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Die Akteure im Betrieblichen Eingliederungsmanagement

Zwei Frauen und drei Männer beraten sich an einem Tisch

Von Einzelakteuren und BEM-Teams

Im Mittelpunkt des BEM stehen die BEM-Berechtigten und ihre Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen. Je nach Einzelfall sind an einem BEM weitere Personen und Stellen beteiligt. Welche dies sind und welche Aufgaben sie haben, hängt u. a. von der Betriebsgröße ab.

Die Pflicht zum BEM gilt sowohl für Groß- und Mittelbetriebe als auch für Kleinbetriebe. In Kleinbetrieben bietet es sich an, frühzeitig externe Stellen in den BEM-Prozess einzubinden. Für ein gut funktionierendes BEM ist es in allen Fällen ratsam, die Zuständigkeiten im BEM klar zu benennen.

Wer ist verbindlich am BEM beteiligt?

Gesetzlich vorgegeben ist – bei Zustimmung der BEM-Berechtigten – lediglich die Beteiligung der zuständigen Arbeitnehmervertretung (Betriebs- oder Personalrat), bei schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten außerdem die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung. (Wichtig: Ein BEM ist auch in Betrieben durchzuführen, in denen es keine Arbeitnehmervertretung gibt).

Sofern es sinnvoll ist, sind weitere Unterstützerinnen und Unterstützer in das BEM-Verfahren einzubeziehen. So sollten gegebenenfalls Werks- oder Betriebsärzte oder -ärztinnen hinzugezogen werden. Wenn für die Überwindung der Arbeitsunfähigkeit und der Vorbeugung erneuter Erkrankung Leistungen zur Teilhabe oder begleitende Hilfe im Arbeitsleben in Betracht kommen, sind außerdem die Rehabilitationsträger, oder – bei schwerbehinderten Menschen – das Integrationsamt beteiligt.

Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber stehen in der alleinigen Verantwortung für den BEM-Klärungs- und Steuerungsprozess. Sie können diese Aufgabe allerdings delegieren (→ BEM-Beauftragte).

Entweder sie selbst oder ihre Beauftragten müssen

  • prüfen, wann die Voraussetzungen für ein BEM erreicht sind,
  • den Erstkontakt zu dem oder der BEM-Berechtigten herstellen, um auf Ziele und Ablauf des BEM sowie über Art und Umfang der zu erhebenden Daten zu informieren und
  • die Entscheidung des oder der BEM-Berechtigten für oder wider BEM einholen.

BEM-Beauftragte

In der Praxis delegieren Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber die Durchführung des BEM häufig an eine Einzelperson – an eine BEM-Beauftragte oder einen BEM-Beauftragte/n (auch: Fallmanager/in, BEM-Koordinator/in oder Disability Manager/in). Dabei bleiben sie aber für den gesamten Ablauf des BEM-Prozesses verantwortlich.

Die BEM-Beauftragten müssen nicht aus dem Betrieb selbst kommen, sondern können auch bestellt werden. BEM-Beauftragte steuern alle aufkommenden BEM-Fälle anstelle der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Sie unterstützen sowohl die BEM-Berechtigten als auch das BEM-Team bei der praktischen Durchführung.

BEM-berechtigte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen

Längerfristig oder wiederholt arbeitsunfähige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein Recht auf ein BEM. Grundsätzlich sollten alle Beschäftigten gut über das BEM informiert sein und wissen, welche Ziele ihr Betrieb mit dem BEM verfolgt, dass die BEM-Teilnahme freiwillig ist, wer daran beteiligt ist und wie es abläuft.

Sind die Betroffenen mit dem BEM einverstanden, ist es für ein erfolgreiches BEM ratsam, dass sie dann auch engagiert und kooperativ daran mitwirken. Sie können das BEM aber bei jedem einzelnen Schritt abbrechen.

Lehnen BEM-Berechtigte das BEM ab, hat dies keine unmittelbaren negativen Auswirkungen. Die Ablehnung muss nicht begründet werden. Allerdings können sich mittelbare Folgen ergeben. Im Falle eines Kündigungsschutzverfahrens können sich die BEM-Berechtigten dann nicht darauf berufen, dass ein BEM nicht durchgeführt wurde oder die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber nicht versucht hätte, den Arbeitsplatz leidens- oder behinderungsgerecht anzupassen.

BEM-Verantwortliche und BEM-Teams

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber (oder ihre Beauftragten) stellen den BEM-Berechtigten möglichst frühzeitig eine feste Ansprechperson zur Verfügung, die für die konkrete Durchführung des BEM verantwortlich ist – die BEM-Verantwortliche oder den BEM-Verantwortlichen. BEM-Verantwortliche steuern den Einzelfall vom BEM-Gespräch bis hin zum Abschluss des Verfahrens. BEM-Verantwortliche können das BEM alleine durchführen oder aber Teil eines BEM-Teams sein.

In größeren Betrieben bietet es sich an, ein BEM-Team zu bilden. Das BEM-Team kann hier ggf. bereits vorhandene Strukturen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements für das BEM nutzen. Das BEM-Team begleitet den gesamten BEM-Prozess, steuert und koordiniert die verbaredeten Maßnahmen. Es sollte Entscheidungsbefugnisse haben und konkrete BEM-Maßnahmen schnell und unbürokratisch umsetzen können. Wichtig ist, dass die oder der BEM-Berechtigte einwilligt, mit dem BEM-Team zusammenzuarbeiten.

In Klein- und Mittelbetrieben genügt die Ernennung einer oder eines BEM-Verantwortlichen und ggf. die Unterstützung von externen Dienstleisterinnen oder Dienstleistern.

Mögliche Zusammensetzung des BEM-Teams

  • Im Kern: Arbeitgeberin/Arbeitgeber (oder ihre Beauftragten) und betriebliche Interessenvertretung (Betriebs-/Personalrat, Schwerbehindertenvertretung), BEM-Verantwortliche/BEM-Verantwortlicher
  • Erweitert: Arbeitsmedizinischer Dienst bzw. Betriebsarzt/Betriebsärztin, Gesundheitsmanagement, Disability Management, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Sozialberatung
  • Externe Partner: Arzt/Ärztin, überbetriebliche/r Betriebsärztin/Betriebsarzt, Sozialversicherungsträger / Rehabilitationsträger, Integrationsamt, Integrationsfachdienst, betriebsnahe Dienstleistende

Beteiligung der zuständigen Arbeitnehmervertretung

Falls vorhanden, hat die zuständige Arbeitnehmervertretung (Betriebs- oder Personalrat, bei schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten zudem die Schwerbehindertenvertretung) grundsätzlich ein Informationsrecht – d. h. das Recht auf eine quartalsweise erstellte Liste mit Namen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in den zurückliegenden 12 Monaten länger als sechs Wochen arbeitsunfähig waren, und über das unterbreitete BEM-Angebot.

Die Beteiligung der zuständigen Arbeitnehmervertretung am BEM ist gesetzlich vorgeschrieben – ihre Beteiligung kann nur durch die betroffenen Beschäftigten selbst abgelehnt werden.

Rechte der Arbeitnehmervertretung im BEM

  • Die Arbeitnehmervertretung darf aufgrund ihres Initiativrechts von sich aus ein BEM beim Arbeigeber oder bei der Arbeitgeberin anfordern bzw. die Klärung verlangen (§ 167 Absatz 2 Satz 6 SGB IX).
  • Die Arbeitnehmervertretung hat eine "Wächterfunktion", das heißt sie wacht darüber, dass die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihre Verpflichtungen zum BEM erfüllen (§ 167 Absatz 2 Satz 7 SGB IX, § 80 BetrVG).
  • Die Arbeitnehmervertretung unterstützt die BEM-Berechtigten im Sinne ihrer Aufgaben laut Betriebsverfassungs-/Personalvertretungsrecht bzw. Schwerbehindertenrecht.
  • Die Arbeitnehmervertretung bringt eigene Vorschläge zur Unterstützung des BEM-Prozesses ein.
  • Die Arbeitnehmervertretung hat ein Mitwirkungsrecht bei allen individuellen BEM-Verfahren, aber nur, wenn die oder der BEM-Berechtigte dies möchte (beispielsweise Übernahme von Teilaufgaben wie das BEM-Gespräch im Rahmen des BEM).
  • Die Arbeitnehmervertretung hat das Recht, eine Betriebsvereinbarung zum BEM zu fordern und bei der Einführung des standardisierten BEM-Verfahrens für alle Beschäftigten ein Mitbestimmungsrecht (BEM-Vereinbarung).

Disability Management

Disability Managende sind die zentralen Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen für betriebliche Prävention und für die berufliche Wiedereingliederung gesundheitlich beeinträchtigter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Häufig sind sie auch diejenigen, die das BEM durchführen und für die Vernetzung der beteiligten inner- und außerbetrieblichen Akteure und Akteurinnen sorgen. Dabei erarbeiten sie sowohl Lösungen für das standardisierte BEM-Verfahren als auch für den Einzelfall.

In größeren Betrieben ist Disability Management häufig ein Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Weiterbildungen zum noch relativ jungen Berufsbild "Certified Disability Management Professional (CDMP)" werden in Deutschland von der DGUV angeboten.

Tätigkeiten der Disability Manager und Disability Managerinnen

Disability Manager und Disability Managerinnen

  • führen das BEM-Verfahren ein und sorgen für seine Etablierung;
  • unterstützen erkrankte Beschäftigte bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz;
  • kennen sich in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen aus;
  • vernetzen die inner- und außerbetrieblichen Akteure und Akteurinnen.

Einbindung externer Partner/innen in den BEM-Prozess

Vor allem für Klein- und Mittelbetriebe ohne ein betriebliches Gesundheitsmanagement, BEM-Team oder Arbeitnehmervertretung ist es hilfreich, wenn externe Stellen am BEM mitwirken. Sie beraten, fördern, coachen am Arbeitsplatz oder zeigen Maßnahmen zur Rehabilitation und Qualifizierung auf.

Mögliche externe Partner und Partnerinnen sind Rehabilitationsträger, Integrationsämter und Integrationsfachdienste, Ärzte/Ärztinnen, überbetriebliche Betriebsärzte/Betriebsärztinnen, Rehabilitationskliniken, Betriebsnahe Dienstleistende und berufliche Rehabilitationseinrichtungen.

Arbeitsmedizinischer Dienst, Betriebs- und Werksärzt/innen

Arbeitsmediziner und -medizinerinnen sind im BEM-Prozess ideale Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen für die BEM-Verantwortlichen, da sie sowohl die Arbeitsplatzanforderungen sehr gut kennen als auch die gesundheitlichen Einschränkungen und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beurteilen können. Sie wissen, wie geeignete Leistungen zur Teilhabe bei den Rehabilitationsträgern eingeleitet werden können.

Tätigkeiten der Arbeitsmediziner und Arbeitsmedizinerinnen

Arbeitsmediziner und -medizinerinnen, Betriebsärzte und Betriebsärztinnen

  • erkennen frühzeitig Rehabilitationsbedarfe;
  • untersuchen und beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter;
  • erstellen Anforderungs- und Leistungsprofile, Belastungsanalysen;
  • begehen Arbeitsplätze und erstellen Gefährdungsbeurteilungen;
  • erstellen Wiedereingliederungspläne;
  • kooperieren mit Haus- und Fachärzten und -ärztinnen, Rehabilitationsträgern, Integrationsämtern und -fachdiensten;
  • unterstützen Betriebe bei der Beschaffung von technischen Hilfsmitteln, der Organisation einer Arbeitsassistenz oder bei der Umgestaltung des Arbeitsplatzes.

Autorin / Autor: (ml) 2018