Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

C-Leg und Rheo Knee: Brüder im Geiste

Welche Vorteile bieten die computergesteuerten Prothesensysteme?



Autor/in:

Belitz, Gunther


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

HANDICAP, 2005, 12. Jahrgang (Heft 1), Seite 82-90, München: Belitz & Neumann


Jahr:

2005



Abstract:


In dem Artikel geht es um die computergesteuerten Prothesensysteme C-Leg und Rheo Knee. Beide sind in Echtzeit von einem Mikroprozessor gesteuerte Prothesensysteme, die sich vor allem für oberschenkelamputierte Menschen bewährt haben.

Bis vor kurzem war das 'C-Leg' von Otto Bock Marktführer in diesem Bereich, nun macht ihm jedoch das 'Rheo Knee' der Firma Össur Konkurrenz. Der Autor vergleicht beide Produkte, um dem Leser die Entscheidung für eine der Prothesen zu erleichtern.

Zunächst wird die Technologie der beiden Prothesensysteme vorgestellt. Das C-Leg von arbeitet mit einem Hydraulikzylinder, das Rheo Knee mit einer magnetorheologischen Flüssigkeit, das heißt also mit einer speziellen Magnettechnik. Für den Anwender macht die unterschiedliche Konzeption bei der Nutzung nach Belitz' Ansicht allerdings keinen Unterschied. Beide erfüllen die Aufgabe, den Gangablauf in Echtzeit sicher und dynamisch zu steuern.

Auch die Software wird vorgestellt. Beide Systeme arbeiten mit einer komplexen Softwaresteuerung, die eine Umsetzung von Messwerten in ein möglichst natürliches und den normalen menschlichen Bewegungen entsprechendes Gangbild mithilfe der Prothese ermöglicht.

Unterschiede bestehen insofern, als beim C-Leg zuerst eine Kalibrierung vorgenommen werden muss, über die anschließend die Prothese eingestellt werden kann und je nach veränderten Bedürfnissen vom Fachmann immer wieder neu eingestellt werden muss. Das Rheo Knee hingegen wird bereits kalibriert ausgeliefert. Alle Messsensoren sind im Gelenk bereits eingebaut und lassen sich dank einer intelligenten und autoadaptiven Software leicht vom Anwender selbst anpassen.

Belitz stellt das innovative Software- und Bedienungskonzept des Rheo Knee als wichtigen Schritt zu mehr Souveränität und Eigenverantwortung amputierter Menschen heraus. Diesbezüglich ist es in der Nutzung für den Anwender dem älteren Modell von Otto Bock, das im Herstellungsjahr 1997 noch mit weniger Computertechnik auskommen musste, voraus.

Um den Vergleich nicht nur auf den Aufbau und die angewandte Technik bei beiden Systemen zu beschränken, hat Gunther Belitz einen auf mehrere Aspekte bezogenen Praxistest durchgeführt, den er im Artikel vorstellt.

Er geht dabei zunächst auf die mögliche Gehgeschwindigkeit ein und stellt fest, dass sie bei beiden Geräten durch die adaptiven Kniegelenke hoch ist und auch Stopps schnell und sicher möglich sind.

Beide Geräte müssen über Akkus regelmäßig aufgeladen werden. Für den Fall, dass dies einmal nicht rechtzeitig möglich sein sollte und den Prothesen der Strom ausgeht sind akkustische und vibrationstechnische Warnsignale eingebaut. Außerdem haben beide Systeme unterschiedliche Strategien für den kompletten Stromausfall: das C-Leg schaltet seinen Hydraulik-Zylinder in einen Notmodus mit einer extrem hohen Standphasendämpfung, was ein plötzliches Einknicken des Knies verhindert, wohingegen das Rheo Knee die Schwung- und Standphase völlig frei gibt und das Knie frei schwingbar wird.

Im Praxistest lässt sich auch feststellen, dass beide Systeme sowohl für Schräglagen als auch für's Treppensteigen geeignet sind. Allerdings schneidet beim Autor das Rheo Knee beim Stufen gehen besser ab, da es im Gegensatz zum C-Leg schneller absinkt und er dieser Schnelligkeit den Vorzug gibt.

Weitere Vergleiche, die Belitz anführt, sind das Gewicht und die Ästhetik der Prothesen. Das C-Leg kann hier durch sein geringeres Gewicht und die höhere Ästhetik punkten.

Abschließend geht der Autor darauf ein, für welchen Bewegungstyp sich welches der Produkte eignet. Laut den Angaben der Hersteller ist das C-Leg für Amputierte mit den Mobilitätsgraden 3 und 4 passend, das Rheo Knee eher für Personen mit den Mobilitätsgraden 2 und 3. Allerdings wird im Artikel darauf hingewiesen, dass beide Modelle auch für die nächstniedrigere oder nächsthöhere Mobilitätsstufe geeignet seien. Einzige Ausnahme: das Rheo Knee eignet sich nicht für regelmäßige sportliche Betätigungen.

Zur leichteren Orientierung soll hier noch folgende aus dem Text übernommene Gegenüberstellung angeführt werden:

C-Leg

Vorteile:
- Mit mehr als 11.000 Versorgungen weltweit bewährtes und zuverlässiges System
- Wissenschaftlich gut dokumentiert, Kostenübernahmemöglichkeiten weitgehend geklärt
- Priorität auf Sicherheit bei zugleich dynamischer Schwungphasensteuerung
- Leicht und ästhetisch ansprechend
- Handliches und leichtes Ladegerät
- Bluetooth- Ansteuerung möglich
- Optionale Torsionseinheit im Unterschenkelrohr
- Weltweite Mobilitätsgarantie
- Bis 125 kg Körpergewicht geeignet
- Versorgungen mit Kniedrehpunkt-Bodenmaß ab 3 cm möglich

Nachteile:

- Bindung an Prothesenfüße von Otto Bock
- Geringe Einstellmöglichkeiten für den Anwender
- Gehen ohne Stromversorgung ist kaum möglich
- Ladebuchse vorn und mit Kosmetik schlechter erreichbar, aber Verlegung optional möglich
- Neukalibrierung des Systems ist erforderlich, wenn Kniegelenk und Unterschenkelrohr getrennt werden
- System kann hochaktive Anwender ausbremsen
- Hoher Preis

Rheo Knee

Vorteile:

- Innovative magnetorheologische Steuerung mit selbstlernender Software
- Anwenderfreundliches Bedienkonzept mit vielen Einstellmöglichkeiten über PDA
- Speicherung beliebig vieler Nutzer- und Mobilitätsprofile
- Priorität auf dynamischer Schwungphasensteuerung bei gleichzeitig hoher Sicherheit
- Getrennte Einstellung von Widerständen für das Gehen in der Ebene beziehungsweise auf der Treppe/Rampe möglich
- Stromsparoption durch Ausschalten
- Gehen ohne Stromversorgung ist möglich, wenn das Kniegelenk aktiv gesichert werden kann
- Verwendung von Prothesenfüßen anderer Hersteller möglich
- Sinnvolle Extras wie Schrittzähler, Ladestandsanzeige oder Flexionsverzögerung über PDA
- Ladebuchse hinten und mit Kosmetik besser erreichbar
- Bei Veränderungen keine Neukalibrierung des Systems erforderlich

Nachteile:

- Neues System mit bislang erst wenigen Versorgungen
- Wissenschaftlich bislang kaum dokumentiert
- Keine Standphasensicherung bei Abschaltung oder leeren Akkus
- Relativ schwer und ästhetisch weniger ansprechend
- Unhandliches und schweres Ladegerät
- Keine Bluetooth-Ansteuerung möglich
- Bis 90 kg Körpergewicht zugelassen
- Kniedrehpunkt-Bodenmaß muss mindestens 45 cm betragen
- Hoher Preis


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Urteile und Gesetze zu C-Leg-Versorgung | REHADAT-Recht




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


HANDICAP - Das Magazin für Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen und ihre Freunde
Homepage: http://www.handicap.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0130/0014


Informationsstand: 29.04.2005

in Literatur blättern