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Bibliographische Angaben zur Publikation

Multiprofessionelle Teamarbeit in der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Schwarz, Betje; Bethge, Matthias; Brandes, Iris [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 211-213


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) stellt eine effektive Rehabilitationsstrategie für Personen mit besonderen beruflichen Problemlagen (BBPL) dar (Streibelt et al., 2009; Bethge et al., 2010). Einen wichtigen Wirkfaktor bildet die multimodale Behandlungsstruktur, in der sich Arbeitsplatztraining sowie berufsorientierte Beratung und Schulung wechselseitig ergänzen (Bethge, 2011). Obwohl die Ausführung eines solchen multimodalen Behandlungsprogrammes die enge Zusammenarbeit eines multiprofessionellen RehaTeams erforderlich macht, ist bislang unklar, wie diese im Klinikalltag realisiert wird und welche Bedeutung das multiprofessionelle Reha-Team für die MBOR hat.

Methodik:

Im Rahmen der von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Auftrag gegebenen formativen Evaluation der modellhaften Umsetzung des MBOR-Anforderungsprofils der Deutschen Rentenversicherung wurden sieben Leitfaden gestützte Fokusgruppen (à 5-11 Teilnehmende) mit den Reha-Teams der an der Studie beteiligten Rehabilitationskliniken durchgeführt.

Der Leitfaden enthielt Diskussionspunkte zu folgenden fünf Themenblöcken:
Auswahl und Zuweisung von RehabilitandInnen mit BBPL, MBOR-Konzept der jeweiligen Rehabilitationseinrichtung, Umsetzung und Bewertung des MBOR- Anforderungsprofils, Wünsche an den hauptbelegenden Rehabilitationsträger sowie Aufwand für die MBOR. Die Auswertung der Fokusgruppen erfolgte qualitativ inhaltsanalytisch (Mayring, 2008). Ziel war es, die Erfahrungen der Kliniken bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer MBOR- Angebote sowie bezüglich der Umsetzbarkeit des MBOR-Anforderungsprofils (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2010) zu erheben, um daraus mögliche MBOR- Erfolgsfaktoren abzuleiten sowie zur weiteren Optimierung des Anforderungsprofils beizutragen.

Ergebnisse:

In der Erhebung und Auswertung kristallisierte sich multiprofessionelle Teamarbeit induktiv als wichtiges Thema heraus. Alle Teams betonten den grundlegenden Stellenwert enger multiprofessioneller Zusammenarbeit in Hinblick auf eine erfolgreiche Umsetzung der MBOR. Sie sei unerlässlich für die bedarfsadäquate Behandlung der multifaktoriell belasteten Zielgruppe und folglich ein wichtiger MBOR- Wirkfaktor. Als Kennzeichen effektiver Teamarbeit wurden unter anderem die Mitwirkung des Teams an der konzeptionellen Arbeit, an der Therapieplanung und -steuerung sowie am gesamten Behandlungsgeschehen, regelmäßige Kommunikation im Team sowie eine dem Motto 'Miteinander statt nur nebeneinander' folgende Arbeitsweise benannt. Die Teams berichteten ferner, dass durch die Implementierung der MBOR eine Ausweitung und Vertiefung der multiprofessionellen Zusammenarbeit angestoßen wurde. In den Beschreibungen der im Klinikalltag tatsächlich realisierten Teamarbeit wurde jedoch deutlich, dass diese in den beteiligten Kliniken unterschiedlich erfolgt und sich die von den Teams benannten Erfolgskriterien jeweils in unterschiedlichem Maße umgesetzt finden.

So ließen sich je nach tatsächlicher Beteiligung des Teams am Behandlungsmanagement und -geschehen, den konkreten Kommunikationspraktiken und der Form der Leistungserbringung drei Typen multiprofessioneller Zusammenarbeit identifizieren und näher beschreiben:
1. 'Konsultativer Einbezug',
2. 'Integrative Partizipation' und
3. 'Gleichberechtigte Ausführung'.

Im Abgleich mit dem Forschungsstand zeigten sich große Schnittmengen zu den Modellen multi-, inter- und transdisziplinärer Teamarbeit (Thylefors et al., 2005).

Als entscheidend für die Form der Teamarbeit stellten sich vor allem strukturelle Rahmenbedingungen wie die Ausdifferenzierung des MBOR- Angebots, die MBOR- Fallzahlen und die Anzahl der beteiligten BehandlerInnen sowie entsprechende Möglichkeiten zu regelmäßigen multilateralen Fallkonferenzen heraus.

Diskussion:

Die Studie arbeitet erstmalig den zentralen Stellenwert multiprofessioneller Teamarbeit in der MBOR heraus, benennt Erfolgsfaktoren der Zusammenarbeit aus BehandlerInnensicht und beschreibt unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit im Klinikalltag. Zukünftige Studien sollten klären, ob der Teamtypus die Wirksamkeit der MBOR beeinflusst. Sollte sich ein Typus als überlegen herausstellen, wären Kliniken und Träger - idealerweise im Zuge der Implementierung eines MBOR-Programms - gefordert, entsprechende Teamentwicklungsmaßnahmen einzuleiten bzw. nötige strukturelle Rahmenbedingungen sicherzustellen.

In Hinblick auf die weitere Optimierung des MBOR-Anforderungsprofils sollte über eine stärkere Thematisierung multiprofessioneller Teamarbeit nachgedacht werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357332


Informationsstand: 04.06.2013

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