Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Selbstwertgefühl: behindert?

Eine empirische Untersuchung selbstwertrelevanter Aspekte in den Lebensbereichen sichtbar körperbehinderter Mädchen und junger Frauen in der Adoleszenz



Autor/in:

Tremel, Inken


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Witten: Eigenverlag, 2003, 348 Seiten: PDF


Jahr:

2003



Link(s):


Ganzen Text lesen (PDF | 1,36 MB)


Abstract:


Die Abhandlung entstand als Dissertation zur Erlangung des Grades einer Doktorin der Philosophie (Dr. phil.) am Institut für Psychologie der Universität Flensburg.

Der Titel der Dissertationsschrift: Selbstwertgefühl: behindert? wurde in Anlehnung an das im Jahr 1985 herausgegebene Sammelwerk 'Geschlecht: behindert, besonderes Merkmal: Frau' (Ewinkel u. a. 1985) gewählt. Die in diesem Band gesammelten Erfahrungsberichte behinderter Frauen (die sich selbst als 'Krüppelfrauen' bezeichnen) stellen die Reaktionen auf das UNO-Jahr der Behinderten 1981 dar und gaben erstmals grundlegende Einblicke in die Lebensbedingungen behinderter Frauen.

Seit dieser Veröffentlichung, die vor knapp 20 Jahren publiziert wurde, hat sich in der Forschungslandschaft der Bundesrepublik jedoch auf dem Gebiet der Frauenforschung in der Behindertenpädagogik viel ereignet (siehe Kapitel 1.2), so dass nicht mehr nur die allgemeinen Lebensbedingungen, sondern - je nach theoretischer Ausrichtung der verschiedenen Fachrichtungen - einzelne Aspekte und/oder Gruppen differenziert untersucht wurden.

Die Motivation für die Untersuchung entstand im Zusammenhang mit der Erarbeitung meiner Diplomarbeit 'Körperbehinderungen bei Frauen - betrachtet im Zusammenhang mit Geschlecht und Identität, Schönheit und Sexualität' (Tremel 1999), der sechs Interviews mit Betroffenen zugrunde lagen. Über eine gründliche Literaturrecherche ließ sich ein Desiderat an Forschungsarbeiten, welche den zentralen Zusammenhang von weiblichem Geschlecht, Körperbehinderung und einzelnen identitätsrelevanten Aspekten näher untersucht hatten, feststellen.

Die Untersuchung befasst sich so nicht nur mit den Lebensbedingungen behinderter Mädchen und junger Frauen, sondern es werden vor allem die Auswirkungen einer körperlichen Schädigung - unter Berücksichtigung der interaktionellen, gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen -auf das Selbstwertgefühl der Betroffenen untersucht. So stellt die Untersuchung eine Verknüpfung der psychologischen Forschung und der Frauenforschung in der Behindertenpädagogik dar; die Intention ist also nicht primär die theoretische Weiterführung, sondern vielmehr der Gewinn von empirisch gestützten Erkenntnissen bezüglich der Selbstwertgenese von Mädchen und jungen Frauen, welche von Geburt an sichtbar körperbehindert und aufgrund ihres Alters der Lebensphase Adoleszenz zugeordnet werden. Dazu sind leitfaden-gestützte Interviews mit zwanzig Mädchen und jungen Frauen im Alter von zwölf bis sechsundzwanzig Jahren ausgewertet worden.

Unter Berücksichtigung der selbstwertrelevanten Komponenten
- Wohlbefinden und Selbstzufriedenheit
- Selbstakzeptierung und Selbstachtung
- Erleben von Sinn und Erfüllung
- Selbstständigkeit und Unabhängigkeit (vgl. Haußer 1995: 35)

wurden folgende Lebensbereiche beziehungsweise -aspekte analysiert:
- Familialer Bereich
- Außerfamilialer Bereich
- Geschlechtsspezifische Aspekte
- Sonstige Aspekte.

So konnten für die einzelnen Lebensbereiche die selbstwerthemmenden und-gefährdenden sowie selbstwerterhaltenden und -fördernden Aspekte herausgearbeitet werden (siehe Kapitel 7). Dies ist das zentrale Ziel der vorliegenden Untersuchung.

In Kapitel 1.2 wird ein Einblick in den Forschungsstand bezüglich behinderter Mädchen/Frauen gegeben. Dabei werden zunächst relevante Arbeiten, die sich mit den Lebensbedingungen behinderter Mädchen und Frauen beschäftigen und daraufhin der engere Forschungsstand, also die Studien über den Zusammenhang von Behinderung und Aspekten von Identität bei Mädchen und jungen Frauen, dargestellt. Auf dieser Basis wird der Forschungsbedarf, welchem die vorliegende Untersuchung gerecht werden möchte, entwickelt. Mit der Benennung der Hauptfragestellung und dem Auszeigen der differenzierten Forschungsfragen, die sich jeweils auf die untersuchten Lebensbereiche beziehen, kann das Vorgehen der Untersuchung nachvollzogen werden. Dazu werden die selbstwertrelevanten Komponenten, an welchen sich die interpretierende Analyse insgesamt orientiert, vorgestellt. Dadurch ist ein erster Einblick in die Forschungsmotivation der Untersuchung gegeben.

Die Kapitel 2 und 3 stellen den Theoriebezug der Untersuchung dar. Während in Kapitel 2.1 der Begriff Identität anhand traditioneller und aktueller Theorien definiert und bestimmt wird, veranschaulicht Kapitel 2. 2 die dieser Untersuchung zugrunde liegenden regulativen Identitätstheorie nach Karl Haußer (vgl. 1995). Der Fokus richtet sich auf das Selbstwertgefühl als den zentralen emotionalen Aspekt innerhalb des Identitätsregulationsprozesses, da dieses veränderlich und zudem stark von sozialer Bewertung abhängt. Vor allem die Fremdbewertung ist bei der untersuchten Gruppe aufgrund der Sichtbarkeit der Schädigung von zentraler Bedeutung. Die Begriffsbestimmung, Quellen und Gefahren des Selbstwertgefühls werden in Kapitel 2.3 anhand von empirischen Studien und theoretischen Erkenntnissen aufgezeichnet.

In Kapitel 3 wird zunächst das vorliegende Verständnis von Behinderung dargestellt. Dies dient zum einen dazu, deutlich zu machen, aufgrund welcher Ursachen die Befragten dieser Untersuchung eine körperliche Schädigung haben und einen Hinweis darauf zu geben, welche motorischen Einschränkungen bei den Interviewpartnerinnen vorliegen und somit die Vergleichbarkeit der Stichprobe zu veranschaulichen. Zum anderen wird ein Einblick in die - über die individuelle körperliche Schädigung hinausgehenden- sozialen und interaktionellen Mechanismen gegeben, welche durch gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse evoziert werden. Dass es sich nicht nur bei Behinderung, sondern auch beim Geschlecht um eine soziale Strukturkategorie handelt, umfasst das Kapitel 3.2. Es wird ein Einblick gegeben, welche Auswirkungen die Merkmale 'behindert' und 'weiblich' auf struktureller Ebene haben können. Das Kapitel 3.3 stellt dar, welche spezifischen Entwicklungsaufgaben in der Lebensphase Adoleszenz bewältigt werden sollten und welchen Einfluss eine sichtbare Körperbehinderung und die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht haben kann.

Das Kapitel 4 leistet eine Zusammenfassung des theoretischen Bezugsrahmens, so dass deutlich wird, weshalb der Zusammenhang zwischen dem Selbstwertgefühl, weiblichem Geschlecht und einer sichtbaren Körperbehinderung in der Adoleszenz von zentraler Bedeutung und deshalb die vorliegende empirische Studie sinnvoll und notwendig ist. In Kapitel 5 wird das methodologische Vorgehen der Untersuchung dargestellt. Insgesamt umfasse die methodentheoretische Orientierung auch die grundlegende Auseinandersetzung mit den Paradigmen der qualitativen und quantitativen Forschungsmethodologie, wobei der Gegenstand der Untersuchung relativ eindeutig die qualitative Ausrichtung des Methodendesigns notwendig machte. Ich bin mir bewusst, dass im Sinne der psychologischen Forschung die Erfassung von Selbstwertgefühl mithilfe von Interviews und deren Interpretationen ungewöhnlich erscheint; es sei jedoch an dieser Stelle betont, dass es nicht in meiner Absicht liegt, das jeweilige Selbstwertgefühl definitiv zu bewerten und zu bestimmen (dies würde in der Tat Forschungsmethoden wie zum Beispiel Rating-Verfahren etc. bedingen), sondern es sollen über die methodologische Angehensweise weniger Messwerte als prägnante Aspekte und Faktoren in ihren Zusammenhängen betrachtet werden, wobei - und dies sei ebenfalls zu betonen - den Befragen der Status der Expertinnen für sich selbst zukommt, so dass selbstwerthemmende/bedrohende beziehungsweise selbstwerterhaltende-/fördernde Aspekte in den Lebensbereichen von Mädchen und jungen Frauen, die seit ihrer Geburt eine sichtbare Körperbehinderung haben, herausgearbeitet werden können.

Dass sich das Forschungsdesign dieser Studie durch das methodologische Anforderungsprofil an die Erforschung von Identität nach Karl Haußer (vgl. 1995) und den Perspektiven der feministischen Forschung orientiert, ist Kapitel 5.1 zu entnehmen. In Kapitel 5.2 ist aus Gründen der Übersichtlichkeit der Ablauf der Untersuchung in einer Skizze abgebildet. Die Modalitäten der Datenerhebung (5.3) umfasst die Begründung des Leitfadeninterviews als Erhebungsinstrument (5.3.1), die Darstellung des Interviewleitfadens als strukturierendes Element (5.3.2), die Kontaktaufnahmen zu den Interviewpartnerinnen (5.3.3) sowie die Beschreibung der Entstehungssituation und Durchführung der Interviews (5.3.4). Zuletzt werden die Interviewpartnerinnen in der Reihenfolge ihres Alters unter 5.3.5 kurz beschrieben.

Das Kapitel 5.4 thematisiert die Datenaufbereitung, so dass zunächst die Transkriptionsregeln abgebildet werden (5.4.1) und anschließend die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring (vgl. 2000, 2000a) als zentrales Aufbereitungsinstrument formal und inhaltlich dargestellt wird (5.4.2). Ebenfalls wird auf die Anwendung der inhaltsanalytischen Gütekriterien eingegangen (5.4.3). das Kapitel 5.5 führt in die Forschungstradition der interpretativen Datenauswertung ein und gibt ebenfalls einen Hinweis auf das in der vorliegenden Untersuchung vollzogene Interpretationsvorgehen.

Das folgende Kapitel 6 umfasst die interpretierende Analyse der selbstwertrelevanten Lebensbereiche und -aspekte der Befragten und stellt somit den zentralen empirischen Teil der Untersuchung dar. Dabei orientiert sich die Darstellung an der Einteilung in die verschiedenen Lebensbereiche beziehungsweise -aspekte. Das Kapitel 6.1 gibt zunächst einen einführenden Überblick in den Lebensbereich Familie. Anhand von empirischen Studien werden relevante Aspekte, die Familien allgemein, aber auch Familien mit behinderten Kindern betreffen, dargestellt. Im Anschluss daran wird die interpretierenden Analysen zu Aspekten von Erziehung und Sozialisation der Befragten (6.1.1) und den Funktionen der Familienmitgliedern (6.1.2) vorgestellt. Dabei findet auch der adoleszente Ablöseprozess Berücksichtigung. Die in der vorliegenden Arbeit analysierten und interpretierten Aspekte im außerschulischen Bereich sind unter 6.2 zu finden. Dabei leistet Kapitel 6.2 zunächst eine Einführung in die verschiedenen untersuchten Aspekte, bevor diese unter 6.2.1 (Kontakte zu Gleichaltrigen nach Art der Beschulung), 6.2.2 (Berufswunsch), 6.2.3 (Berufstätigkeit), 6.2.4 (Freizeit) und 6.2.5 (Diskriminierende Erfahrungen) dargestellt werden. Auf die ausführliche Einleitung in die geschlechtsspezifischen Aspekte unter 6.3 wurde mit dem Verweis auf das Kapitel 3.3 verzichtet. Die interpretierende Analyse dieses Lebensaspektes umfasst die Körperidentität (6. 3.1), intime Beziehungen und sexuelle Erfahrungen (6.3.2), Wunschpartner (6.3.3) sowie die Zukunftsvisionen der Befragten hinsichtlich ihrer Geschlechtsrolle (6.3.4). Das Kapitel 6.4 führt zunächst einleitend in die sonstigen Aspekte ein. Daraufhin werden die Analysen zur religiösen Orientierung (6.4.1), Ängsten und Träumen (6.4.2), dem größten Wunsch (7.4. 3) sowie der Selbsteinschätzung: Glücklich? (6.4.4) dargestellt. Da die vorliegende Studie zwar den Anspruch hat, alle subjektiv bedeutsamen und subjektiv betroffen machenden Aspekte der Befragten extrahiert und analysiert zu haben, aber aufgrund der Notwendigkeit der Schwerpunktsetzung nicht ausgeschlossen werden kann, dass einzelne relevante Zusammenhänge nicht vorrangig bearbeitet wurden, befinden sich die transkribierten Interviews im Anhang. Es bietet sich also die Möglichkeit, die Interviews vor oder nach dem Studieren der interpretierenden Analyse in voller Länge zu lesen.

Das Kapitel 7 leistet die Zusammenfassung der in Kapitel 6 herausgearbeiteten selbstwerthemmenden/-gefährdenen beziehungsweise selbstwerterhaltenden/-fördernden Aspekte in den verschiedenen Lebensbereichen der Interviewpartnerinnen. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse können so vor dem Verzeichnis der verwendeten Literatur (9.) und dem Abbildungs- und Tabellenverzeichnis (10.) Implikationen (8.) gegeben werden, die sich sowohl auf Desiderate als auch auf die soziale, institutionelle und interaktionelle Wirklichkeit der Befragten bezieht. Durch Letzteres soll die Arbeit dem Anspruch gerecht werden, Aspekte individueller Wahrnehmung mit Strukturen der sozialen Umwelt in einen Zusammenhang zu bringen. Weil bezeichnend für den Kern dieser Untersuchung stelle ich an das Ende dieser Einführung die Aussage einer mit spinaler Muskelathrophie geborenen 14-jährigen Befragten:

'Dass ich ich bin irgendwie ... das finde ich schon eine Blamage' (Anhang Seite 22, Zeile 1020 f.).

[Einleitung der Autorin]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


k. A.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV0723


Informationsstand: 07.02.2006

in Literatur blättern