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Bibliographische Angaben zur Publikation

Prozessprofiling und -monitoring: Ein Instrument zur Steuerung und Organisation des individuellen beruflichen Rehabilitationsverlaufs

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Schellmann, Christina; Kleon, Sandra; Arling, Viktoria [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 235-237


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

Um das neue Reha-Modell in die Praxis umzusetzen, haben sich 19 Berufsförderungswerke (BFW) gemeinsam dazu entschlossen mit der RWTH Aachen ein Prozessprofiling und -monitoring Instrument zu entwickeln. Dieses Instrument unterstützt die Organisation und Steuerung der individuellen Reha- und Integrationsprozesse und soll die Subjekt- und Integrationsorientierung der Qualifizierung erhöhen. Hierzu bietet es neben der standardisierten Erfassung von integrationsrelevanten Schlüssel-, Gesundheits- und Fachkompetenzen auch Raum zur Dokumentation von Zielvereinbarungen und Fördermaßnahmen.

Ausgehend von unterschiedlichen Startlösungen der BFWe zum Prozessprofiling (PP) wird innerhalb von drei Jahren gemeinsam ein einheitliches Prozessprofiling entwickelt und evaluiert, das in ähnlicher Form auch zum Prozessmonitoring (PM) verwendet werden kann. Zielsetzung der Evaluation ist es, die Haupt- und Nebengütekriterien zu bestimmen sowie das Instrument unter starker Einbeziehung der Anwender im Sinne einer formativen Evaluation kontinuierlich zu optimieren. In mehreren Untersuchungsreihen werden Objektivität, Reliabilität, Validität, Akzeptanz, Ökonomie und Handhabbarkeit des Instruments beurteilt.

Methodik:

In Untersuchungsreihe 1 wurden mittels Prozessprofiling und -monitoring die Selbst- und Fremdeinschätzungsdaten von 686 Rehabilitanden erfasst. Zur Bestimmung der Kriteriumsvalidität wurden zusätzlich noch weitere etablierte psychologische Testverfahren wie zum Beispiel der NEO-FFI (NEO Fünf-Faktoren-Inventar von Borkenau, Ostendorf, 1993) eingesetzt.

Im Rahmen von Untersuchung 2 wurden 173 Arbeitgeber zur Bestimmung der inhaltlichen Validität des Instruments befragt. In Untersuchungsreihe 3 haben sich 62 Studenten zur Überprüfung der Retestreliabilität in einem zweiwöchigen Zeitintervall zweimal mit dem Instrument selbst eingeschätzt beziehungsweise wurden mit dem Verfahren beurteilt. An einer Akzeptanzbefragung haben 109 Anwender (Mitarbeiter der BFW) und 81 Rehabilitanden teilgenommen.

Ergebnisse:

Reliabilität:
- Sowohl Cronbach´s Alpha als auch die Retest-Reliabilitäten der Subskalen liegen über alle Untersuchungsreihen hinweg im zufrieden stellenden bis sehr guten Bereich (? gleich .70 bis .92; r gleich .69 bis .84).

Validität:
- Für die inhaltliche Validität des Verfahrens spricht, dass die PP/PM-Items von Arbeitgebern, BFW-Mitarbeitern und Teilnehmern als integrationsrelevant eingestuft werden.
- Die PP/PM-Items hängen signifikant mit konstruktnahen etablierten Testverfahren zusammen. Zum Beispiel korreliert das PP/PM-Item 'aktuelles psychisches Befinden' signifikant mit dem Neurotizismus-Wert des NEO-FFI (Borkenau, Ostendorf, 1993; r gleich minus.47).
- Die Korrelationen zwischen den Selbst- und Fremdeinschätzungen sind alle hochsignifikant und liegen zwischen r gleich .16 und r gleich .49.
- Die Kriteriumsvalidität zeigt sich in Unterschieden zwischen Männern und Frauen, zwischen körperlich und psychische Erkrankten sowie zwischen Abbrechern und Nicht-Abbrechern. So fallen die Bewertungen von Abbrechern in allen Skalen des Instruments signifikant schlechter aus als die von Nicht-Abbrechern.

Die Akzeptanz des Instruments wurde sowohl bei den Rehabilitanden als auch bei den Anwendern erfasst.
- 95 Prozent der Anwender erachten das Instrument als nützlich und 72 Prozent geben an, dass das Instrument ihnen hilft, den Rehaverlauf zu steuern. 60 Prozent empfinden die Handhabung einfach.
- Auch die Mehrheit der Teilnehmer (80 Prozent) erachten die erfragten Kompetenzen als integrationsrelevant und bewerten das Instrument mit einer Gesamtnote von 2,3 (Schulnotenskala).

Diskussion und Ausblick:

Insgesamt kann festgehalten werden, dass das Prozessprofiling und -monitoring reliabel und valide ist und von den BFW-Mitarbeitern, den Teilnehmern sowie Arbeitgebern akzeptiert wird. Im Sinne der formativen Evaluation fließen gewonnene Erkenntnisse in eine kontinuierliche Verbesserung des Instruments ein. So wurden zum Beispiel auf Wunsch der Anwender in einem ersten Optimierungsschritt Verhaltensanker eingeführt, um die Handhabbarkeit des Instruments weiter zu steigern. Weitere Untersuchungen zur Überprüfung der Objektivität mittels Interraterübereinstimmung folgen.

Darüber hinaus werden nach Maßnahmebeendigung die Wiedereingliederungsdaten der Teilnehmer erfasst, um integrationskritische Merkmale bestimmen zu können. Die Kenntnis über solche Faktoren ist notwendig, um schon frühzeitig mit entsprechenden Maßnahmen eventuell bestehende Integrationshemmnisse zu beheben und somit die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung zu maximieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV336637


Informationsstand: 29.03.2011

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