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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Berufliche Integration eines querschnittsgelähmten Technischen Zeichners

In Teil 2: Fallbeispiele



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Andreas Knieriem, Jahrgang 1964, hat nach dem Hauptschulabschluss Dreher gelernt und in diesem Beruf etwa drei Jahre gearbeitet. Infolge eines Verkehrsunfalls im Mai 1991 wurde er querschnittsgelähmt. Die Diagnose lautete komplette Tetraplegie unterhalb des 5. Halswirbels. Die Grob- und Feinmotorik der beiden Arme/Hände war erheblich eingeschränkt. Eine aktive Fingerbeweglichkeit, Eigenbewegungen des Rumpfes und der Beine waren nicht mehr möglich. Herr Knieriem war damit bei fast allen Alltagsverrichtungen wie Körperhygiene, Essen, An- und Auskleiden u.a. stets auf fremde Hilfe angewiesen.

Nach der medizinischen Rehabilitation kam er 1992 (damals 28-jährig) in das Berufsförderungswerk Bad Wildbad. Zunächst erfolgte eine Maßnahme der Berufsfindung und Arbeitserprobung. Dort wurden die Weichen für die anschließende Umschulungsmaßnahme gestellt. Dem Rehabilitanden wurde neben einer befriedigenden, d.h. durchschnittlichen, intellektuellen Eignung eine gute bis sehr gute berufspraktische Anstelligkeit für den Beruf des Technischen Zeichners bescheinigt. Trotz erheblicher funktioneller Einschränkungen wurde auf der Basis der insgesamt guten Eignungsvoraussetzungen und der sehr starken motivationalen Anbindung eine Umschulung zum Technischen Zeichner vorgeschlagen. Nach einer individualisierten rehabilitationsvorbereitenden Maßnahme absolvierte Herr Knieriem erfolgreich eine Ausbildung zum Technischen Zeichner CAD, Fachrichtung Maschinen- und Anlagentechnik.

Bereits während dieser Qualifizierungsmaßnahme machte er die ersten Erfahrungen mit der Arbeitstechnik an einem Telearbeitsplatz. Im Rahmen seines Praktikums wurde der spätere 'Ernstfall', d.h. die Erwerbsarbeit am Heimarbeitsplatz unter realen Praxisbedingungen trainiert. Die Arbeitsplatzausstattung wurde zum größten Teil vom Berufsförderungswerk zur Verfügung gestellt und installiert. Maßgebliche Hilfe leistete dabei die Deutsche Telekom durch die Leihgabe einer Videokonferenz-Anlage ProShare. Neben der kompletten Hardwareausstattung mit ISDN- und Videokarte, Kamera und Kopfhörer/Mikrofoneinheit wurde auch die Software für den PC-CAD Arbeitsplatz geliefert und installiert. Die aus diesem Praktikum gewonnenen Erfahrungen führten dann in enger Kooperation aller Beteiligten zur Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen für den Betriebseinsatz. Seit Dezember 1996 arbeitet Herr Knieriem an einem - durch das Arbeitsamt geförderten - Heimarbeitsplatz für die Firma KBS in Straubenhardt.

Auch die Kommunikationseinrichtung im Betrieb wurde auf der Basis der Eingliederungshilfe durch das zuständige Arbeitsamt gefördert. Die laufenden Gebühren für Telefax: und die Videokonferenzen des Mitarbeiters mit seinem Betrieb mittels Telefon: werden vom Landeswohlfahrtsverband Baden anteilig übernommen. So 'holt' sich Andreas Knieriem jeweils seinen Konstruktions-/Zeichenauftrag via ISDN vom Server seines Arbeitgebers ab. Dazu bekommt er alle notwendigen Informationen, Kundenwünsche, Termine etc. mitgeteilt. Rückfragen werden gebündelt oder aber auch spontan über ProShare abgehandelt. Gelegentlich finden Arbeitsgespräche in der Wohnung des Mitarbeiters statt.

Bisher sind beide Seiten mit dieser Arbeitsorganisation sehr zufrieden. Dazu Herr Knieriem wörtlich: 'Ich würde mich jederzeit wieder für diese Lösung entscheiden'. Sein eindeutiger Vorteil liegt darin, dass er - im Rahmen der getroffenen Terminabsprachen - über den Arbeitsrhythmus beziehungsweise Arbeitseinsatz, je nach Befinden selbst entscheiden kann. Die Probleme mit den mehr oder weniger starren Bürozeiten oder aber mit häufigem Ortswechsel entfallen. Dazu kann er sich zu jeder Zeit in seiner behinderungsgerecht ausgestatteten Wohnung frei bewegen. Die zusätzliche Einrichtung entsprechender Hilfen im Betrieb war somit nicht notwendig und auf den technisch und zeitlich aufwendigen Transport dorthin kann verzichtet werden. Andererseits muss gesehen werden, dass sich dadurch die persönlichen Kontaktmöglichkeiten des Mitarbeiters ganz erheblich reduzieren. Eine entsprechende Persönlichkeitsförderung beziehungsweise Verbesserung der Sozialkompetenz könnte an dieser Stelle helfen, mit dieser Problematik besser zurechtzukommen.

Der Arbeitgeber ist sich sicher, aufgrund dieser positiven Erfahrungen auch künftig anderen Behinderten ähnliche Chancen wie im Fall Andreas Knieriem zu eröffnen. Deshalb werden auch weiterhin alle schwerbehinderten Rehabilitanden des BFW Bad Wildbad im Rahmen ihrer Ausbildung zum Technischen Zeichner mit der Arbeitsweise und der Technik eines Telearbeitsplatzes vertraut gemacht.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0059


Informationsstand: 01.08.2002

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