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Bibliographische Angaben zur Publikation

Krankheit vs. Störung


Autor/in:

Heinz, A.


Herausgeber/in:

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)


Quelle:

Der Nervenarzt, 2015, 86. Jahrgang (Heft 1), Seite 36-41, Heidelberg: Springer, ISSN: 0028-2804 (Print); 1433-0407 (Online)


Jahr:

2015



Abstract:


Ein Krankheitsbegriff sollte so gestaltet sein, dass er die von einer Erkrankung betroffenen Menschen schützt, ohne für Pathologisierung sozial missliebiger Verhaltensweisen verwendet werden zu können. Aus medizinischer Sicht liegt eine Erkrankung dann vor, wenn eine für das Leben und Überleben des Individuums relevante Störung einer Organfunktion besteht. Im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie handelt es sich hier um komplexe psychische Funktionen wie jene der Wachheit, Orientierung, der (im Falle der Ich-Störungen beeinträchtigten) Zurechenbarkeit eigener Intentionen und der affektiven Schwingungsfähigkeit. Im angloamerikanischen Raum wird dieser medizinische Krankheitsaspekt unter dem Begriff der 'disease' behandelt.

Eine Person sollte jedoch nur dann als krank gelten, wenn sich aus dieser Organfunktionsstörung ein Schaden für die Person ergibt. Hierzu zählt das individuelle Leiden an der Störung der Funktionsfähigkeit ('Kranksein' bzw. 'illness') oder die Beeinträchtigung der für die soziale Teilhabe relevanten alltäglichen Fähigkeiten wie der Nahrungsaufnahme, persönlichen Hygiene etc. ('sickness'). Über solche Erkrankungen im eigentlichen Sinn hinaus gibt es eine Vielzahl von Leidenszuständen, die objektiviert und klassifiziert werden können, ohne dass sie eine Beeinträchtigung lebenswichtiger Funktionsfähigkeiten umfassen und die mit dem gebräuchlichen Begriff der 'Störung' belegt werden können.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Abstract:


A disease concept should be broad enough to provide social protection for all subjects suffering from this malady but at the same time it needs to be narrow enough to avoid pathologization of behavior that is merely socially undesirable. From a medical perspective a 'disease' is present if functions are impaired that are relevant for individual survival. In the field of psychiatry and psychotherapy, such medically relevant functions include the ability to be alert and fully oriented, to ascribe one's own intentions to oneself and to modulate affects according to the situation. Beyond such medically relevant symptoms of a disease, any clinically relevant dysfunction should also be harmful for the individual if a mental malady is to be diagnosed. One such harmful consequence of a disease can be that the person feels ill and suffers from this state, another negative consequence for the individual can be due to an impairment of activities of daily living and social participation. These harmful consequences of a disease are usually discussed under the heading of the 'illness experience' and the 'sickness aspect' of any disorder. Beyond mental maladies characterized by disease symptoms that are accompanied either by an illness experience or impaired activities of daily living and social participation (sickness), there are many states of human suffering which can be objectified and classified but do not constitute a disease in the medical sense and should more aptly be named a disorder.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Der Nervenarzt
Homepage: https://link.springer.com/journal/115

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Referenznummer:

R/ZA7162


Informationsstand: 25.08.2015

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