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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Berufsförderungswerk Düren gGmbH: Fortbildung zur Fachkraft für Telefonmarketing für Blinde und Sehbehinderte

In Teil 3: Selbstdarstellung von Projekten



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Vorstellung der Institution:
Das Berufsförderungswerk in Düren, zwischen Aachen und Köln gelegen, kann auf jahrzehntelange Erfahrung in der beruflichen Bildung Blinder und Sehbehinderter blicken. Es entstand 1975 aus der 1960 gegründeten Rheinischen Umschulungsstätte für Späterblindete und ist mittlerweile eine gemeinnützige GmbH. Die blinden und sehbehindertenspezifische Aus- und Weiterbildung orientiert sich an den Grundsätzen der Ganzheitlichkeit, Teilnehmerzentrierung und Handlungsorientierung. Neben Fachkompetenzen steht daher auch die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen im Vordergrund, die das eigenständige Erkennen von Problemen und Finden von Lösungen ermöglichen. Das Leitmotiv lautet: aus- und weiterbilden so individuell und arbeitsmarktadäquat wie möglich.

Darstellung des Projekts:
Immer mehr Unternehmen setzen heute das Telefon: ein, um guten Service zu bieten: Kunden werden über Neuigkeiten informiert, Interessenten beraten, Termine vereinbart, Fragen und Probleme individuell behandelt, Bestellungen entgegengenommen, Tickets reserviert und v.m. Das Berufsförderungswerk bietet seit 1996 die Ausbildung zur 'Fachkraft für Telefonmarketing für Blinde und Sehbehinderte' an, die mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer Aachen endet. Die Dauer des Ausbildungsangebotes beträgt 6 Monate, inklusive eines bis zu 8 wöchigen Praktikums. Der Trend zum 'papierfreien', EDV-abhängigen Büro kommt Blinden und Sehbehinderten eher entgegen. Sie eignen sich für Telefontätigkeiten, Schreibtätigkeiten, Datenerfassung am Computer, Informationsverarbeitung am Computer, Kombiarbeit am PC und am Telefon.

Einschränkungen kann es für Blinde geben, wenn es bei der Tätigkeit auch um die selbstständige Erfassung visueller Informationen geht, die nicht über Scanner oder PC mit Braillezeile vermittelbar sind (zum Beispiel handschriftliche Informationen, Bilder, Grafiken). Außerdem gibt es Probleme bei EDV-Ausstattung, die an Blindenhilfsmittel nicht angepasst werden kann. Für hochgradig Sehbehinderte gibt es Einschränkungen im Arbeitsmarkt bei EDV-Ausstattung, die nicht mit Vergrößerungshilfsmitteln kompatibel ist und Datenbankmasken, die bei starker Vergrößerung kein effizientes Arbeiten zulassen.

Teilnehmen können Blinde und Sehbehinderte:
- die einen beruflichen Abschluss zum Telefonisten oder vergleichbare Berufserfahrung nachweisen und
- die hausinterne Eignungsprüfung überstanden haben,
- die nach einem Abschluss eine Zusatzausbildung erwerben,
- die arbeitslos sind und sich neu qualifizieren wollen,
- die ihren Arbeitsplatz durch die Fortbildung erhalten können.

Während dreitägiger Eignungsüberprüfungen werden Einblicke in die Anforderungen der Ausbildung und der angestrebten beruflichen Tätigkeit gegeben und die persönlichen Voraussetzungen für eine Teilnahme überprüft. Eignungsvoraussetzungen sind:
- EDV-Grundkenntnisse und sicherer Umgang mit Hilfsmitteln
- Griffsicherheit auf der Tastatur
- flottes Schreiben und Lesen (Punktschrift beziehungsweise Schwarzschrift)
- solide Grundlagen der Rechtschreibung
- sprachliche Gewandtheit
- Flexibilität
- Freude am Kontakt
- gute beziehungsweise verbesserungsfähige Stimm- und Sprechtechnik
- verbindliches Verhalten am Telefon

Im Mittelpunkt der Ausbildung steht das Training der Gesprächsvorbereitung und Gesprächsführung, der Stimm- und Sprechtechnik und der Rhetorik sowie der sichere Umgang mit einer Datenbank. Ergänzend wird Hintergrundwissen aus den Fachbereichen Marketing, Betriebswirtschaftslehre und Datenschutzrecht vermittelt. Im Rahmen der Ausbildung übernimmt das Berufsförderungswerk Düren auch Auftragsarbeiten für Unternehmen, um die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Telefonaktionen in allen Teilschritten von Grund auf kennen zu lernen.

Erfahrungen: M. (blind) war zehn Jahre lang Telefonist in einer Firma für Bürobedarf. Die Firma stellte ihn für eine Umschulung im Bfw Düren frei. Seither führt er als einziger Mitarbeiter Telefonmarketingaktivitäten mit EDV-Einsatz durch: Einladungen von Kunden zu Ausstellungen; Zufriedenheitsnachbefragungen; Behandeln von Reklamationen, Annahme von Bestellungen, Ermitteln von Ansprechpartnern, Vorstellen von aktuellen Angeboten, Terminabsprachen für den Außendienst.

D. (sehbehindert) hat eine kaufmännische Vorbildung. Nach seiner Zusatzfortbildung übernahm ihn sein Praktikumgeber, eine Marketingagentur, die Anzeigenflächen auf Fahrzeugen und in Zeitungen vermarktet. Gesprächsleitfaden, Gesprächsführung, die Datenbank, Schreiben an Kunden, Rechnungserstellung und sogar grafische Gestaltungen am Computer liegen überwiegend in seiner Verantwortung.

L. (blind) hat im Praktikum unter Beweis gestellt, dass sie umfangreiche Zufriedenheitsnachbefragungen EDV-gestützt durchführen kann. Aus dem Marktforschungsprojekt ergab sich ihre heutige Anstellung bei der Telekom.

K. (sehbehindert) war nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann zwei Jahre arbeitslos, bevor er sich zur Umschulung entschloss. Anschließend konnte er unter zwei Stellenangeboten wählen: Er wäre von dem Anzeigenjournal übernommen worden, für das er im Praktikum Geschäftskunden als Inserenten akquirierte. Er entscheid sich, als beamteter Telefonist in einer Behörde am Wohnort tätig zu werden - auch dieses Angebot hätte er ohne die Fortbildung nicht erhalten.

M. (sehbehindert) schloss an ihre Ausbildung zur Fachkraft für Textverarbeitung die Telefonmarketing-Fortbildung an. Heute unterstützt sie den aktiven Verkauf von modernen Telefonanlagen - durch Aufbau des Adressbestands, durch telefonische Kontaktaufnahme und die Nachbereitungsarbeit am Computer - redegewandt und flott auf der Tastatur.

Weitere Aktivitäten des Berufsförderungswerkes Düren: Neben verschiedensten anderen Aus- und Weiterbildungsangeboten, bietet das Berufsförderungswerk Düren auch Hilfen zur Arbeitsaufnahme durch:
- Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche
- Akquisition von Arbeitsplätzen
- Unterstützung bei der Beantragung von Hilfsmitteln
- Hilfe bei der Arbeitsplatzausstattung und Organisation
- Orientierungs- und Mobilitätstraining am zukünftigen Arbeitsort
- Einarbeitungsschulung am neuen Arbeitsplatz


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufsförderungswerk Düren | REHADAT-Angebote und Adressen | REHADAT-Angebote und Adressen




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0115


Informationsstand: 01.08.2002

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