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Bibliographische Angaben zur Publikation

Benachteiligte in der Weiterbildung

Projektabschlussbericht; Fördernummer: BMBF W 1132.00



Autor/in:

Brüning, Gerhild; Lindmeier, Christian; Pehl, Klaus


Herausgeber/in:

Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)


Quelle:

Frankfurt am Main: Eigenverlag, 2001, 169 Seiten: PDF


Jahr:

2001



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Abstract:


I. Zusammenfassung:
I.1 Benachteiligte und Benachteiligung
Je nach gesellschaftspolitischer Konstellation stehen Benachteiligte und Benachteiligung in der Weiterbildung thematisch mehr oder weniger stark im Vordergrund. Mit der Bildungsdiskussion, die Ende der 50er Jahre einsetzte, wurde von Bildungspolitikern eine Öffnung des Bildungssystems gefordert, um Bildungsreserven zu mobilisieren und statt einer Elitebildung eine Massenbildung zu ermöglichen. Die Forderung nach Chancengleichheit wurde zum demokratischen Postulat wie zur ökonomischen Notwendigkeit. Dieses Konzept hatte solange Chancen der Verwirklichung, wie die Wirtschaft Arbeitskräftebedarf anmeldete. Konjunkturelle Einbrüche des Arbeitsmarktes und Rationalisierungen in der Industrie führten zu einem vehementen Arbeitsplatzabbau gerade für An- und Ungelernte. Ende der 70er/ Anfang der 80er Jahre wurden daher von der Bundesregierung Programme unter dem expliziten Titel 'Benachteiligtenförderung' aufgelegt, um die Reintegration in den Arbeitsmarkt zu fördern. Die Orientierung der Programme basierte auf der Prämisse, dass unsere Gesellschaft eine Erwerbsgesellschaft ist und die Teilhabe an der Gesellschaft sich wesentlich über Teilhabe an Erwerbsarbeit definiert.

Die Begriffe Benachteiligte und Benachteiligung müssen unter systematischen Gesichtspunkten von der Warte der Gesellschaft und von der Warte des Individuums aus betrachtet werden. Unter dem gesellschaftlichen Blickwinkel ist die Reduzierung von Benachteiligung eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die sich immer wieder stellt. Gesellschaften wandeln sich und die Benachteiligungen von heute müssen nicht die gleichen wie die von morgen sein. Auf der Ebene des Subjekts ist Benachteiligung zwar aufhebbar oder reduzierbar, aber es gibt bislang zu wenig Kenntnisse darüber, welche Faktoren dafür eine Rolle spielen und welche Bedeutung Benachteiligung und auch aufgehobene Benachteiligung im Kontext des weiteren Lebensverlaufs hat.

Benachteiligung muss unter gesellschaftspolitischen, arbeitsmarktpolitischen, sozialpolitischen, wirtschaftspolitischen und bildungspolitischen Aspekten betrachtet werden. Weiterbildung ist daher nur eine von mehreren Herangehensweisen, um Benachteiligung - insbesondere soziale - zu reduzieren.

Benachteiligung muss immer auf das hin beurteilt werden, was als Zielsetzung bei der Verminderung oder Aufhebung von Benachteiligung postuliert wird. Zielsetzungen sind nicht feststehend. Sie verändern, erweitern, verengen sich in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Entwicklungen, politischen Wertorientierungen und beruflichen Anforderungen.

Benachteiligung ist noch keine Ausgrenzung, aber sie kann die Vorstufe dafür sein. In der Literatur werden sechs zentrale Dimensionen aufgeführt, in denen sich soziale Ausgrenzung manifestiert: Ausgrenzung am Arbeitsmarkt, ökonomische und kulturelle Ausgrenzung, Ausgrenzung durch gesellschaftliche Isolation, räumliche und institutionelle Ausgrenzung. Wenn mehr als drei dieser Dimensionen zusammentreffen, so ist soziale Ausgrenzung wahrscheinlich.

Faktoren, die zur Benachteiligung beitragen, liegen auf der subjektiven und sozialen Ebene des Individuums. Sie zeigen sich darüber hinaus als Zugangsbarrieren zu Bildung und Weiterbildung, die durch die Rahmenbedingungen der Bildungseinrichtungen, der geförderten wie der individuellen Finanzierungsmöglichkeiten und der gesetzlichen Grundlagen gezogen werden. Allerdings ist nicht nur ein einzelner Faktor ausschlaggebend, um als benachteiligt zu gelten oder zu sein, sondern es ist die Kumulation von Faktoren, die zu Benachteiligung in der Weiterbildung wie in der Gesellschaft führt.

Die in der Regel verwendeten Begriffe 'Benachteiligte, benachteiligte Zielgruppen, Benachteiligtenförderung' sind eine unzulässige Verkürzung der dahinter liegenden individuellen wie gesellschaftlichen Problemlagen. Sie verfestigen die Defizitsicht auf die Person und lassen deren Kompetenzen außer Acht. Der Blick auf die Einzelperson blendet jedoch den sozialen Kontext aus, in dem jeder lebt, und der die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens beeinflusst, prägt, erweitert wie auch einschränkt. Der Begriff Benachteiligung ist angemessener, da er den Wahrnehmungshorizont für diejenigen Faktoren erweitert, die außerhalb des Einzelnen liegen und die Entstehung von Benachteiligung in starkem Maße beeinflussen.

Auch die positive Wendung des Begriffs Benachteiligung in den der Chancengleichheit ist nicht zufrieden stellend. Er trägt den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Prozesscharakter des Wandels zu wenig Rechnung. Unter dem Paradigma des lebenslangen Lernens müssten Chancen auch lebenslang vorhanden sein. Wenn Wissen und Kompetenzen stets aktualisiert werden müssen, relativiert sich das, was inhaltlich in Schule und Ausbildung einmal gelernt wurde. Ob der Begriff Gleichstellung der Thematik wie der Realität angemessener wäre, bleibt zu diskutieren.

I.2 Weiterbildungsverhalten
Der Rekurs auf Bildungsbeteiligung im Kontext von Benachteiligung geht von der Annahme aus, dass durch Weiterbildung Benachteiligung vermindert beziehungsweise sie präventiv gegen Benachteiligung wirksam werden kann. Wenn sich die Faktoren herausfinden lassen, die die Weiterbildungsbeteiligung beeinflussen, so können auch leichter Aussagen darüber gemacht werden, welche Faktoren zur Nicht-Teilnahme an Weiterbildung führen. Diese Zusammenschau ist insofern von Bedeutung, als davon ausgegangen werden kann, dass Nicht-Teilnahme an Weiterbildung mit Bildungsbenachteiligung, aus der berufliche und auch soziale Benachteiligung erwächst, in Zusammenhang steht.

Die Entscheidung über die Teilnahme beziehungsweise Nicht-Teilnahme an Weiterbildung hängt von Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen ab. Es werden subjektive und soziodemografische Faktoren (Mikroebene) unterschieden. Darüber hinaus spielen die finanziellen und inhaltlichen Rahmenbedingungen der Lernangebote, der Bildungseinrichtungen , der Förderprogramme und Projekte und der Supportstrukturen (Mesoebene), die Struktur des Bildungssystems als solches, die gesetzlichen Grundlagen der Weiterbildung sowie die gesamtgesellschaftliche Struktur (Makroebene) eine bedeutsame Rolle.

Zu den subjektiven Faktoren gehören das Lerninteresse, das Verwertungsinteresse und die individuellen Werthaltungen und Einstellungen zu Weiterbildung. Sie bilden die Grundlage für die Motivationsstruktur, die letztendlich entscheidend dafür ist, ob es zu einer Beteiligung an Weiterbildung kommt oder nicht.

Als wesentliche soziodemografische Faktoren, die auf die Weiterbildungsentscheidung Einfluss haben, sind anzusehen: Schul- und Berufsbildung, Erwerbstätigkeit, berufliche Stellung, soziale Herkunft, Geschlecht, Alter und Nationalität.

- Je höher die Schulbildung ist, desto höher ist auch die Weiterbildungsbeteiligung und sie steigt mit zunehmender beruflicher Qualifikation.
- Die Schulbildung kanalisiert bereits den Weg der beruflichen Ausbildung und den beruflichen wie auch den sozialen Status, auch wenn seit der Bildungsreform das Bildungssystem durchlässiger geworden ist.
- Erwerbstätigkeit verstärkt das Interesse an Weiterbildung.
- Die Beteiligung von Männern und Frauen an Weiterbildung hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. In der beruflichen Bildung allerdings liegen die Anteile der Männer sowohl bei den Erwerbstätigen wie bei den Nicht-Erwerbstätigen höher als bei den Frauen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei den Frauen weitere Einflussfaktoren betrachtet werden müssen, die die Weiterbildungsteilnahme hemmen, und zwar Teilzeitbeschäftigung und Familienarbeit.
- Jüngere nehmen häufiger an Weiterbildung teil als Ältere. Es scheint eine Altersgrenze für betriebliche Weiterbildungsangebote zu geben, die bei 40 Jahren liegt. Ältere erhalten keine Weiterbildungsangebote vom Arbeitgeber mehr. Sie halten sich aber auch selbst für zu alt, um an Weiterbildung teilzunehmen.
- Nicht-Deutsche wurden 1997 zum ersten Mal zu ihrem Weiterbildungsverhalten befragt. Die Teilnahmequote liegt erheblich unter der von Deutschen.

I.3 Benachteiligte Zielgruppen
Das pädagogische Konzept der Zielgruppenorientierung ist unmittelbar aus der gesellschaftspolitischen Reformdiskussion entstanden. Es liegt den meisten Angeboten der allgemeinen und der beruflichen Bildung, den Förderprogrammen und -maßnahmen zugrunde.

Das Zielgruppenkonzept enthält unterschiedliche Akzentsetzungen:
- Der lernpsychologisch begründete Ansatz geht von den spezifischen Bedingungen des Erwachsenenlernens aus.
- Der politisch akzentuierte Zielgruppenansatz wird als umfassender aktiver politischer Lernprozess verstanden, der gesellschaftliche Veränderungen anstoßen und begleiten soll. In diesen Bereich gehört die Gemeinwesenarbeit.
- Der dritte Ansatz ist bildungs- und sozialpolitisch motiviert. In ihm werden gezielt sozial benachteiligte Gruppen angesprochen, deren Belastungen im Lebensalltag als vielschichtig angesehen werden und die als Ursache für eine Distanz zu Bildungsangeboten interpretiert werden. Die Prämisse, die dieser Herangehensweise zugrunde liegt, geht davon aus, dass durch Bildung auch soziale Benachteiligung reduziert werden kann.

Die Ansätze des Zielgruppenkonzepts werden zunehmend kritisch hinterfragt. Die Zuordnung von Personen zu Zielgruppen lässt bildungsrelevante Lebensbereiche außer Acht. Vor allem der bildungs- und sozialpolitisch motivierte Ansatz des Zielgruppenkonzepts ist in den letzten Jahren in die Kritik geraten, da mit ihm eine Defizitsicht konnotiert wird, aus der heraus Stigmatisierung und auch Ausgrenzung erfolgen kann. Weiterbildung für benachteiligte Zielgruppen birgt in sich auch die Gefahr der Instrumentalisierung, wenn durch sie sozial- und arbeitsmarktpolitische Probleme gelöst werden sollen.

Die verstärkt seit Beginn der 80er Jahre aufgelegten Förderprogramme für Benachteiligte gingen vom Zielgruppenkonzept aus. Für die Entstehung von Benachteiligung legten sie eine Kumulation von Faktoren zugrunde, die je nach Zielgruppe variierte. Im diesem Bericht sind ausgewählte Zielgruppen und die sie benachteiligenden Faktoren exemplarisch beschrieben:

Junge Erwachsene ohne Schul- und Berufsausbildung sind benachteiligt wegen Lernbeeinträchtigungen, Sozialisationsschwierigkeiten, fehlendem Schulabschluss, fehlendem Ausbildungsplatz und abgebrochener Ausbildung.

Arbeitslose, Langzeitarbeitslose und Sozialhilfe-Empfänger/innen sind benachteiligt wegen fehlender Berufsausbildung, nicht nachgefragter Qualifikationen, des Alters, gesundheitlicher Einschränkungen, fehlender Angebote, fehlender Infrastruktur, des Geschlechts, der Nationalität.

Frauen sind benachteiligt wegen fehlender Geschlechterdemokratie, eingeschränkter Berufswahlmöglichkeiten, eingeschränkter beruflicher Möglichkeiten, doppelter Vergesellschaftung, geringer gesellschaftlicher und politischer Partizipationsmöglichkeiten.

MigrantenInnen sind benachteiligt wegen des rechtlichen Status, der Nicht-Anerkennung von Schul-, Berufs- und Universitätsabschlüssen, geringer Sprachkenntnisse, der Unübersichtlichkeit des Schul-, Ausbildungs- und Weiterbildungssystems.

Analphabeten sind benachteiligt wegen schwieriger familiärer Verhältnisse, Lernproblemen bereits in den ersten Grundschuljahren, fehlendem Schul-/Berufsabschluss.

Neben den klassischen Zielgruppen wird es auch solche mit neuen Benachteiligungen geben. Dazu werden diejenigen gehören, die keinen Zugang zu den neuen Medien haben, die in aussterbenden Berufen tätig sind, die keinen Zugang zu Weiterbildung haben und/ oder sie nicht bezahlen können.

I.4 Empfehlungen aus Weiterbildungsprojekten
Im Laufe der Jahre sind immer wieder Empfehlungen publiziert worden, wie Maßnahmen für Zielgruppen mit Benachteiligungen zu konzeptionieren seien. In einem Vergleich der Empfehlungen der letzten 20 Jahre bezogen auf die 'exemplarischen' Zielgruppen hat sich herausgestellt, dass es keine wesentlichen Veränderungen in den Konzepten gegeben hat. Auch lassen sich bestimmte Vorgehensweisen auf alle Zielgruppen anwenden:
- Aufsuchen und Motivieren von erwachsenen Menschen für Weiterbildung
- Lernberatung der Teilnehmenden, die personenbezogen und teilnehmerorientiert erfolgt
- Lebensweltorientierung und biografischer Ansatz
- Professionalisierung der Lehrkräfte - Kleine Lerngruppen, die intensive und effektive Lernsituationen ermöglichen
- Teilnehmerorientierte Materialien, die prozessual, individuell und kursbezogen entwickelt werden.

In neueren Konzepten wird darauf hingewiesen, dass zusätzlich
- die Orientierung am Kompetenzansatz notwendig ist,
- eine Potenzialanalyse erfolgen sollte,
- die Heterogenität in den Gruppen als positiv zu werten ist und
- die Bedeutung von Kooperation und Vernetzung stärker gewichtet werden muss.

I.5 Notwendige Handlungsorientierungen
Die Umsetzung der Empfehlungen aus den Projekten war vor zentrale Probleme gestellt. Zum einen lagen die Probleme in der Unverbindlichkeit der Empfehlungen selbst. Ob und/oder von wem sie umgesetzt werden sollten, war nicht geregelt. Zudem gab es Informations- und Verbreitungsprobleme, da die meisten Empfehlungen nur in einem relativ kleinen Rahmen und meistens lokal begrenzt eingesetzt wurden.

Darüber hinaus erwies sich die Kommunikation aller Beteiligten unter einander als unzureichend. Im Verständigungsprozess wurden weder die unterschiedlichen Interessenslagen noch die unterschiedlichen Rationalitäten, Organisationskulturen und Machtverhältnisse ausreichend berücksichtigt. Die Empfehlungen aus den Projekten und die Ergebnisse aus dieser Expertise legen folgende Handlungsorientierungen nahe:

- Prävention muss als übergeordnetes und erklärtes Ziel zur Vorbeugung gegen Benachteiligung zum politischen Handlungserfordernis werden. Dazu gehört ein System der ausdrücklichen Vorsorge.

- Die Reduzierung von Benachteiligung ist als politisches Ziel zu formulieren. Die Wertorientierung an sozialer Gerechtigkeit sollte politisch effizienter und kontinuierlicher umgesetzt werden. Dazu ist ein System zu installieren, das die Reduzierung von Benachteiligung als ständige Aufgabe verfolgt. Das Weiterbildungssystem muss systematisch auf inhärente Benachteiligungsfaktoren überprüft werden. Darunter fällt, dass die gesetzlichen Grundlagen des Weiterbildungssystems durch die Art und Weise der inhaltlichen Ausgestaltung und der Formulierung keine ausgrenzenden Leitlinien - wenn auch ungewollt - vorgeben. Ebenso müssen die Zugangsmöglichkeiten zu Weiterbildung, die Übergänge im Bildungssystem (Schule - Ausbildung - Weiterbildung) und die Schnittstellen in Teilsystemen der Weiterbildung wie auch die Finanzierung auf Benachteiligungsmöglichkeiten untersucht werden.

- Dem Transfer der Erfahrungen aus den Projekten ist bislang zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden. Gerade in Modellprojekten sollten verstärkt Evaluationen durchgeführt werden, die die Transfermöglichkeiten der Ergebnisse in den Alltag überprüfen. Dazu kann es hilfreich sein, eine Umsetzungsinstanz für Transfer einzurichten ('Transferagentur').

- Die Förderung der Nachhaltigkeit muss einen höheren Stellenwert erhalten. Erkenntnisse und Erfahrungen aus Maßnahmen für Personengruppen mit Benachteiligungen müssen viel stärker aus sozialpolitischen und aus Kostengründen auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden.

- Auch die Anforderungen an das Bildungssystem haben sich geändert. Bildungseinrichtungen müssen sich zu lernenden Organisationen und zu Kompetenzzentren entwickeln. Das pädagogische Personal muss zukünftig verstärkt über Beratungsqualifikationen verfügen, betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen und im Team arbeiten können.

- Um die knapper werdenden Ressourcen besser nutzen zu können und Synergieeffektive zu erreichen, muss die Kooperation und Vernetzung sowohl der Bildungseinrichtungen wie aller beteiligten Akteure verbessert werden. Dies ist auch nötig, um Fördermöglichkeiten zu Förderketten bündeln zu können.

- Didaktik und Methodik müssen erwachsenengerecht konzipiert werden. Als durchgängiges Prinzip sind Kompetenzansatz und Potenzialanalyse, Lebensweltbezug, Lernen lernen und die Vermittlung von Kenntnissen im Umgang mit den neuen Medien in die Bildungsmaßnahmen zu integrieren.

Die Vielfalt und die Unübersichtlichkeit der Weiterbildungsangebote wie der Weiterbildungseinrichtungen macht es nötig, den Ausbau und die Systematisierung des Supportsystems voranzutreiben. Schwerpunktmäßig müssen die Informationssysteme für Adressaten wie für Bildungseinrichtungen und weitere Akteure verbessert werden. Das Beratungsangebot ist auf allen Ebenen zu effektivieren. Die Transparenz und Übersichtlichkeit der Angebote sind zu erhöhen. Foren zum interdisziplinären Austausch sind einzurichten und Diskurse zu ermöglichen. Die Fortbildung und Unterstützung des pädagogischen Personals muss zur Selbstverständlichkeit werden.

I.6 Forschungs- und Entwicklungsfelder
Als Empfehlungen besonderer Art sind die Fragen zur Präventions- und Wirkungsforschung anzusehen. Trotz aller Bemühungen ist Benachteiligung nicht oder kaum reduziert worden. Aus der Analyse der Situation von benachteiligten Personen ist festzustellen, dass trotz vielfältiger Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen Benachteiligung immer noch einen selbstverständlichen Teil des gesellschaftlichen Lebens darstellt.

Es ist zu fragen, warum trotz aller Modellprojekte und Förderprogramme Benachteiligung nicht wesentlich reduziert worden ist? Wodurch entsteht Benachteiligung und wie kann sie reduziert werden?

Weitere, die beschriebenen Zielgruppen übergreifende Fragestellungen für Präventions- und Wirkungsforschung beziehen sich
- auf die Herstellung von Chancengleichheit in der Weiterbildung,
- auf das Zusammenwirken einzelner Faktoren (subjektive, soziale, institutionelle und strukturelle) für Benachteiligung und
- auf den Stellenwert der Zugangsbarrieren zu Weiterbildung,
- auf Lernstrategien und Lernwege und - auf die Art und Weise der Vermittlung von 'weichen' Kompetenzen.

Zu den einzelnen, in der Expertise dargestellten Zielgruppen mit Benachteiligungen werden darüber hinaus noch spezifische Forschungs- und Entwicklungsfragen formuliert. In dieser komprimierten Darstellung werden jeweils nur die Leitfragen zu den einzelnen Zielgruppen benannt.

Junge Erwachsene
Wie kann man es erreichen, dass junge Menschen nicht benachteiligt werden?

Arbeitslose, Langzeitarbeitslose und Sozialhilfe-EmpfängerInnen
Wie muss Weiterbildung heute aussehen, damit Arbeitslose, Langzeitarbeitslose und Sozialhilfe-EmpfängerInnen auch morgen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben?

Frauen
Wie kann Geschlechterdemokratie hergestellt werden?

MigrantenInnen
Wie können die Potenziale, die in ihrer Vielfalt stecken, genutzt werden und in ein Konzept des 'managing diversity' integriert werden?

AnalphabetenInnen
Wie kann sichergestellt werden, dass Analphabeten das, was sie in Alphabetisierungskursen gelernt haben, im Alltag nicht wieder verlernen?

Menschen mit Behinderungen
Inwieweit wirken die Leitbilder und Strukturen von Erwachsenenbildungseinrichtungen ausschließend?


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.
Homepage: https://www.die-bonn.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV0600


Informationsstand: 25.10.2005

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