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Bibliographische Angaben zur Publikation

Merkmalblatt 8.1: Schichtarbeit


Sammelwerk / Reihe:

Strukturierter Merkmalkatalog


Autor/in:

Wieland, Klaus; Weinmann, Sigbert; Schian, Hans-Martin


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 1990


Jahr:

1990



Abstract:


Merkmalblatt 8 Arbeitsorganisation

8.1 Schichtarbeit

Definition:

Alle Organisationsformen der Arbeitszeit, bei denen die Arbeit entweder zu wechselnden Tageszeiten (Wechselschicht) oder zu konstanter, aber unüblicher Zeit (Dauerspätschicht, Dauernachtschicht) geleistet wird (nach Rutenfranz 1989).

Die zahlreichen existierenden Schichtsysteme lassen sich folgenden Grundformen zuordnen:

- solche mit gleichbleibender tageszeitlicher Regelarbeitszeit
Dauerfrühschicht (Tagschicht), in der Regel zwischen 6.00 und 17.00 Uhr (keine Schichtarbeit im Sinne der Definitionen)
Dauerspätschicht (Mittagsschicht, Spätschicht, 'Hausfrauenschicht')
Dauernachtschicht (Nachtwärter, Nachtwachen in Krankenhäusern)

- solche mit wechselnder tageszeitlicher Lage der Regelarbeitszeit (Wechselschicht)
2-Schichtarbeit (Früh- und Spätschicht ohne Nachtschicht)
2- o. 3- (4-) Schichtarbeit unter Einschluss von Nachtarbeit (bei 2-Schichtsystemen in der Regel 12-Stundenschichten)

Schichtarbeitsformen können vorkommen:

- in diskontinuierlich arbeitenden Betrieben (ohne Wochenendarbeit)

- in kontinuierlich arbeitenden Betrieben (sog. Konti-Schicht unter Einschluss der Wochenenden)
Häufig existieren in einem Betrieb mehrere Schichtsysteme nebeneinander, zum Beispiel, wenn zur Wartung und Kontrolle kontinuierlich betriebener Anlagen nur ein kleiner Teil der Tagesbelegschaft nachts oder an Wochenenden anwesend sein muss. Ebenfalls unter Schichtarbeit fällt der sogenannte Bereitschaftsdienst (nachts oder am Wochenende), wenn er in dafür bestimmten Räumen innerhalb des Betriebes verbracht werden muss (üblicherweise in Krankenhäusern, Polizei- oder Feuerwachen). Arbeit zu ungünstigen Tageszeiten (häufig im Dienstleistungsgewerbe - Verkäuferinnen, Bäcker) wird wegen der Beeinträchtigung normaler sozialer Kontakte dem Merkmal zugeordnet.

Beanspruchung:

Belastungen durch Schichtarbeit resultieren vor allem aus der Störung der 'Circadianrhythmik' (Verschiebung von Aktivitäts- und Schlafphasen), welche besonders ausgeprägt ist bei Nachtarbeiten, wobei Wechselschichtarbeit unter Einbeziehung von Nachtschicht noch ungünstiger beurteilt wird als Dauernachtschicht. Einflussfaktoren sind: Länge der Schicht, Länge der Freizeit (Wochenende, 'Feierabend'), Häufigkeit des Schichtwechsels und die arbeitsfreie Zeit zwischen den Schichtwechseln, vor allem beim Übergang von Nacht- auf Frühschicht. Zusätzliche Belastungsfaktoren der Arbeit (Staub, Schmutz,Stress) verstärken die Belastung (Mehrfachbelastung).

Die individuelle Beeinträchtigung durch Schichtarbeit (Beanspruchung) wird durch sogenannte intervenierende Faktoren erheblich mitbeeinflusst. Wichtige Faktoren sind Persönlichkeitsmerkmale, Erkrankungen oder Krankheitsdispositionen, aber auch soziale - und Umweltbedingungen, wie die familiären Verhältnisse, Wohnungssituation die soziale Einbindung (fehlende soziale Kontakte durch Wochenend- und Nacht- (Spät-) Arbeit), Umweltbelastung durch Lärm u.a. Beschwerden bis hin zu Gesundheitsschäden werden als Folge von Schichtarbeit beschrieben. Bestehende Erkrankungen schließen den Einsatz an Nachtschicht-Arbeitsplätzen generell aus, zum Beispiel ein schlecht eingestellter oder insulinpflichtiger Diabetes mellitus (Ausnahme: Dauernachtschicht unter bestimmten Bedingungen), symptomatische cerebrale Anfallsleiden, Nachtblindheit (wegen erhöhter Unfallgefährdung), affektive Psychosen mit Schlafstörungen und bestimmte Magen-Darmerkrankungen.

Bewertung: (S)
Die vorgeschlagene Stufenbewertung erfolgt unter dem Gesichtspunkt ansteigender Belastungsstufen.

- Normale Arbeitszeit (Normalschicht, Frühschicht), auch gelegentliche Rufbereitschaft
- Wechselschicht ohne regelmäßige Nachtschichten (2- Schichtsystem), Dauerspätschicht, gelegentliche Bereitschaftsdienste, Arbeit zu ungünstigen Tageszeiten (Verkaufspersonal)
- Wechselschicht mit regelmäßiger Nachtschicht ohne Wochenendarbeit (diskontinuierliche 3-Schichtsysteme), Dauernachtschicht, Bereitschaftsdienste mit gelegentlichem Wochenenddienst
- Wechselschicht in kontinuierlich arbeitenden Betrieben (sogenannte Konti-Schicht) und Wechselschicht unter Einschluss von Nachtschicht mit irregulärem Schichtwechsel (zum Beispiel bei wechselndem Arbeitsanfall).


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Strukturierter Merkmalkatalog' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

VT0166


Informationsstand: 03.11.1992