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Bibliographische Angaben zur Publikation

Social Return on Investment (SROI): Ein Konzept zur Darstellung gesamtgesellschaftlicher Nutzen sozialer Dienstleistungen

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Niederberger, Karl; Hiesmair, M.; Daume, D.


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 128-131


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Das IBE - Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Universität Linz - evaluiert seit dem Jahre 2002 regelmäßig berufliche Reha-Dienstleistungen, vornehmlich der österreichischen BBRZ Unternehmensgruppe. Bisher durchgeführte Fiskalanalysen bzw. ROI-Berechnungen (Return on Investment) von sozialen Dienstleistungen und Reha- Angeboten zeigen, dass das durch die öffentliche Hand investierte Kapital in vielen Fällen zurückfließt und sogar Rendite abwirft (Niederberger et al., 2009; Loidl-Keil, Laskowski, 2003; Niederberger, Stockbauer, 2003; Niederberger, Stockbauer, 2002; Mitterauer et al., 1998).

Methode:

Jedoch stößt das Konzept von üblichen ROI-Berechnungen für soziale Dienstleistungen an seine Grenzen, da gewisse (nicht-monetär messbare) Nutzen nicht berücksichtigt werden und diese Nutzen in Zeiten der Wirtschaftskrise und damit einhergehender Spardebatten wichtige Argumente für den Erhalt/Ausbau sozialer Dienstleistungen darstellen. Daher entwickelte das IBE ein völlig neues Konzept des SROI (Social Return on Investment), der sich aus einem hinlänglich bekannten ROI (monetärer Return on Investment: direkte und indirekte Steuerleistungen, Einsparungen an Transfers (Arbeitslosengeld), Rückflüsse an Sozialversicherung) und aus nicht-monetär messbaren, 'weichen' Nutzenaspekten (NMROI: Entwicklung sozialer Kompetenzen, Erhöhung der sozialen Sicherheit, Stärkung der Gesundheit etc.) zusammensetzt.

Ergebnisse:

Im SROI-Modell des IBE wird die gewinnorientierte Erwartung an die Dienstleistung im Rahmen des ROI berücksichtigt. Eine Dienstleistung wird aber für die Gesellschaft nicht alleine dadurch zum Gewinn, wenn die Rückflüsse die Investitionen (ROI) übersteigen, sondern - wie der österreichische Sozialpsychologe Erwin Ringel formulierte - am Umgang mit den Schwächsten: 'Eine Gesellschaft ist nur so viel wert, wie sie bereit ist, für die Schwächsten ein Netz aufzuspannen,in dem jeder aufgefangen werden kann und keiner verloren geht.' Reha-Dienstleistungen schaffen nicht alleinig monetäre Rückflüsse an die Gesellschaft für ihre KlientInnen, die oftmals einem ausschließlich monetären gewinnorientierten Anspruch auch nicht standhalten können. Das vom IBE entwickelte SROI-Modell hatte deshalb zum Ziel, eine Messmethode zu entwickeln, welche die durch eine Dienstleistung geschaffenen gesellschaftlichen Werte abbildet - unter Berücksichtigung des Exklusionsrisikos der Zielgruppe. In den bislang vom IBE durchgeführten SROI-Studien wurde der ROI mittels der Division von Erträgen durch Investitionen ermittelt. Dies ergibt einen einheitsfreien Wert größer gleich 0 (= keine monetären Rückflüsse), mit dem Anspruch, mindestens den Wert von 1 (= Kostendeckung) zu erreichen. Die Basis für die Errechnung dieses einheitsfreien Wertes sind Geldeinheiten. Geld ist aber - laut Definition der Deutschen Bundesbank (Deutsche Bundesbank, o. J.) - letztlich das, was als Geld allgemein akzeptiert wird: 'Geld ist, was als Geld gilt'. Das heißt, dass die Deutsche Bundesbank klarstellt, dass der Wert von Geld nicht nur vom Vertrauen und Glauben der MarktteilnehmerInnen an das Geld abhängt, sondern sich Geld sogar durch dieses Vertrauen und diesen Glauben definiert. Dieser Ansatz liefert die Analogie zu humanitären, nicht-monetär messbaren Werten: Glaubt eine Gesellschaft an humanitäre, gesellschaftsdienliche Werte, die monetär nicht messbar sind? Diese Frage kann mit 'Ja' beantwortet werden, wie die Existenz vieler sozialer Dienstleistungen für die im Sinne Ringels 'Schwächsten' unserer Gesellschaft zeigt. Das heißt, dass in unserer Gesellschaft Geldwerte und humanitäre, gesellschaftsdienliche Werte - aufgrund des Vertrauens in sie - mit monetären Werten koexistieren.

Für die Berücksichtigung der gesellschaftlichen, nicht-monetär messbaren Nutzen (NMROI) wurde ausgehend von einer durch die Universität Leipzig (2008) entwickelten 'Methodik zur nicht-monetären Kosten-Nutzen-Abwägung' eine eigene IBE-Methode zur Ermittlung, Reihung und Bewertung nicht-monetär messbarer Nutzenaspekte sozialer Dienstleistung entwickelt. Das entwickelte Verfahren ist partizipativ und bindet KlientInnen, Angestellte und KostenträgerInnen mit ein. Das Ergebnis des NMROI kann wieder auf einer Skala von 0 (= keine gesellschaftlichen Werte werden erzeugt) bis 1 (= optimale Wirkungserzielung unter Berücksichtigung der Zielgruppe) aufgetragen werden. ROI und NMROI können somit auf einer vergleichbaren Skalierung gemessen werden, beide koexistieren disjunkt und können daher zum SROI addiert werden.

Fazit:

Diese neu entwickelten SROI-Projekte erzielten auch die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Dienstleistungs- und KostenträgerInnen. Diese Intensivierung wurde einerseits dadurch ermöglicht, indem die KostenträgerInnen in die Diskussion um die Erstellung, Beschreibung und Reihung von nicht-monetär messbaren Nutzenaspekten eingebunden wurden. Andererseits war zur Berechnung des SROIs eine intensive Auseinandersetzung mit den Zielen der sozialen Dienstleistung notwendig, um den Unterstützungsbedarf der Zielgruppe ermessen zu können. Diese Ziele der sozialen Dienstleistung werden üblicherweise in einer Kooperation zwischen Dienstleistungs- und KostenträgerInnen erarbeitet und wurden im Zuge dieses Pilotprojekts weiter fokussiert. Dieses Konzept des SROI fand bisher bei Kosten- und DienstleistungsträgerInnen hohe Akzeptanz.'


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357324


Informationsstand: 04.06.2013

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