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Bibliographische Angaben zur Publikation

Merkmalblatt 6.8: Arbeitsstoffe I - Gase, Stäube, Rauche


Sammelwerk / Reihe:

Strukturierter Merkmalkatalog


Autor/in:

Wieland, Klaus; Weinmann, Sigbert; Schian, Hans-Martin


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 1990


Jahr:

1990



Abstract:


Merkmalblatt 6 Umgebungseinflüsse

6.8 Arbeitsstoffe I (die Atemwege schädigende Arbeitsstoffe,
Gase, Stäube, Rauche)

Definition:

Stoffe am Arbeitsplatz oder in der unmittelbaren Arbeitsumgebung, die durch Einatmen auf die Atemwege (Nase, Rachen,Lunge) schädigend wirken können. Atembar sind flüchtige Schwebstoffe (Stäube, Rauche, Nebel/Aerosole von schwerflüchtigen Flüssigkeiten). Bei den Stäuben sind die Partikelgröße und das Schwebeverhalten entscheidend für den Grad der Lungengängigkeit und damit für die Belastung der Atemorgane.

Die meisten der an Arbeitsplätzen vorkommenden und für den Menschen gefährlichen Stoffe, sind in der MAK-Werte-Liste (Liste maximaler Arbeitsplatzkonzentrationen in TRGS 900) mit den zulässigen Konzentrationen aufgeführt. Für krebserzeugende Gefahrstoffe, für die kein MAK-Wert aufgestellt ist, sind TRK-Werte festgelegt (Technische Richtkonzentrationen in TRGS 102). Dies sind Obergrenzen der Arbeitsplatzkonzentrationen von krebserzeugenden Stoffen, die nach dem heutigen Stand der Technik erreicht werden können und nicht überschritten werden sollen.

Für Stäube (Staubgemiche) von Stoffen, die nicht in der MAK-Werte Liste aufgeführt sind oder nicht zu der Gruppe der krebserzeugenden Arbeitsstoffe gehören, gilt ein allgemeiner Staubgrenzwert für Feinstaub (lungengängiger Staub) von 6 mg pro Quadratmeter (TRGS 900). Für Gefahrstoffe gilt, dass der MAK-Wert oder der TRK-Wert am Arbeitsplatz nicht oder nur kurzfristig überschritten werden darf. Besteht die Gefahr, dass der MAK-Wert (TRK-Wert) nicht dauerhaft und sicher eingehalten wird, sind bei einer Reihe von Stoffen ärztliche Eignungs- und Überwachungsuntersuchungen vorgeschrieben. Als Grenzwert, der neben anderen Maßnahmen auch zu arbeitsmedizinischen Untersuchungen verpflichtet, ist die sog. Auslöseschwelle eingeführt. Sie entspricht etwa einem Viertel des MAK-Wertes (TRK-Wertes) bei diskontinuierlicher Überwachung der Stoffkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz. Für sehr stark krebserzeugende Stoffe ist die Auslöseschwelle überschritten, wenn eine Exposition nicht sicher ausgeschlossen werden kann (TRGS 100).

Stoffspezifische Schadwirkungen auf die Atemwege lassen sich orientierend einteilen in:
- reizend, ätzend, giftig
- allergisierend
- krebserzeugend
- fibrogene Wirkung (Auslösung von Umbauvorgängen im Lungengewebe, führt zur Staublungenerkrankung).

Zum Teil treffen mehrere Wirkungen für einen Stoff zu, zum Beispiel bei Asbeststaub. krebserregend und fibrogen, Isozyanate: reizend und allergisierend.

Beanspruchung:

Wegen der Häufigkeit des Vorkommens von Lungen- und Bronchialerkrankungen in der Bevölkerung (gewerblich bedingte und solche anderer Ursache) ist die Unterscheidung zwischen Arbeitsstoffen, die die Atemwege direkt schädigen und solchen, die zwar ebenfalls über die Atemwege aufgenommen werden, aber ihre Schadwirkungen an anderen menschlichen Organen entfalten, notwendig
Siehe auch: ---> Arbeitsstoffe II 6.9

Während bei reizenden, ätzenden und giftigen Stoffen die schädigende Wirkung sofort eintritt, besteht bei krebserzeugenden Stoffen und (fibrogenen) Stäuben in der Regel zwischen Exposition und Auftreten des Organschadens eine längere Latenzzeit. Erheblichen Einfluss auf die Beanspruchung durch die Belastung der Atemluft haben individuelle Krankheitsdispositionen und der Grad der Vorschädigung der Atemorgane. Zur Abschätzung der individuellen Belastbarkeit mit chronisch schädigenden Stoffen, ist die genaue Kenntnis des vorliegenden Schadens an den Atemwegen und das Wissen über die spezifischen schädigenden Eigenschaften des Stoffes notwendig. Zu diesem Zweck sind bei einer Reihe von Expositionsrisiken arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben.

Richtlinien zur Durchfhrung und Eignungsbeurteilung finden sich u.a. in den Grundsätzen für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen der gewerblichen Berufsgenossenschaften. ALs Indikator für das Bestehen eines erhöhten Gesundheitsrisikos ist die 'Auslöseschwelle' (nach TRGS 100 und TRGA 120, s.o.), definiert.

Für die Mehrzahl der allergisierendwirkenden Stoffe kann keine Schwellenkonzentration angegeben werden, da bei entsprechender Disposition kleinste Mengen eines Stoffes zur Auslösung einer allergischen Reaktion ausreichen. Zur Einsatzbeurteilung muss der Stoff bekannt sein.

Normen, Richtlinien:

Verpflichtung zur arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung in GefStoffV, Prgph. 28 und UVV 100 'Arbeitsmedizinische Vorsorge'. Richtlinien zur Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen bei Stoffen, die die Atemwege schädigen können:
G 1.1 'Silikogener Staub', G 1.2 'Asbesthaltiger Staub', G 15 'Chrom-IV-Verbindungen', G 23 'Obstruktive Atemwegserkrankungen', G 39 'Schweißrauche', G 40 'Krebserzeugende Gefahrstoffe - allgemein'.
TRGS 100: Auslöseschwelle für gefährliche Stoffe, TRGA 120: Auslöseschwelle für krebserzeugende Arbeitsstoffe.
TRGS 102: Technische Richtkonzentration für gefährliche Stoffe, TRGS 900 MAK-Werte:
Maximale Arbeitsplatzkonzentration und biologische Arbeitsstofftoleranzwerte der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädliher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Differenzierung und Bewertung:
Es wird eine Differenzierung in 5 Stoffgruppen im Hinblick auf die Art der hauptsächlichen Schadwirkungen vorgenommen. Zu beurteilen ist die Höhe der Gefahrstoff- beziehungsweise Staubkonzentration im Verhältnis zu den für jeden Stoff festgesetzten Grenzwerten - 'Auslöseschwelle' und MAK-Wert beziehungsweise TRK-Wert, s.o.. Bei allergisierend wirkenden Stoffen kann kein Grenzwert angegeben werden.

6.8.1 inerter Staub/Rauch

Differenzierung und Bewertung: (I)
- nicht vorhanden
- niedrige Konzentration
- mittlere Konzentration
- hohe Konzentration (Feinstaub - Grenzwert überschritten)

6.8.2 fibrogener Staub

Differenzierung und Bewertung: (I )
- nicht vorhanden
- niedrige Konzentration
- mittlere Konzentration (Auslöseschwelle überschritten)
- hohe Konzentration (MAK-/TRK-Wert überschritten)

6.8.3 auf die Atemwege irritativ oder toxisch wirkende Arbeitsstoffe

Differenzierung und Bewertung: (I)
- nicht vorhanden
- niedrige Konzentration
- mittlere Konzentration ('Auslöseschwelle' überschritten)
- hohe Konzentration (MAK-/TRK-Wert überschritten)

6.8.4 allergisierend wirkende Arbeitsstoffe

Differenzierung und Bewertung: (A)
nicht vorhanden - vorhanden

6.8.5 auf die Atemwege krebserzeugend wirkende Arbeitsstoffe

Differenzierung und Bewertung: (I)
- nicht vorhanden
- unterhalb der 'Auslöseschwelle'
- oberhalb der ' Auslöseschwelle'

(G: Berufsgenossenschaftliche Grundsätze für Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, 2.Ausgabe, Mai 1981 mit Ergänzungen, Gentner Verlag, Stuttgart; GefStoffV: Verordnung über gefährliche Stoffe (Gefahrstoffverordnung) vom 26, S. 1470, Änd. BGBl.1 1987, S. 2721) TRGS 100: November 1986 (BArbBl. Nr. 11/986, S. 91); TRGS 102: September 1987 (BArbBl. NR. 9/1987, S. 40, Nr. 10/87, S. 120); TRGA 120: (BArbBl. Nr. 4/1986, S. 52); TRGS 900: MAK-Werte 1987 (BAbBl. 10/87, S. 28, 11/ 1987, S. 85); UVV 100 'Arbeitsmedizinische Vorsorge' (VBG 100), vom 01.10.
1984, Carl Heymanns Verlag, Köln.) D


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Strukturierter Merkmalkatalog' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

VT0162


Informationsstand: 30.10.1992