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Bibliographische Angaben zur Publikation

Teilhabe so genannter psychisch behinderter Menschen am Arbeitsleben - ein besonderer Auftrag der Gesellschaft?


Sammelwerk / Reihe:

Die Berufsförderungswerke - Netzwerk Zukunft


Autor/in:

Hallwachs, Henning


Herausgeber/in:

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke (ARGE-BFW)


Quelle:

Frankfurt am Main: Eigenverlag, 2004, Seite 82-92


Jahr:

2004



Abstract:


Henning Hallwachs, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Beruflicher Trainingszentren, beschreibt zu Beginn des Artikels, wodurch Identität entsteht.

Teil einer Gruppe, eines hochgeschätzten Teams zu sein, gibt Sicherheit und Stärke. Teil der Arbeitswelt, Teil einer Firma, eines Traditionsunternehmens zu sein, schafft Identität; Teil sein als Basis der Identifikation mit Normen und Zielen.

Dieses Teilsein ist laut Hallwachs in den letzten Jahrzehnten immer fragwürdiger, unsicherer, unverlässlicher geworden (siehe Scheidungsraten, Alleinerziehende, Groß- und Kleinfamilie und anderes). In der Arbeitswelt ist Teilsein fast schon zur Illusion geworden. Dieses gestörte, in Frage gestellte Teilsein verunsichert, verängstigt, neurotisiert. Psychisches Leiden und psychische Erkrankungen nehmen zu. Die Seele leidet, wenn auf immer weniger Verlass ist, wenn immer mehr Angst erzeugt.

Wenn es dazu kommt, wenn jemand psychisch erkrankt, ist sein Teilsein in der Arbeitswelt gefährdet, bei Wiederholung in der Regel beendet. Dann ist er weder Teil noch hat er Teil. Diejenigen, die an einer psychischen Störung leiden und es nicht schaffen, arbeitsfähig zu bleiben, werden im Vergleich zu denjenigen, die an einer anderen Krankheit leiden, diskriminiert.

Der Autor betont, dass die Gesellschaft in diesem Zusammenhang den besonderen Auftrag hat, mehr Schutz und Sicherheit zu bieten und dass es nicht darum geht, deren tatsächliche weitere Demontage durch Anheizen der Konkurrenz der Arbeitslosen untereinander und Globalisierung herbeizuführen. Es gehe um mehr Information und Aufklärung über Ursachen, Verbreitung, Prognose psychischer Erkrankungen und nicht um deren wieder zunehmende Diskriminierung.

Hallwachs erläutert, dass die psychischen Gefährdungen, die zur Kündigung, Krankheit, Arbeitsunfähigkeit führen können, zwar mehr und mehr gesehen werden, sie jedoch nicht als 'Berufskrankheit', als arbeitsbedingtes Gefährdungspotenzial anerkannt werden.

Der 'besondere' Auftrag der Gesellschaft wäre, dafür zu sorgen, dass Stigmatisierungen wie 'Störung' statt 'Krankheit' unterbleiben, dass das dauernde Betonen des Besonderen psychischer Erkrankungen, ihrer angeblichen Unvergleichbarkeit mit somatischen Erkrankungen überprüft und relativiert wird.

Im Kapitel 'Auszeit' beschreibt der Autor, dass sich die Welt der Arbeit und die der Krankheit gegenseitig ausschließen. Wer krank ist, sich als krank definiert, muss nicht, - im Sinne der Arbeitssicherheit und Fürsorge - darf nicht arbeiten. Für alle Erkrankungen jedoch gilt, je öfter sie auftreten und je länger sie dauern, desto sicherer ist der Verlust des Arbeitsplatzes. Da machen psychische Erkrankungen keine Ausnahme, sie sind zur Beschleunigung des Prozesses leider prädestiniert.

Die Weiterbeschäftigung oder - bei Arbeitsplatzverlust - das erneute Bewerben auf dem Arbeitsmarkt ist vom Grad der wieder hergestellten Gesundheit oder - vielleicht zutreffender - vom Grad des nicht mehr Krankseins abhängig. Da unterscheiden sich psychisch kranke Menschen in keiner Weise von anders erkrankten.

Im dritten Kapitel 'Teil haben' schreibt Hallwachs, dass individuell höchst Unterschiedliches erforderlich ist, um nach psychischer Erkrankung und Arbeitsverlust wieder teilzuhaben. Manche brauchen nichts als eine Chance, also eigentlich nichts Besonderes, manche brauchen Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Andere, deren Rekonvaleszenz sich hinzieht oder durch erneute Erkrankungen unterbrochen wird, brauchen vom betreuten Wohnen über Tagesklinik, Angebote zur Tagesstrukturierung, etc. das ganze Spektrum medizinischer und sozialer Rehabilitation.

Wobei diese Arbeitsangebote erst einmal zur sozialen und noch nicht zur beruflichen Rehabilitation gezählt werden sollten. Arbeit sollte für diese Gruppe erst einmal therapeutischen Wert haben und nur bei positiver Entwicklung zur beruflichen Rehabilitation im Sinne der Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt genutzt werden.

Laut Hallwachs stellt sich die Frage, ob das Teilhaben am Arbeitsleben Bedingung dafür ist, dass jemand Teil der Gesellschaft sein und bleiben kann. Um einen Teil zu haben, zu besitzen, muss man ihn sich nehmen. Das Nehmen will gelernt sein und ist nicht ohne Anstrengung, mitunter auch nicht ohne Konflikt möglich. Sich den Teil nehmen zu lernen, der zum Einzelnen passt, der ihn weder überfordert noch unterfordert, der Misserfolge als Dekompensationsrisiko weitgehend ausschaltet, ist Konzept der Beruflichen Trainingszentren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Die Berufsförderungswerke - Netzwerk Zukunft' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e.V. (BV BFW)
Homepage: https://www.bv-bfw.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV351210


Informationsstand: 26.07.2005

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