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Bibliographische Angaben zur Publikation

Handbuch zur Berufsvorbereitung körperbehinderter junger Menschen in IT- und Medienberufen


Autor/in:

Künemund, Martin; Stadler, Hans; Biermann, Horst [u. a.]


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Olsberg: Eigenverlag, 2006


Jahr:

2006



Abstract:


Das Disabil-ITy-Projekt zur Berufsvorbereitung junger Menschen mit Körperbehinderungen ist abgeschlossen.

Seit den Anfängen der Orthopädie im 18. Jahrhundert bestimmen apparative und technische Hilfen wesentlich die medizinische Rehabilitation bei Körperbehinderung. Vielfach war die Ausstattung mit Rollstühlen, Gehhilfen und angepassten Geräten für das Sitzen eine Voraussetzung für die Teilnahme am Schulunterricht. Später waren es die Hilfsmittel für das Erlernen und Handhaben des Schreibens bis hin zur elektrischen Schreibmaschine, die schulische und berufliche Bildung ermöglichten.

Eine weitere qualitative Veränderung ergab sich mit der Einführung und Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), die schwer Körperbehinderten neue Chancen der Teilnahme eröffneten. Die Ansteuerungen für die Bedienung eines Personalcomputers wurden immer stärker auf die Bedürfnisse bei gestörter Feinmotorik angepasst und erreichten schließlich durch Interaktionen über die Lautsprache eine neue Qualität.

In der medizinischen, schulischen und beruflichen Rehabilitation werden heute alle diese Möglichkeiten genutzt, wobei jeweils eine individuelle Anpassung angestrebt wird. Trotzdem besteht ein Bedarf, die Begegnung mit den Geräten und ihren impliziten Chancen nicht dem Zufall zu überlassen, sondern junge Menschen gezielt an die Medien-Nutzung heranzuführen und ihnen dazu Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln. Dem sollte die Entwicklung eines Curriculums zur Berufsvorbereitung körperbehinderter junger Menschen in IT- und Medienberufen - Disabil-ITy - Rechnung tragen. Es hatte zum Ziel: Moderne Medien im Alltag persönlich einzusetzen, auf berufliche Einsatzgebiete und Ausbildungsmöglichkeiten der IT -Branche vorzubereiten und schließlich entsprechende Berufsausbildungen zu absolvieren.

Das nach dem EU Leonardo da Vinci-Programm geförderte Projekt (Laufzeit 2003 bis 2006) verfügt über eine eigene Website (http:// www.mediability.org), über die die Ergebnisse zugänglich sind. Folgende Produkte wurden unter anderem angestrebt: eine CD-ROM mit den drei Modulen und ausgearbeiteten Lerneinheiten, ein Handbuch für Ausbilder sowie Lehrer, Fortbildungen für Fachkräfte auf der Basis des entwickelten und erprobten Curriculums, Evaluationsberichte über die Praxiserprobung der Module.

Das Projekt wurde Ende März 2006 mit einer gut besuchten Fachkonferenz im Berufsbildungswerk Josefsheim Bigge/Olsberg zum Thema: Herausforderung IT: Chancen für junge Menschen mit Körperbehinderungen erfolgreich abgeschlossen. Beteiligt waren 15 Partner aus fünf Mitgliedsländern der EU (Belgien, Deutschland, Estland, Italien. Slowenien) und Rumänien. In Einrichtungen der vorberuflichen und beruflichen Rehabilitation wurden einzelne Module entwickelt und erprobt. An der nationalen und transnationalen Projektarbeit wirkten Fachkräfte aus den verschiedenen Aufgabenbereichen mit, um praxisrelevante Ergebnisse zu gewährleisten. So haben Projektgruppen aus den Berufsbildungswerken in Aschau am Inn (Waldwinkel), in Olsberg (Josefsheim Bigge) und in Neckargemünd bei Heidelberg engagiert mitgearbeitet, um insbesondere schon in der Beruflichen Vorbereitung (BvB) einer Ausgrenzung wegen mangelnder Medienkompetenz vorzubeugen und die Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Denn die neuen IT-Berufe wie Fachinformatiker, IT-System-Kaufmann, IT-System-Elektroniker oder Mediengestalter für Digital- und Printmedien sind für Körperbehinderte besonders attraktiv und werden am Arbeitsmarkt nachgefragt. Das Förderkonzept wurde in Form eines Bausteinsystems für die konkrete Umsetzung in Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation für junge Körperbehinderte entwickelt - in Deutschland insbesondere für die Berufsbildungswerke.

Es eignet sich aber auch für andere benachteiligte junge Menschen, um mit Hilfe der Informationstechnologien ihre Zugangschancen zu Bildungsmöglichkeiten und entsprechenden Berufen zu verbessern. Dies war für die anderen europäischen Partner wichtig, deren Einrichtungen und Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation junger Menschen eigene Strukturen und Zielgruppen haben, die mit den deutschen Verhältnissen teilweise nur bedingt vergleichbar sind. Die Adressaten des Projekts waren insoweit auch unabhängig von formalen Bildungsvoraussetzungen und bestimmten Schulabschlüssen.

Aufgebaut ist das Curriculum in die Module A, B und C; innerhalb der Module A und B werden wiederum jeweils vier Handlungskompetenzen angestrebt, die über jeweils zwei Didaktische Einheiten erarbeitet werden sollen. Um einer Überbelastung durch konzentriertes Arbeiten an und mit Medien vorzubeugen, ist die Psychomotorik als spezifisches Förderkonzept einbezogen. Das psychomotorische Konzept dient innerhalb des Curriculums neben diesem Ausgleich in der Beanspruchung auch der Förderung der sozialen Kompetenz und der Persönlichkeit. Die Nutzer erhalten dazu pädagogische Kommentierungen, die in praktischen Hinweisen und Spielanleitungen münden.

Modul A behandelt das Thema: Moderne Medien in Alltag und Beruf persönlich einsetzen; Handlungskompetenz A: Erfahrungen mit dem Einsatz von IT mitteilen/Neue Medien nutzen; Didaktische Einheit A: Die Gruppe stellt sich vor.

Modul B hat dann die beruflichen Einsatzgebiete und die entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten der IT zum Gegenstand; auch hier werden konkrete Handlungskompetenzen über Didaktische Einheiten angestrebt.

Modul C schließlich ist ganz auf die Praxis bezogen: Es behandelt die Gründung und Ausgestaltung einer Schülerfirma mit hohem IT-Anteil. Einzelheiten zu den Modulen können einer CD-ROM oder über die Website im Internet entnommen werden. Das Projekt steht in einer Reihe analoger Curriculum-Entwicklungen in der beruflichen Rehabilitation junger Menschen und basiert auf Erkenntnissen der Lern- und Handlungspsychologie. Es gibt klar Hinweise zum methodischen Vorgehen, will andererseits aber nicht einengen und lässt Freiräume für eine zweckmäßige Adaption je nach den Bedürfnissen der Lerngruppen.

Das Projekt wurde von Prof. Dr. Horst Biermann und Prof. Dr. Hans Stadler von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund wissenschaftlich begleitet. Projektleitung und Redaktion der Materialien lagen in Händen von Martin Künemund vom Berufsbildungswerk Bigge.

(Hans Stadler, Heidelberg)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur / Praxishilfe/Ratgeber




Bezugsmöglichkeit:


Josefsheim gGmbH
Homepage: https://josefsheim-bigge.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV2642


Informationsstand: 20.02.2007

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