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Bibliographische Angaben zur Publikation

Mehr Arbeitsbezug in der medizinischen Rehabilitation - Sind die Reha-Therapiestandards hilfreich?

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Termin, Janett; Zander, Janett; Klosterhuis, Here


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 204-206


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Das wesentliche Ziel der Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist die möglichst langfristige Wiedereingliederung der Rehabilitanden in das Erwerbsleben. Vor diesem Hintergrund besitzen berufsorientierte Leistungen einen hohen Stellenwert und wurden in zahlreichen Arbeiten untersucht (Irle et al., 2005; Klosterhuis, Zander, 2006; Lindow et al., 2007). Der Aspekt der Berufsorientierung wird in allen Instrumenten und Verfahren der Reha-Qualitätssicherung abgebildet.

Die von der RV entwickelten und eingeführten Reha-Therapiestandards (RTS) ermöglichen eine qualitative Überprüfung der therapeutischen Versorgung (Brüggemann, Klosterhuis, 2005). Im Mittelpunkt stehen alle Rehabilitanden einer Indikation in einer Reha-Einrichtung. Therapeutische Leistungen zur Unterstützung der beruflichen Integration sind als evidenzbasiertes Therapiemodul (ETM) in allen RTS enthalten.

Die Mindestanforderungen in der Unterstützung der beruflichen Integration sind je nach Indikation in unterschiedlicher Höhe festgelegt. In der vorliegenden Untersuchung wird der Frage nachgegangen, in welchem Ausmaß die ETM zur Unterstützung der beruflichen Intergration erfüllt werden. Weiterhin werden exemplarisch kardiologische und psychosomatische Reha-Einrichtungen in der Erbringung berufsorientierter Leistungen verglichen. Für die RTS Koronare Herzkrankheit, Chronischer Rückenschmerz, Diabetes mellitus Typ 2 sowie Brustkrebs ist ein Vergleich im Zeitverlauf möglich.

Methodik:

Das Leistungsspektrum wird über die KTL-Codes (Deutschen Rentenversicherung, 2007) abgebildet und in dieser Untersuchung deskriptiv analysiert. Dazu werden für das Jahr 2008 alle Rehabilitanden der DRV mit folgender Erstdiagnose betrachtet: Koronare Herzkrankheit (KHK, n gleich 23.404), Chronischer Rückenschmerz (n gleich 93.514), Diabetes mellitus Typ 2 (n gleich 6.485), Brustkrebs (n gleich 33.588), Hüft- und Kniegelenkersatz (TEP, n gleich 28.237) und Depressive Störungen (n gleich 37.128). Der Einrichtungsvergleich bezieht sich auf zehn kardiologische Reha-Einrichtungen (n gleich 445 bis n gleich 1.651) und auf zehn psychosomatische Reha-Einrichtungen (n gleich 391 bis n gleich 1.086). Für den Zeitverlauf der vier RTS werden Rehabilitanden der Deutschen Rentenversicherung Bund aus den Jahren 2006 und 2008 betrachtet. Es soll zunächst herausgearbeitet werden, inwieweit durch die RTS-Entwicklungsarbeit und KTL Umstellung auf die KTL 2007 ein Vergleich möglich ist.

Ergebnisse:

Bei keiner der somatischen Indikationen werden die Mindestanforderungen im Jahr 2008 erfüllt. Während die RTS Chronischer Rückenschmerz (13 Prozent bei 20 Prozent Mindestanforderungen), Brustkrebs (12 Prozent bei 20 Prozent Mindestanforderungen) und Hüft- und Knie-TEP (14 Prozent bei 20 Prozent Mindestanforderungen) die vorgegebenen Mindestanforderungen mehr als zur Hälfte erfüllen, liegen die RTS KHK (14 Prozent bei 40 Prozent Mindestanforderungen), Diabetes mellitus Typ 2 (10 Prozent bei 30 Prozent Mindestanforderungen) weit unter den Mindestanforderungen. Die RTS Depressive Störungen liegen mit 27 Prozent über den Mindestanforderungen von 20 Prozent. Der Vergleich von zehn großen kardiologischen Reha-Einrichtungen zeigt hinsichtlich der Erfüllung der Mindestanforderungen in den unterstützenden Integrationsleistungen eine erhebliche Varianz, keine der Einrichtungen versorgt ihre Rehabilitanden leitliniengerecht.

Ein deutlich positiveres Bild zeichnet sich bei der Betrachtung der zehn psychosomatischen Reha- Einrichtungen ab. Probleme der Vergleichbarkeit bestehen bei den RTS der Jahre 2006 und 2008. So wurden die RTS zwischenzeitlich hinsichtlich Mindestanforderungen und Zuordnung therapeutischer Inhalte in den ETM weiterentwickelt. Bei den RTS Brustkrebs wurden die Mindestanforderungen von 15 Prozent auf 20 Prozent angehoben. Dafür stehen in der aktuellen Version doppelt so viele
KTL-Leistungen in der Dokumentation zur Verfügung. Die Mindestanforderungen in den verbleibenden drei RTS sind gleich geblieben. Lediglich die früher vorgegebenen Mindestfrequenzen wurden aus den ETM gestrichen, die Anzahl der KTL-Codes ist gestiegen. Somit ist ein Zeitvergleich der RTS mit Einschränkungen möglich.

Die Ergebnisse in den vier RTS zeigen für die Rehabilitanden der DRV Bund durchweg einen positiven Trend zur Erfüllung der vorgegebenen Mindestanforderungen.

Schlussfolgerungen und Ausblick:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Einführung von RTS ein vermehrter Arbeitsbezug in der Leistungserbringung zu verzeichnen ist. Trotz positivem Trend ist zukünftig jedoch eine noch stärkere Berücksichtigung von Leistungen zur Unterstützung der beruflichen Integration - insbesondere in den somatischen Indikationen - erforderlich. Der Vergleich auf Einrichtungsebene zeigt zusätzlich, dass die Reha-Einrichtungen in sehr unterschiedlichem Ausmaß die Vorgaben berücksichtigen. Gründe hierfür können auch eine unzureichende oder fehlerhafte Dokumentation sein.

Ziel der RTS ist es, eine den Anforderungen entsprechende, evidenzbasierte Versorgung mit therapeutischen Leistungen in der Rehabilitation zu fördern und somit die hohe Einrichtungsvarianz zu minimieren, ohne den Gestaltungsspielraum individueller Klinikkonzepte einzugrenzen. Für die Praxis der Reha-Einrichtungen bedeutet dies eine stärkere Fokussierung des Leistungsspektrums auf rehabilitative Strategien und Therapien mit Berufs- und Arbeitsplatzbezug, deren Wirkung wissenschaftlich untermauert ist. Die empirische Überprüfung der Erfüllung der Anforderungen der Reha-Therapiestandards ist gleichzeitig Grundlage für eine Bewertung der Prozessqualität der Reha-Einrichtung. Die Ergebnisse zu den Reha-Therapiestandards werden in Form einrichtungsbezogener
Berichte zur Reha-Qualitätssicherung rückgemeldet. Die Berichte der zuletzt eingeführten Reha-Therapiestandards wurden mit einer schriftlichen Anwenderbefragung kombiniert. Die sich aus der Praxis ergebenen Änderungswünsche und Anregungen werden zurzeit diskutiert und zu einem späteren Zeitpunkt publiziert.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV336624


Informationsstand: 29.03.2011

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