Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Sozialmedizinische Problemlage vor Beginn und Beschwerdeerleben sowie berufliche Zufriedenheit und Eingliederung nach stationärer psychosomatischer Rehabilitation

Vortrag auf dem Fünfzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 13. bis 15. März 2006 in Bayreuth



Autor/in:

Schmitz-Buhl, Stefan Mario; Kriebel, R.; Paar, Gerhard H.


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2006, Sonderausgabe, Seite 458-460, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2006



Abstract:


Der Anteil von Patienten mit sozialmedizinischer Problemlage nimmt zu. Die fremdmotivierten Patienten haben entweder einen Rentenantrag (Typ 1) oder einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Typ 2) gestellt oder nach längerer Arbeitsunfähigkeit wegen Gefährdung der Erwerbsfähigkeit (Typ 3) aufgefordert wurden, einen Reha-Antrag zu stellen.

Da nur wenige Untersuchungen den Einfluss dieser hochchronifizierten, fremdmotivierten Patienten auf das Behandlungsergebnis erfasst, soll die Untersuchung zeigen, ob es der psychosomatischen Rehabilitation gelingt, die berufliche Eingliederung dieser schwierigen Patientengruppe zu verbessern. Dieser Untersuchung liegen Ergebnisse aus der 2004 durchgeführten Katamnesestudie zu Grunde.

Im Rahmen der Untersuchung werden drei Fragestellungen behandelt:
1. Welchen Einfluss hat die sozialmedizinische Problemlage und andere sozialmedizinische Parameter auf die Bereitschaft zur Teilhabe an katamnestischer Nacherhebung?
2. Beeinflusst die sozialmedizinische Problemlage Beschwerdeerleben zu Therapieoutcome und Katamnesezeitpunkt?
3. Hat die sozialmedizinische Problemlage Einfluss auf berufliche Eingliederung und berufliche Zufriedenheit zum Katamnesezeitpunkt?

Insgesamt umfasste die Stichprobe 379 Patienten, die im Zeitraum von September bis Dezember 2002 ihre Behandlung in der Gelderland-Klinik beendeten. Fast 67 Prozent der Patienten kamen ohne sozialmedizinische Fragestellung. 10,9 Prozent ließen sich über die prästationäre Erfassung Typ 1, 7,6 Prozent Typ 2 und 14,6 Prozent Typ 3 zuordnen. Die Rücklaufquote betrug 53,8 Prozent. Von der Gesamtstichprobe lagen die Ergebnisse der Gelderland-Basisdokumentation vor, von der Antwortstichprobe der modifizierte Katamnesefragebogen von Koch. Berechnet wurden ein- und zweifaktorielle Varianzanalysen, zum Teil mit Messwiederholungsfaktor und anschließend post-hoc-Vergleich und Kreuztabellenanalysen.

Beim Vergleich von Antworter- mit der Nichtantworterstichprobe zeigt sich, dass der sozialmedizinische Patiententyp einen Einfluss auf die Antwortbereitschaft hat. Die Nichtantworter beispielsweise weisen einen höheren Anteil von Rentenantragstellern und erwerbsgefährdeten Patienten auf. Zusätzlich enthält diese Gruppe mehr Patienten mit Arbeitsunfähigkeit bei Aufnahme und tendenziell mehr Patienten mit einer AU von mehr als sechs Monaten im letzten Jahr. Deutlich wurde, dass der selbsteingeschätzte Erfolg der Reha-Maßnahme einen Einfluss auf die Antwortbereitschaft hat.

Ein signifikanter Haupteffekt für den sozialmedizinischen Patiententyp ergibt sich für 'Stärke körperliche Beschwerden' und 'Güte der Stressbewältigung', nicht für 'Stärke seelische Probleme/Beschwerden'. Rentenpatienten schätzen sich unabhängig vom Messzeitpunkt ungünstiger ein als die übrigen Patiententypen. Hinsichtlich der Inanspruchnahme von ambulanter Psychotherapie nach Reha unterscheiden sich die Patiententypen nicht. Von den acht leistungsbezogenen Items erreichen weniger das Signifikanzniveau. Patienten des Typs 1 haben alle einen Rentenantrag gestellt, zeigen nur eine geringe Veränderung der Leistungsfähigkeit und häufigere Arztbesuche.

Die sozialmedizinische Typenzuordnung zu Beginn der Reha-Maßnahme erweist sich als prognoserelevant für das unmittelbare Reha-Ergebnis und für den länger anhaltenden Erfolg der psychosomatischen Rehabilitation. Es zeigte sich, dass die Patienten, die mit manifesten Rentenwunsch in die Reha kommen eine kritische Sonderstellung aufweisen. Durch die verminderte Antwortbereitschaft sind die eigenen katamnestischen Ergebnisse nicht abschließend bewertbar. Es wäre wünschenswert, zusätzliche objektive Datenquellen zu erschließen.

Abschließend ist zu bemerken, dass die prästationär gut fassbaren sozialmedizinischen Patiententypen im Vorfeld der Rehabilitation stärker hinsichtlich ihrer Motivationslage überprüft und gegebenenfalls gefördert werden sollten und bei ausreichender Reha-Motivation in maßgeschneiderten Behandlungsangeboten spezifische Veränderungsimpule erfahren sollten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '15. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation und Arbeitswelt - Herausforderungen und Strategien' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/GL1372x64


Informationsstand: 16.06.2006

in Literatur blättern