet in geschlossenen Gruppen statt und wird durch einen speziell qualifizierten Therapeuten betreut. Die KG bekommt ein konventionelles orthopädisches Rehabilitationsverfahren (usual care). Als Messinstrumente fungieren für den Gesundheitszustand die visuelle Analogskala der EuroQol-Gruppe (EQ-5D VAS), für die körperliche Funktionsfähigkeit der Funktionsfragebogen Hannover (FFbH) (für beide Instrumente gilt: Skala von 0 bis 100, höhere Werte = bessere Werte), für die Schmerzwahrnehmung der Pain Disability Index (PDI) und für die berufliche Funktionsfähigkeit der AU-Status. Zusammenhänge wurden mit t-Test und Chi2-Test ausgewertet.

Ergebnisse:

Zum Ende der Rehabilitation verbesserte sich der Gesundheitszustand (EQ-5D VAS) in beiden Therapiegruppen (IG: 67, KG: 59), wobei ein signifikanter Gruppenunterschied zu Gunsten der IG erkennbar wird (p<0,05). Sechs Monate nach Abschluss der Maßnahme profitieren die IG-Patienten weiter von ihrer Reha, wohingegen der Gesundheitszustand der KG-Patienten absinkt (IG: 74, KG: 52, p<0,001). Bei der körperlichen Funktionskapazität (FFbH) kann zu t1 kein signifikanter Gruppenunterschied nachgewiesen werden (IG und KG je 85 %). Sechs Monate nach dem Ende der Reha besteht allerdings ein signifikanter Gruppenunterschied (IG: 88 %, KG: 81 %, p<0,01). Des Weiteren sind RehaBau-Patienten zu t2 weniger stark durch Schmerzen in verschiedenen Lebensbereichen eingeschränkt (PDI) als Patienten der Kontrollgruppe (p<0,05). Von den Patienten, die arbeitsunfähig aus dem Rehabilitationsverfahren entlassen wurden (n = 46), sind nach 6 Monaten noch knapp 24 % der IG-Patienten und 32 % der KG-Patienten arbeitsunfähig erkrankt. Dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant.

Diskussion und Ausblick:

Die Ergebnisse weisen auf eine gute Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des medizinisch-beruflich orientierten RehaBau-Programmes hin. Dies zeigt sich beim Gesundheitszustand, der körperlichen Funktionsfähigkeit und der Schmerzwahrnehmung sechs Monate nach Beendigung der Maßnahme. Bei der Return-to-work-Rate ist ein positiver Trend zu Gunsten der RehaBau-Patienten zu erkennen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Rehabilitation in geschlossenen, berufshomogenen Gruppen und die stärkere Einbindung der tatsächlichen Arbeitsplatzsituation, das heißt der konkreten Arbeitsplatzbelastungen und Arbeitsplatzbedingungen zu einer Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes, der körperlichen Funktionsfähigkeit und einer verbesserten Schmerzwahrnehmung beitragen. Weiteren Aufschluss sollen die noch ausstehenden Rückläufer der 6-Monats-Katamnese sowie die 12-Monats-Katamnese geben, insbesondere bezüglich der Reintegrationsrate.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://deutsche-rentenversicherung.de/
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV357337


Informationsstand: 05.06.2013

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