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Bibliographische Angaben zur Publikation

Neue Aspekte in der Beurteilung psychoreaktiver und neuropsychologischer Störungen als Leistungsgrund

Sozialmedizinische und gesundheitsökonomische Bedeutung



Autor/in:

Weber, Andreas


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 2006, 102. Jahrgang (Heft 2), Seite 49-57, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0025-8490


Jahr:

2006



Abstract:


Psychischen und Verhaltensstörungen (im Sinne der Diagnosegruppe F ICD-10) kommt für Gesundheitswesen und soziale Sicherung wachsende Bedeutung zu. So ist entgegen dem allgemeinen Trend eines sinkenden Krankenstandes in allen Kassenarten ein erheblicher Anstieg an Arbeitsunfähigkeitstagen infolge psychischer Erkrankungen zu verzeichnen, wobei derartige Leiden in der Regel zu längeren Fehlzeiten führen (durchschnittliche AU- Dauer circa 30 Tage).

Darüber hinaus nimmt die relative Häufigkeit psychischer Erkrankungen als Ursache eines krankheitsbedingten vorzeitigen Berufsausstiegs in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) seit mehr als einem Jahrzehnt kontinuierlich zu: in 2004 erfolgten circa 31 Prozent der Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (n=169. 390) aufgrund einer Hauptdiagnose aus der Gruppe F ICD-10. Psychisch Kranke schieden dabei fast 20 Jahre vor der gesetzlichen Altersgrenze (durchschnittliches Lebensalter: bei Frauen 48, bei Männern 47 Jahre) aus dem Berufsleben aus.

Sozialmedizinisch bislang noch weniger beachtet, wurde auch in der Beamtenversorgung im Jahre 2003 mehr als jeder zweite Fall einer vorzeitigen Dienstunfähigkeit von Beamten mit einer psychischen Gesundheitsstörung begründet. Bei beamteten Lehrkräften lag die Ursache einer krankheitsbedingten Frühpensionierung sogar in 65 Prozent der Fälle in einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung.

Im Kontext der sozialen Sicherung fallen darüber hinaus deutlichere Geschlechterunterschiede auf: so sind nicht nur der Anteil psychischer Erkrankungen am Krankenstand und die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit, sondern auch die Prävalenz psychischer Erkrankungen unter den Frühberentungen bei Frauen höher als bei Männern (in 2004: 37 Prozent vs. 26 Prozent) . Aus den vorgenannten Entwicklungen resultieren erhebliche Belastungen für die Volkswirtschaft, wobei nicht nur direkte (unter anderem Medikamente, Psychotherapie), sondern vor allem auch indirekte Kosten (Lohnfortzahlung, Krankengeld, Rentenleistungen, Ersatzkräfte, Produktionsausfall) zu berücksichtigen sind.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beliefen sich die Krankheitskosten für die Diagnosegruppe F ICD-10 in 2002 auf über zehn Milliarden Euro. Schätzungen gesetzlicher Krankenkassen beziffern allein die aufgrund psychischer Störungen zustande gekommenen Fehlzeiten auf circa drei Milliarden Euro/Jahr.

Der Beitrag beleuchtet aus Public Health Perspektive wesentliche epidemiologische, sozialmedizinische und gesundheitsökonomische Aspekte psychischer und psychosomatischer Erkrankungen sowie mögliche Implikationen im Hinblick auf Sozial-/Gesundheitssystem und Arbeitswelt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
Homepage: https://www.medsach.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0151/0157A


Informationsstand: 03.04.2006

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