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Bibliographische Angaben zur Publikation

Begleitforschung des Sonderprogramms des Bundes zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher - EQJ-Programm

im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales; 3. Zwischenbericht



Autor/in:

Becker, Carsten; Ekert, Stefan


Herausgeber/in:

Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung mbH (GIB); Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, Online-Ressource, 2006, 86 Seiten


Jahr:

2006



Abstract:


Für die Ermittlung der Wirkungen der EQJ-Förderung wurde eine Kontrollgruppe von Jugendlichen gebildet, befragt und deren Verbleib im Vergleich zu den in eine Einstiegsqualifizierung eingemündeten Jugendlichen analysiert. Die Kontrollgruppe wurde - anders als die Teilnehmer - Anfang 2005 nicht gefördert beziehungsweise ist in eine BvB-Maßnahme eingemündet.

Die Verbleibanalyse beider Gruppen zeigt, dass nach etwa einem Jahr 61,1 Prozent (56, 5 Prozent) der Programmteilnehmer, jedoch nur 22,1 Prozent (18, 0 Prozent) der Kontrollgruppe in eine (betriebliche) Ausbildung eingemündet sind. Aufgrund der nahezu identischen Struktur (Alter, Schulabschlüsse, Wohnorte, etc.) von Teilnehmern und Kontrollgruppe und aufgrund der Ergebnisse verschiedener Analysen können die Unterschiede in der Entwicklung beider Gruppen eindeutig der Programmteilnahme zugerechnet werden.

Das Programmziel, den Übergang von Jugendlichen in Ausbildung zu erleichtern, wurde demnach im ersten Programmjahr in hohem Maße erreicht. Ob der Integrationsvorsprung der Teilnehmer dauerhaft ist, oder ob diese lediglich schneller in Ausbildung übergehen, wird die weitere Forschung zeigen.

Die Befragung von Arbeitsagenturen und deren Analyse zeigt, dass etwa drei Viertel der Programmteilnehmer der erstgenannten Zielgruppe des Programms (Bewerber mit aus individuellen Gründen eingeschränkten Vermittlungsperspektiven) zuzurechnen sind. Daher und weil diese Jugendlichen in ihrer sozioökonomischen und Qualifikationsstruktur weitgehend dem Durchschnitt aller Teilnehmer der Nachvermittlungsaktion entsprechen, kann eine hohe qualitative Zielgruppenerreichung attestiert werden. Ob dies die bedürftigsten Zielgruppen des Ausbildungsmarktes sind, ist damit nicht gesagt. Die Vermittlungs- und Empfehlungspraxis der Agenturen zeigt, dass nicht vermittelten Bewerbern mit schlechteren Startvoraussetzungen eher eine BvB-Maßnahme als eine Einstiegsqualifizierung empfohlen wird.

Aus der Unternehmensbefragung geht hervor, dass (auch) die am Programm teilnehmenden Unternehmen nicht alle gemeldeten Plätze besetzen konnten beziehungsweise besetzt haben. Als Begründung hierfür werden häufig - aber nicht allein - unterschiedlichste Defizite der Jugendlichen genannt. Dies zeigt zum einen, dass Unternehmen trotz der Förderung Plätze eher unbesetzt lassen, als sie mit ungeeignet eingestuften Bewerbern zu besetzen und zum anderen, dass die Zusammensetzung der faktisch in eine Einstiegsqualifizierung eingemündeten Jugendlichen auch durch das (selektive) Einstellungsverhalten der Unternehmen beeinflusst wird. Zwischen dem Qualifikationsniveau der Jugendlichen, der Empfehlungspraxis der Agenturen und dem Einstellungsverhalten der Unternehmen bestehen Interdependenzen.

Von den Unternehmen, in denen Einstiegsqualifizierungen regulär zu Ende geführt wurden, haben 45,4 Prozent Jugendliche in Ausbildung übernommen. 36,3 Prozent dieser Unternehmen bekunden die Absicht, die Einstiegsqualifizierung anteilig auf die Ausbildungszeit anrechnen zu wollen. Diese Absicht wird signifikant häufiger bekundet, wenn ein regelmäßiger Berufsschulbesuch während der Einstiegsqualifizierung stattfand. In welchem Umfang es letztlich zur Anrechnung kommt, wird sich aber erst zum Ende der Ausbildungen, also in rund drei Jahren, feststellen lassen.

Die Auswirkungen des Programms auf das Ausbildungsverhalten der Unternehmen werden längerfristig von der Begleitforschung untersucht und können gegenwärtig nicht prognostiziert werden. Hierfür ist der Analysezeitraum zu kurz und die Schwankungen im Ausbildungsverhalten von insbesondere kleinen Unternehmen zu groß. Die bisherigen Befunde geben keinen Anlass zu der Vermutung, dass sich das EQJ-Programm negativ auf das Ausbildungsverhalten der Unternehmen auswirkt: 29,5 Prozent der zuvor nicht ausbildenden Unternehmen sind zu Ausbildungsbetrieben geworden und die durchschnittliche Ausbildungsquote der bereits zuvor ausbildenden Unternehmen lag im November 2005 um fast ein Prozentpunkt über der des Vorjahres.

Die Entwicklung des Gesamtangebots an Ausbildungsplätzen in Deutschland zwischen 2004 und 2005 ist hingegen kein geeigneter Indikator, um die Programmwirkungen ableiten zu wollen. Grund hierfür ist zum einen die geringe Reichweite im ersten Programmjahr (es nahmen circa 12.000 zumeist kleine Unternehmen teil) und zum anderen die Tatsache, dass andere Effekte die Programmwirkungen überkompensieren können.

Auch die Kammerbefragung gibt keinen Anlass zu der Vermutung, dass sich das EQJ-Programm negativ auf das Ausbildungsplatzangebot der Unternehmen auswirkt. Es werden zwar teilweise Verdrängungsgefahren in einzelnen Branchen gesehen, die positiven Auswirkungen werden jedoch überkompensierend eingestuft. Zudem wird durch die Akquisition von Plätzen der Einstiegsqualifizierung primär bei bestimmten Unternehmenstypen darauf zu reagieren versucht. Die im zweiten Zwischenbericht bereits erwähnte geringe Quote ausgestellter Zertifikate ist - dies zeigt die Kammerbefragung - insbesondere auf eine zu seltene Antragstellung durch die Jugendlichen beziehungsweise durch die Unternehmen zurückzuführen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Weitere (Zwischen)berichte zum EQJ-Programm | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


IFGE Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung mbH
Homepage: https://www.ifge-berlin.de/about/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV1711C


Informationsstand: 20.11.2007

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