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Bibliographische Angaben zur Publikation

Im Test: Autos von der Stange für behinderte Menschen (Teil 2)

Welcher Interessent beim Kauf auf welche Details achten sollte



Autor/in:

Friedrich, Edmund


Herausgeber/in:

Sozialverband VdK Deutschland e.V.


Quelle:

Sozialrecht und Praxis, 2001, 11. Jahrgang (Heft 2), Seite 75-82, Bonn: Eigenverlag, ISSN: 0939-401


Jahr:

2001



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Abstract:


Verladen des Rollstuhls

Grundsätzlich ist jeder Rollstuhltyp in jedes Auto zu verstauen. Notfalls müssen vom Gefährt die Räder abmontiert und es selbst zusammen gefaltet oder geklappt werden. Auf diese Weise passt ein Rollstuhl in jeden Kofferraum, auf die Rückbank, hinter die Vordersitze oder auf den Beifahrersitz. Wie der Rollstuhl tatsächlich verladen wird, hängt jedoch von zwei Faktoren ab. Das ist zum einen der hinter die Vordersitze oder auf den Beifahrersitz. Wie der Rollstuhl tatsächlich verladen wird, hängt jedoch von zwei Faktoren ab. Das ist zum einen der verfügbare Stauraum im Fahrzeug und zum anderen der Grad der Behinderung der betroffenen Person. Rollstuhlfahrer, die aufstehen und sich ohne Rollstuhl am Auto bewegen können, verstauen ihn meist im Kofferraum.

Zu einem ausschließenden Kriterium bei der Auswahl des richtigen Wagens wird die Mitnahmemöglichkeit des Rollstuhls endgültig für Personen, die direkt vom Stuhl ins Auto einsteigen müssen. Davon betroffen sind Tetraplegiker und andere behinderte Menschen mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen. Für diese Menschen schränkt sich die Mitnahmemöglichkeit des Rollstuhls erheblich ein. Sie steigen direkt aus ihrem Stuhl auf den Fahrersitz oder Beifahrersitz über, das Gefährt bleibt in der geöffneten Tür zurück. Nun kann der Rollstuhl nur noch auf oder hinter den Beifahrersitz oder auf den Rücksitz verstaut werden. Dies gilt natürlich nicht für die Ausnahme einer Ladehilfe. Denn in diesem Fall wird der zusammen geklappte Stuhl in den Rückraum des Autos mit Ab-Werk-Ausstattung.

Ein ganz entscheindender Faktor bei der Verladung des Rollstuhls ist selbstverständlich die technische Routine der behinderten Person. Je nach Intensität und Umfang der Mobilitätsmöglichkeiten hat sich bei jedem Autofahrer eine individuelle Art des Rollstuhlverladens herausgebildet. Es stellt eine recht anspruchsvolle und komplexe technische Herausforderung für die Betroffenen dar.

Zum Verladen müssen von Rollstühlen mit starrem Rahmen zunächst die beiden Laufräder, Fußstützen und andere kleinere Teile demontiert werden. Erst nachdem diese im Autoinnenraum von der behinderten Person verstaut worden sind, kann der Stuhl selber verladen werden. Hierzu muss die Person den zusammengeklappten Stuhl über ihre Oberschenkel, also zwischen sich und dem Lenkrad sowie Armaturenteil auf dem Beifahrersitz herüberheben. Neben der Arm-und Oberkörperkraft, die entsprechend vorhanden sein muss, bedarf es hierzu in aller Regel noch einiger Sitzverstellungen. Um möglichst viel Platz zwischen sich und dem Lenkrad zu erhalten, wird der Sitz so weit wie möglich nach hinten geschoben. Zu diesem Zweck wird häufig die Rückenlehne ebenso in eine größere hintere Schräglage gebracht.

Vor welche Schwierigkeiten Menschen mit teilweise erheblichen Funktionsbeschränkungen hierbei gestellt sind, ist weiter oben unter dem Thema Sitzeinstellungen ausführlich berichtet worden. Anders werden die Rollstühle mit faltbarem Rahmengestell ins Auto verladen. Häufig steigen die Benutzer über den Beifahrersitz ins Auto. Dann falten sie den Rollstuhl zusammen, rutschen selber rüber auf den Fahrersitz und ziehen den Rollstuhl hinter den nach vorn geschobenen und geklappten Beifahrersitz. Der Vorteil beim faltbaren Gestell ist natürlich, dass bis auf die Fußstützen keine weiteren Teile demontiert werden müssen. Andererseits kommt man auch hier nicht um einige Sitzverstellungen herum. Und da sie vom Fahrersitz aus vorgenommen werden müssen, erfordern sie einigen Kraft-und Bewegungsaufwand. Auch für das Hineinziehen des gefalteten Rollstuhls zwischen Mittelstrebe und Beifahrerseite beeugen können.

Neben diesen Hindernissen, die durch die individuellen körperlichen Funktionseinschränkungen bedingt sind, taucht noch ein weiteres Problem auf: das altbekannte Platzproblem. Auch ein zusammen gefalteter Rollstuhl inklusive seiner Laufräder beansprucht einige Zentimeter in der Breite. Die Benutzer, die diese Verladeversion bevorzugen, sollten unbedingt bei der Autoauswahl auf die entsprechenden Raummaße Acht geben.

Gehandicapte Autofahrer, die bei den Autos immer das Platzangebot berücksichtigen müssen, greifen aus diesem Grund meist auf dreitürige Fahrzeuge zurück. Denn diese haben im Vergleich zu fünftürigen Autos breitere Türen. Wenn die Sitze ganz nach vorn geschoben werden, ist der Raum zwischen Mittelstrebe und Sitzende in der Regel größer als bei Fünftürern. Das heißt jedoch nicht, dass die Rollstühle deshalb ohne weiteres hineingezogen werden können. Es kommt hierbei in der Tat auf Millimeter an. Montiert man nun die beiden Laufränder ab, um an Platz zu gewinnen, nimmt man zugleich neue Nachteile in Kauf. Denn der Rollstuhl lässt sich über die Laufränder natürlich viel leichter in den Innenraum ziehen. Bei demontierten Rädern wird zudem der Türschweller erheblich zerkratzt. Doch trotz dieser Widrigkeiten greifen nicht wenige Rollstuhlfahrer auf diese Verladevariante zurück.

Fazit: Rollstuhlfahrer, die direkt aus der sitzenden Haltung ins Auto steigen und den Rollstuhl von Hand in den Personeninnenraum des Fahrzeugs verladen, müssen vor allem auf ausreichenden Platz achten. Egal, ob Starrahmen oder faltbar, die Raumansprüche für den Einladevorgang und fürs Verstauen sind erheblich. Für beide Rollstuhltypen gilt, das dreitürige Fahrzeuge in der Regel durch ihre breiteren Türen mehr Raum fürs Einladen bieten. Da beim Verstauen immer ein Sitz, meist der Beifahrersitz mehrmals verstellt werden muss, sollten die Einstellungen der Sitze entsprechend möglichst leichtgängig vorgenommen werden können. Es liegt gleichsam auf der Hand, dass die Mitnahmemöglichkeit des eigenen Rollstuhls ein ausschließendes Kriterium bei der Auswahl eines Autos sein sollte. Wenn das Hilfsinstrument nicht ins Auto verladen werden kann, taugt dies halt nicht für die eigenen Bedürfnisse.

Bedienteile
Körperbehinderte Personen stellen auf Grund ihrer eingeschränkten allgemeinen körperlichen Konstitution besondere Anforderungen an Erreichbarkeit und Handhabbarkeit von Bedienteilen im Auto. Wie bei den oben dargestellten Problemaspekten gilt auch hier die Voraussetzung, dass nur Autos mit Ab-Werk-Ausstattung in Betracht kommen. Denn nur in diesem Fall können verallgemeinbare Aussagen über problematische Bedienteile für behinderte Autofahrer gemacht werden. Schon umgerüstete Teile sind immer auf die Bedürfnisse einer spezifischen Behinderung bezogen. Ebenso werden im Folgenden die Fußbedienteile Gas, Bremse, Kupplung nicht berücksichtigt. Bis auf die Senioren dürfte die weitaus größere Mehrheit von Rollstuhlfahrern und Arm-und Beinbehinderten Fahrzeuge mit Automatikschaltung und umgerüstetem Handgestänge fahren.

Die vielen Bedienteile im Auto lassen sich verschiedenen Funktionsgruppen zuordnen. Schalter, Hebel, Knöpfe und Rädchen im Armaturenbereich regulieren zusätzliche Teilfunktionen im und am Auto. Sie vervollständigen seine Fahrtüchtigkeit unsicherheit und den Komfort für die Insassen.

Der Sicherheitsgurt soll unmittelbar die persönliche Sicherheit des Fahrers erhöhen. Feststellbremse, Automatikhebel und Zündschloss gehören wiederum zur direkten Fahrtüchtigkeit des Autos selber. Aber an alle Bedien-und Funktionsteile werden sehr ähnliche Ansprüche von den Benutzern gestellt. Sie müssen leicht zu erreichen und zu betätigen und ihre spezielle Funktion natürlich möglichst unmittelbar erkennbar sein. Diese Ansprüche beziehen sich also auf die Benutzeroberfläche und ihre spezifische Kennzeichnung. So wenig wie es den 'idellen Gesamtbehinderten'gibt, so wenig gibt es das ideale Bedienteil für alle behinderten Autofahrer. Während für den einen ein kleiner, leichtgängiger Druckknopf zur Einstellung der Heizungsfunktion genau richtig ist, kann derselbe Knopf für andere Personen mit Handbehinderung sogar nur schwer zu bedienen sein. Ob ein Bedienelement ein Drehknopf oder ein Stufenschalter ist, sagt erst einmal wenig über seine Nutzbarkeit für behinderte Autofahrer aus.

Besonders Personen mit Behinderungen an Arm oder Hand, dazu gehören also auch Tetraplegiker, müssen sensible Ansprüche an alle Elemente im Armaturenbereich stellen. Zum einen sollten sie leicht bedienbar sein, demnach keine aufwendigen Kraftanstrengungen der Finger benötigen. Ferner müssen die Bedienteile deutlich von einander getrennt sein, so dass genügend Raum für die individuelle Betätigung vorhanden ist. Zum anderen sollten die Teile gut erreichbar und einsehbar sein. Wenn etwa der Bedienknopf für die Warnblinkanlage oberhalb des Lenkrads auf der Säule angebracht ist, ohne dass er aus der normalen Sitzposition gleich zu erkennen ist, dann dürfte die Benutzerin erst einmal nach ihm suchen und noch Mühe haben, überhaupt an ihn zu gelangen.

Eine weitere Hürde sind Multifunktionsteile. Es gibt durchaus Autos in Ab-Werk-Ausstattungen, in deren Blinkergriff zugleich die verschiedenen Scheibenwischerfunktionen eingebaut sind. Das bedeutet, dass auf dem engen Raum von etwa acht Zentimetern gleich mehrere kleine Drehräder angebracht sind. Entsprechend klein ist natürlich dann deren Oberfläche für die Bediensymbole. Die Anordnung auf engstem Raum stellt an Menschen mit eingeschränkter Hanund Fingermotorik die allerhöchsten Ansprüche. Sie werden ihnen kaum genügen können. Schließlich müssen die Bedienteile ja meist während der Fahrt genutzt werden, und ihre Betätigung sollte bloße Routine sein. Doch stehen dem routinierten Umgang zunehmend zu kleine Beschriftungen beziehungsweise Symbole der Funktionen entgegen.

Da in Folge der elektronischen Entwicklung der Armaturenbereich im Auto immer mehr dem 'Cockpit im Flugzeug' ähnelt, kommt es einerseits zu den schon genannten Mehrfachbelegungen von Tasten und andererseits zu völlig neuen Funktionen. Ob Navigationssystem oder Klimaanlage, Radio/CD/Tape oder Lüftung, das Bedienbord wird immer komplexer und komplizierter. Das entscheidende Mittel, das seine Bedienung deutlich vereinfachen kann, ist die klare und eindeutige Symbolik. Mit diesem Problem sind natürlich nicht nur behinderte Autofahrer konfrontiert. Aber in Folge der komplexen Bedienungskapazitäten erschweren fragwürdige Bedienelemente die gesamte Handhabung unnötig. Sie verlangen einfach viel zu viel Aufmerksamkeit, die an anderer Stelle nötiger gebraucht würde. Um das Auto unmittelbar in Gang setzen zu können, müssen Zündschloss und der Automatikhebel getätigt werden. Das Zündschloss ist hinter dem Lenkrad an der rechten Seite der Säule angebracht. Dadurch ist es in vielen Fällen nicht im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers.

Behinderte Menschen mit stark eingeschränkter Oberkörperkonstitution müssen sich also zunächst unter großen Mühen weit genug nach vorn beugen, um das Schloss für die Einführung des Schlüssels sehen zu können. Haben die Behinderten dann noch eine mangelnde Fingermotorik, wie etwa Tetraplegiker benötigen sie einige Zeit, um das Auto endlich starten zu können. Denn ein weiteres Hindernis ist die seitliche Armaturenverkeidung, die den Platz für die führende Hand teilweise erheblich einengt. Um trotz dieser erschwerenden Umstände das Auto in Gang setzen zu können, sollten behinderte Autobenutzer unbedingt eine Schlüsseladaption zur leichteren Einführung ins Schloss verwenden. Automatikhebel lassen sich in einer Kulissen-oder Linearschaltung führen. Für die stufige Kulissenschaltung muss in aller Regel mehr Kraft aufgewendet werden als für die lineare Schaltung. Beachtenswerter für behinderte Autofahrer ist die Frage, wie leicht oder schwer sich der Automatikhebel überhaupt lösen lässt. Entweder muss hierzu ein Druckknopf unterhalb des Hebels mit den Fingern etwas angezogen oder ein Knopf nach unten gedrückt werden. Besonders das Heranziehen des kleinen Knopfes bereitet Tetraplegikern mit stark eingeschränkter Fingermotorik sehr viel Schwierigkeiten und bedarf einiger Übung. Dieses Problem deckt sich vollständig mit der Lösung beziehungsweise dem Feststellen des Handbremshebels. Fensterheber sind entweder mechanisch über Handkurbel oder elektrisch überm Druckknöpfe zu betätigen. Aber nicht in jedem Fall ist die elektrische Variante bedienungsfreundlich.

Allzu häufig sind die entsprechenden Knöpfe einfach zu klein und auch zu weit außerhalb der normalen Reichweite. Soweit es sich um den Fensterheber auf der Fahrerseite handelt, ist der Unterschied zwischen manueller und elektrischer Handhabung kein ausschließendes Auswahlkriterium. Sobald jedoch die Bedienung des Fensters auf der Beifahrerseite ins Spiel kommt, ist die Frage sehr leicht zu beantworten. Hier sind die elektrischen Fensterheber von ganz erheblichem Vorteil. Auch nicht behinderte Personen müssen sich sehr weit nach rechts beugen, um die Handkurbel drehen zu können. Das ist dann für Personen mit stark geschwächter Körperkonstitution eigentlich nicht mehr zu leisten.

Die Bedienung der Außenspiegel ist mit den gleichen Schwierigkeiten verbunden. Nun gilt die Alternative manuelle oder elektrische Bedienung für sehr viel Funktionen, und wohl die Mehrheit der Autofahrer dürfte sich für die letztere entscheiden. Aber neben der Finanzierungsfrage steht natürlich die größere Anfälligkeit der elektrischen Teile diesem Wunsch gegenüber.

Bei Kurzschlüssen sind gleich mehrere Funktionen nicht mehr einsetzbar. Eine nicht repräsentative Umfrage bei Fahrzeugumrüstern hat ergeben, dass nach einer gewissen Zeit immer mehr Benutzer die elektrischen Teile, wo es denn geht, durch manuelle auswechseln lassen möchten. Durchaus nicht zu unterschätzen ist die Handhabung des Sicherheitsgurtes. Zwar ist er in der Höheneinstellung variierbar, aber nicht in seiner Anordnung am oberen Ende der Mittelstrebe, etwas unterhalb des Autohimmels. Personen, deren Oberkörperkonstitution eingeschränkt sind, sich dementsprechend nicht leicht seitlich nach hinten drehen können, bekommen hier Probleme. Wenn dann noch eine Behinderung am Arm und an der Handmotorik hinzukommt, werden die Probleme spürbar und der Gurt ist nur unter Schmerzen zu fassen. Eine weitere Hürde bietet die Einführung der Gurtlasche in das Halteschloss.

Für Tetraplegiker und Personen mit Hanund Fingerbehinderung kann die Einführung sich unter Umständen zu einer nervigen Fummelei gestalten. In vielen Fällen ist der Haltebügel des Schlosses so biegsam, dass man mit der Lasche daran abrutscht. Wenn man die Lasche auf Grund der Behinderung nicht fest genug greifen kann, entgleitet sie samt Gurt und die Prozedur muss wiederholt werden. Eine befriedigende Lösung scheint für die manuelle Handhabung nicht in Sicht. Die Anschaffung eines selbstanlegenden Gurtes, dessen Mechanik nach dem Schließen der Tür automatisch in Gang gesetzt wird, dürfte eine überlegenswerte Alternative sein.

Rollstuhlfahrer
So gut wie alle Bedienelemente sind für sie vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Erreichbarkeit problematisch. Besonders hierbei treten häufig geschwächte Oberkörperkonstitutionen auf. Um jedoch an etwas weiter entfernt angebrachte Bedienteile zu gelangen, muss man sich mit dem Oberkörper weit nach vorn beugen, was den Betroffenen naturgemäß sehr schwer fällt. Die Bedienung etwa von Fensterheber und Außenspiegelverstellung auf der Beifahrerseite ist ihnen praktisch nicht möglich. Ferner sind Bedienelemente äußerst umständlich zu betätigen, wenn sie durch das Lenkrad oder Lenksäule verdeckt sind.

Arm-/Beinbehinderte
Autobenutzer mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit an Arm, Hand und Fingern haben je nach Behinderungsgrad immer ihre Probleme mit den Bedienteilen im Armaturenbereich. Entweder sind diese Teile einfach zu klein gestaltet oder sie sind nicht griffig genug geformt. Bei der Autoauswahl sollten Arm- und beinbehinderte unbedingt darauf achten, dass sie mit ihrer spezifischen Behinderung nur ganz bestimmte Oberflächengestaltungen von Griffen und Knöpfen handhaben können. Wahrscheinlich werden sie im einen oder anderen Fall auf elektrische Umrüstungen zurück greifen müssen. das gilt etwa für Fensterheber und Außenspiegelverstellung.

Senioren
Ältere Autofahrer leiden häufig an Multimorbidität. Dazu zählt oftmals eine verringerte Sehstärke. Daraus folgt, dass sie ihr besonderes Augenmerk auf die gut lesbare symbolische Beschriftung der kleinen Bedienelemente richten sollte. Sehr häufig ist von der Multimorbidität auch die differenzierte Fingerfertigkeit betroffen. Dann sind Mehrfachbelegungen von Funktionsteilen ein ärgerliches Hindernis für eine einfache Handhabung. Besonders bei älteren Fahrern sind viele Griffe im Auto zur Routine geworden. Es haben sich Gewohnheiten und Erwartungshaltungen entwickelt.

Durch die rapiden technologischen Erneuerungen in nahezu allen Lebensbereichen sind auch im 'Auto-Cockpit' Veränderungen eingetreten, die sich automatisierten Handgriffen weigern. Gewisse Änderungen sind nicht rückgängig zu machen, deshalb sollten gerade ältere und routinierte Benutzer bei einer Autoauswahl besonders aufmerksam diese Dinge achten. Zusätzliche Ausstattungsteile So gut wie jedes Auto ist inzwischen in verschiedenen Ausstattungsvarianten erhältlich. Nach der Standard-Austattung gibt es meist mehrere luxuriösere Modellvarianten des bestimmten Autos. Diese Varianten enthalten dann Ausstattungmerkmale, die für behinderte Autofahrer durchaus von hohem Nutzen sein können.

Behinderte Autofahrer sollten deshalb bedenken, welche zusätzlichen Lieferungsmöglichkeiten sie beim Autokauf gerne in Anspruch nehmen möchten. Dazu gehören die Klimaanlage, die Hitzestau und sogar Kreislaufkollaps bei sehr warmen Temperaturen vermeiden sollen. Der Pollenfilter ist für Allergiker ein sinnvoller Schutz vor Blütenpollen und feinen Staub. Besonders für den Winter sind beheizbare Außenspiegel zu empfehlen, zumal für gehandicapte Autofahrer, denen es kaum möglich ist, bei Eis und Schnee um das Auto herumzufahren, um die gefrorenen Spiegel frei zu kratzen. Nicht zuletzt gehört eine funkgesteuerte Zentralverriegelung zu den zusätzlichen Austattungsmerkmalen.

Umrüstungsangebote
Behinderte Autofahrer werden in aller Regel nur das Auto fahren können, das mit seiner technischen Ausstattung die persönliche Funktionseinschränkung kompensiert. Normal ausgestattete Autos sind auf solche Kompensationsanforderunmgen jedoch nicht ausgerichet. Dafür bedarf es einer spezifischen Änderung der Grundausstattung, also einer Umrüstung.

Erfahrene behinderte Autofahrer wissen bei der Neuanschaffung eines Fahrzeugs nicht nur was geändert werden muss, sondern auch, wer die notwendigen Neuanbauten vornehmen kann. Einfache Änderungen, wie etwa der Einbau von Umlenkhebel am Wischer oder Blinker, können schon von normalen Auto-Reparaturwerkstätten vorgenommen werden. Die entsprechenden Umrüstteile müssen dazu nur bei den Umrüstfirmen angefordert werden. Es gibt in Dutschland schon zwei Autohersteller, die für besondere Wünsche ihrer Kunden eine Umrüstung ab Werk anbieten. Sie nehmen den Auftrag des behinderten Autofahrers entgegen, doch die folgenden Einbauten werden wiederum an Fremdfirmen vergeben. So gut wie alle Anbieter von Neufahrzeugen in Deutschland haben eine besondere Abteilung für Behinderten-oder Sonderfahrzeuge. Hier bekommen die Kunden meist auch verbindliche Auskunft über Umrüstfirmen, die Änderungseinbauten an den Autos dieses Herstellers vornehmen.

Über sämtliche deutschen Bundesländer verstreut gibt es circa 50 Firmen, die sich auf die Umrüstung von Behindertenfahrzeugen spezialisiert haben. Diese Firmen stellen teilweise die Einbauteile selber her, sie nehmen die Ein-und Umbauten vor oder verschicken die entsprechenden Bauteile an andere Autowerkstätten, von denen die Umbauten getätigt werden. Der Angebotsumfang dieser Firmen reicht von den verschiedenen Handsteuergeräten für Bremse, Gas und Kupplung, über die Fußlenkung, den genannten Umlenkhebeln, selbstanlegenden Sicherheitsgurten bis hin zu größeren Veränderungen am Auto. Dies sind Umsetz-Lifter für Personen, Verladehilfen für die Rollstühle, Schiebetüren und Schwenksitze. Ferner können die Umrüster bloße mechanische, manuell bedienbare Funktionselemente gegen entsprechende elektrische Bedienteile austauschen.

Fragen der Finanzierung
Die Frage nach einer möglichen Übernahme von Kosten sollte jeder behinderte Autofahrer klären, bevor irgendwelche Schritte unternommen werden. Um den gesetzlichen Status der Behinderung zu erlangen, muss man ja zunächst ein Gutachten erstellen lassen. Je nach Bedarf muss sodann ein Führerschein erworben werden. Und schließlich will das Auto umgerüstet oder erst gekauft werden. All dies sollte erst nach Klärung der Kostenübernahme geschehen.

Die im Folgenden genannten Bedingungen der Finanzierungshilfen können im Rahmen dieses Artikels selbstverständlich nur eine grobe und erste Orientierungshilfe geben.

Gesetzliche Regelungen
Für den gesamten Komplex gilt die Erste Verordnung zur Änderung der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (Kfz-HV) vom 30.9.1991. Welcher Kostenträger für die Finanzierung zuständig ist, wird vom Sozialgesetzbuch (SGB) I vom 11.2.1975 (BGBL. I, S.3015) geregelt.

Was wird finanziert?
Wer von welchem Kostenträger Hilfe in Anspruch nehmen kann, ist immer nur nach Überprüfung des einzelnen Falls zu beantworten. Deshalb kann erst einmal leichter gesagt werden, was im konkreten Fall finanziert wird. Das ist bestimmt nicht auf den ersten Blick durchschaubar, denn das System der sozialen Sicherung enthält eine Reihe von Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Nach den Bestimmungen der gesetzlichen Unfallversicherung und des Bundesversorgungsgesetzes wird teilweise oder ganz finanziert: der Führerscheinerwerb, die Erstellung eines Gutachtens und die Beschaffung eines Kraftfahrzeuges für die berufliche, medizinische oder soziale Rehabilitation. Neben den Anschaffungskosten werden auch die notwendigen Zusatzausstattungen sowie Umrüstungen bezahlt.

Die Finanzierungshilfen gibt es als Zuschüsse in manchen Fällen auch als Darlehen. Voraussetzungen Zwei Voraussetzungen muss die behinderte Person erfüllen, um überhaupt von einem Kostenträger Geld bekommen zu können. Zum einen muss sie auf Grund ihrer Behinderung dauernd auf ein Kraftfahrzeug angewiesen sein und sie muss dies Fahrzeug selber führen; hier gilt erweiternd, dass das Fahrzeug auch von einer anderen Person geführt werden darf. Weiterhin ist entscheidend, zu welchem Zweck das Auto benötigt wird: entweder zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit oder zur sozialen Wiedereingliederung. Denn davon hängt die Zuständigkeit des Kostenträgers ab.

Welcher Kostenträger?
Die Bundesanstalt für Arbeit übernimmt die Finanzierungshilfe für behinderte Arbeitnehmer, wenn diese weniger als 15 Jahre Rentenversicherungsbeiträge eingezahlt haben. Die gesetzlichen Rentenversicherungsträger übernehmen die Finanzierungshilfe, wenn die behinderten Arbeitnehmer mindestens 15 Jahre Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben. Die gesetzlichen Unfallversicherungen und Berufsgenossenschaften sind für die Finanzierung zuständig, wenn eine Berufskrankheit oder ein Arbeitsunfall vorliegt. Die Kriegsopferfürsorge bezahlt, wenn die Vorschriften des Bundesversorgungsgesetze gelten, also bei Behinderungen, die man im Wehrdienst bekam oder bei Kriegsopfern und bei anderen Behinderten, die durch jene Vorschriften erfasst werden. Für alle anderen behinderten Berufstätige tritt die Hauptfürsorgestelle in Finanzierungsfragen ein. Klar vom Gesetzgeber geregelt ist, dass die Krankenkassen sich an der Finanzierung zur Anschaffung eines Fahrzeuges nicht beteiligen.

Wie viel wird finanziert?
Die Höhe der finanziellen Unterstützung durch den Kostenträger hängt zunächst davon ab, ob ein Kraftfahrzeug angeschafft oder bloß umgerüstet beziehungsweise zusätzlich ausgestattet wird. In der Regel werden bis zu 18.000 Mark der Anschaffungskosten übernommen. Die notwendigen Umrüstungen und Zusatzaustattungen werden vollständig übernommen. Sowohl für die Anschaffung als auch die Umrüstung gilt jedoch die Einschränkung, dass die jeweilige Behinderung den Anforderungsgrad ergibt. Mehrkosten, die sich auf Grund individueller Wünsche ergeben, müssen dann von der behinderten Person selbst getragen werden. Die Finanzierungszuschüsse der Kostenträger richten sich nach dem jeweiligen Einkommen der behinderten Person.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kraftfahrzeuganpassung | REHADAT-Hilfsmittel
Teil 1 des Beitrags




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Sozialrecht + Praxis - Fachzeitschrift für Sozialpolitiker und Schwerbehindertenvertreter
Homepage: https://www.vdk.de/deutschland/pages/presse/6320/sozialrecht...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0102/3298B


Informationsstand: 20.07.2001

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