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Bibliographische Angaben zur Publikation

Entwicklung eines Entscheidungsinstruments für die sozialmedizinische Begutachtung von Rehabilitationsbedarf: Vergleich der Güte eines Algorithmusmodells mit einer globalen Beurteilungsskala

Vortrag auf dem Fünfzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 13. bis 15. März 2006 in Bayreuth



Autor/in:

Meng, Karin; Holderied, Anton; Vogel, Heiner


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2006, Sonderausgabe, Seite 267-269, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2006



Abstract:


Die Rehabilitationsbedürftigkeit, die Rehabilitationsfähigkeit sowie die positive Erfolgsprognose sind zur sozialmedizinischen Begutachtung des Rehabilitationsbedarfs zu prüfen. Hierfür ist eine zusammenfassende Bewertung aller wesentlichen sozialmedizinischen Faktoren, wie Funktionseinschränkungen und Fähigkeitsstörungen sowie Probleme bei der Krankheitsbewältigung erforderlich.

Eine besondere Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen die praktischen sozialmedizinischen Erfahrungen und das klinische Verständnis der Sozialmediziner, da es für den komplexen Beurteilungsprozess noch keine empirisch validierten Assessmentinstrumente gibt.

Ziel des Forschungsprojekts Operationalisierung und Erprobung der Kriterien zur Begutachtung des Reha-Bedarfs der Rentenversicherung in Form eines Entscheidungsalgorithmus im Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsförderungsprogramm ist es, ein kriterienbezogenes Instrument für die Begutachtung zu entwickeln, das ein strukturiertes Beurteilungssystem darstellt und somit zur Erhöhung der Transparenz im Antragsverfahren beiträgt.

Zu Beginn wurden in zwei Delphi-Expertenbefragungen die Relevanz und Beurteilbarkeit der einzelnen Kriterien des Reha-Bedarfs sowie eine praxisorientierte Operationalisierung ermittelt und eine Checkliste mit 13 Bedarfskriterien gebildet. Die Checkliste wurde in einer Längsschnittstudie im ärztlichen Dienst der fünf bayerischen Rentenversicherungsträger evaluiert. Untersucht wurden Zeitstichproben von Antragstellern mit muskuloskelettalen Erkrankungen. Beurteilt wurde die Checkliste im Anschluss an die Entscheidungsfindung. Das Beurteilungsinstrument wird mit den sozialmedizinischen Empfehlungen, subjektivem Rehabilitationsbedarf sowie mit Verlaufsdaten verglichen. Die Möglichkeit der Instrumentenentwicklung wird entweder in Form eines Algorithmus mit expliziten Entscheidungsregeln oder einer globalen Beurteilungsskala geprüft.

In der praktischen Erprobung der Checkliste in den LVAen zeigt sich eine eingeschränkte Beurteilbarkeit einzelner Bedarfskriterien nach Aktenlage. Die Anzahl der beurteilbaren Kriterien ist ein signifikanter Prädikator für die Reha-Empfehlung der Aktengutachter. Für die Untersuchungsbegutachtung liegt eine deutlich höhere Beurteilbarkeit vor.

Rehabilitationsbedarfsalgorithmus: Zwischen den Reha-Empfehlungen laut Algorithmus und denen der Prüfärzte besteht eine mittlere Urteilskonkordanz. Mit den Ergebnissen der Untersuchungsgutachter ergibt sich eine hohe Urteilskonkordanz.

Globaler Rehabedarfsscore: In der ROC-Analyse weist der Bedarfsscore eine hohe Trennfähigkeit für die Reha-Empfehlungen beider Arztgruppen auf. Bei den Prüfärzten hat der Referenzwert von größer/gleich acht Punkte die höchste Validitätssumme, während dieser bei den Gutachtern bei größer/gleich 11 Punkten liegt; die Unterschiede sind auf die divergierende Kriterienbeurteilbarkeit der beiden Verfahren zurückzuführen. Für die Reha-Empfehlungen nach Bedarfsscore und die der Prüfärzte beziehungsweise Gutachter besteht jeweils eine mittlere Urteilskonkordanz.

Es ergeben sich keine Unterschiede zwischen der Güte des Algorithmus und des Bedarfsscores in Bezug auf die Außenkriterien. Hinsichtlich der Bedarfsschätzung weisen beide Verfahren eine hohe Sensitivität bei geringer Spezifität auf.

Die Möglichkeit zur Entwicklung von empirisch begründeten Entscheidungshilfen zur Strukturierung der Sozialmedizinischen Begutachtung wird durch die Ergebnisse belegt und Probleme, wie die eingeschränkte Informationsbasis in der prüfärztlichen Aktenbeurteilung aufgezeigt. Für den Algorithmus und den globalen Bedarfsscore ergibt sich eine vergleichbare konkurrente und prädikative Validität. Für die praktische Umsetzung ist unter Berücksichtigung der Zielsetzung der kriterienbezogenen Urteilbildung das Algorithmusmodell mit expliziten Entscheidungsregeln zu bevorzugen. Dessen Weiterentwicklung soll durch die Analyse der Abweichungen von den Empfehlungen der Sozialmediziner erfolgen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '15. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation und Arbeitswelt - Herausforderungen und Strategien' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/GL1372x53


Informationsstand: 16.06.2006

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