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Bibliographische Angaben zur Publikation

Unterschiede in der sozialmedizinischen Beurteilung der Leistungsfähigkeit von abhängigkeitserkrankten Rehabilitanden mit und ohne muskuloskeletale Erkrankungen

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Kasten, Yvonne; Bethge, Matthias; Sieveking, Caspar Friedrich [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 470-471


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen existiert häufig eine Vielzahl von Komorbiditäten. Diese beziehen sich nicht nur auf psychische, sondern auch auf somatische Erkrankungen, wie beispielsweise muskuloskeletale Erkrankungen (MSE) (DRV, 2010). Insbesondere die Wechselwirkung von Abhängigkeit und MSE kann zu schwereren Verläufen beider Erkrankungen führen (Brennan et al., 2005; Miller Smedema et al., 2010). Unklar ist jedoch, ob muskuloskeletale Begleiterkrankungen bei alkoholabhängigen Rehabilitanden auch ein zusätzliches Risiko für die Erwerbsfähigkeit und den beruflichen Wiedereingliederungsprozess nach einer medizinischen Rehabilitation darstellen. Die vorgestellten Analysen sollten daher prüfen, ob sich die sozialmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit von abhängigkeitserkrankten Patienten mit und ohne MSE voneinander unterscheidet.

Methode:

Die Datenbasis für die Untersuchung bildeten die Reha-Entlassungsberichte des Entlassungsjahrgangs 2009 der Paracelsus Wiehengebirgsklinik. Eingeschlossen wurden Patienten, deren Rehabilitationsträger die Deutsche Rentenversicherung war, die das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten und deren Rehabilitationsdauer mindestens 21 Tage betrug. Der Einfluss zusätzlicher muskuloskeletaler Erkrankungen auf die quantitative und qualitative Einschätzung der Leistungsfähigkeit von abhängigkeitserkrankten Patienten wurde mittels logistischer Regressionen überprüft (Kleinbaum, Klein, 2002).

Ergebnisse:

Die Analysestichprobe umfasste 351 Rehabilitanden. Das mittlere Alter betrug 45,8 Jahre (SD gleich 8,2), 42,2 Prozent waren Frauen. Bei etwa einem Viertel (23,6 Prozent) dieser Patienten wurde eine zusätzliche MSE diagnostiziert. Gut die Hälfte (50,6 Prozent) dieser Erkrankungen waren chronische Rückenschmerzen. Die Ergebnisse der Regressionsanalysen zeigen, dass die quantitative Leistungsfähigkeit bei Patienten mit MSE in Bezug auf ihre letzte ausgeübte Tätigkeit signifikant häufiger unter 6 Stunden lag als bei Patienten ohne MSE (OR gleich 2,2; 95 Prozent KI: 1,1 bis 4,5; p gleich 0,024). Auch bezüglich einer anderen (eventuell leichteren) Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt war die Chance einer ungünstigen Prognose für Patienten mit MSE knapp zweimal höher. Dieser Unterschied war jedoch nicht signifikant (OR gleich 1,9; 95 Prozent KI: 0,8 bis 3,7; p gleich 0,122).

Bei der Einschätzung der qualitativen Leistungsfähigkeit zeigten sich Unterschiede zwischen den beiden Patientengruppen noch deutlicher. Im Rahmen des positiven Leistungsvermögens erhöhte eine MSE die Chance für weitere Einschränkungen bei der körperlichen Arbeitsschwere und der Arbeitshaltung (Stehen, Sitzen, Gehen) um das 2- bis 3fache. Darüber hinaus war die Chance weiterer wesentlicher Einschränkungen im positiven Leistungsbild für Patienten mit MSE ebenfalls deutlich erhöht (OR gleich 3,8; 95 Prozent KI: 2,2 bis 6,6; p gleich 0,001). Diese waren vor allem auf die weiter bestehenden Einschränkungen im Bereich des Haltungs- und Bewegungsapparates zurückzuführen, so hatten Patienten mit MSE eine etwa 14-mal höhere Chance für andauernde Einschränkungen im Haltungs- und Bewegungsapparat (OR gleich 14,7; 95 Prozent KI: 6,5 bis 32,8; p gleich 0,001). Die zusätzliche Adjustierung der Parameterschätzer für Alter und Geschlecht verringerte die Effektschätzer nur geringfügig. Die Variable Alter scheint insbesondere für die Einschätzung der quantitativen Leistungsfähigkeit einen hohen Erklärungswert aufzuweisen.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse der Analysen deuten darauf hin, dass sich zusätzliche Beschwerden des Bewegungsapparates negativ auf den Rehabilitationserfolg abhängigkeitserkrankter Patienten auswirken und häufiger zu einer schlechteren quantitativen und qualitativen Leistungseinschätzung führen. Eine ungünstige sozialmedizinische Leistungseinschätzung verringert die Chance für eine erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung. Die Konzeption und Umsetzung zukünftiger Rehabilitationsprogramme sollte daher auf die Behandlung beider Erkrankungen ausgerichtet sein.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV336670


Informationsstand: 29.03.2011

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