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Bibliographische Angaben zur Publikation

Befinden und Aktivitäten ein Jahr nach schwerem Hirninfarkt - zutreffendere Prognose durch genauere Diagnose?


Autor/in:

Gozdalski, Jacek; Haase, Ingo; Pfeiffer, Gerhard


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Neurologie und Rehabilitation, 2011, 17. Jahrgang (Heft 4), Seite 203-208, Bad Honnef: Hippocampus, ISSN: 0947-2177


Jahr:

2011



Abstract:


Fragestellung:

Was wird nach einem schweren Schlaganfall wieder möglich sein? Diese Frage ist nur mit großer Unsicherheit zu beantworten. Wir wollten wissen, ob die Prognose sicherer wird, wenn statt einer gemischten Schlaganfallpopulation ein bestimmtes Schlaganfallsyndrom betrachtet wird. Wir verglichen komplette Mediainfarkte mit vergleichbar schweren Schlaganfällen anderer, gemischter Bildmorphologie.

Methode:

Sukzessive Patienten mit kompletten rechts- (n gleich 20) und linksseitigen (n gleich 16) Mediainfarkten hatten einen Monat nach dem Schlaganfall Barthel-Indizes (BI) zwischen 0 und 45. In diesem BI-Bereich wurden 34 Kontrollpatienten rekrutiert.
Zur Nachbefragung nutzten wir die Angehörigenversion der Stroke-Impact-Skala (SIS) und eine telefonische Abfrage der Barthel-Items.

Ergebnisse:

Anders als intendiert lag der Median des BI der Kontrollgruppe einen Monat nach dem Schlaganfall mit 30 Punkten signifikant (p gleich 0,006) über dem der rechts- (BI: 10) und linksseitigen (BI: 12,5) Mediainfarkte. Die Differenz hatte sich bei Entlassung etwas verwischt (BI Kontrollgruppe: 62; Mediainfarkt links: 35; rechts: 40; p gleich 0,02). Ein Jahr nach dem Schlaganfall war sie nicht mehr signifikant. Die Subskalen des SIS differierten bei der Gebrauchsfähigkeit der Hand (p gleich 0,008) mit homogen schlechten Werten (Median und Interquartilabstand: 0) bei den linksseitigen Mediainfarkten und sehr variablen Werten in der Kontrollgruppe (Median: 4; Interquartilbereich: 29).

Signifikant schlecht waren die Kommunikationsleistungen nach linksseitigen Mediainfarkten (p gleich 0,000). In den Subskalen Gedächtnis und Denkvermögen, Stimmung, Alltagsaktivitäten, Mobilität und Partizipation ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.

Diskussion:

Nach der stationären Rehabilitation verloren 19 Patienten ihre Selbstständigkeit bei der persönlichen Pflege, während 12 Patienten harnkontinent wurden und 10 Patienten die Gehfähigkeit erreichten. Schlussfolgerung: Nur für Handfunktion und Kommunikation gestattete die genauere Diagnose eine sicherere Prognose. Auf der Aktivitätsebene streuten die Ergebnisse mit der Zeit in allen Gruppen immer stärker. Die am schwersten betroffenen Patienten holten auf. Offenbar werden mit der Zeit schlaganfallunabhängige Randfaktoren immer bedeutsamer.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Does precise stroke diagnosis improve prediction of functions, activities, and participation one year after severe stroke?


Abstract:


About two thirds of the patients with severe strokes remain dependent on support in almost all activities of daily living. This knowledge is insufficient for individual prognosis. Precise stroke diagnosis might improve precision of prognosis. In this case, outcome should be more uniform in groups of patients with well defined neurological stroke syndromes than in a control group with comparably severe strokes but mixed strokes.

We compared patients with large right (n = 20) or left (16 patients) middle cerebral artery (MCA) infarctions admitted to our rehabilitation hospital between 2003 and 2004 with 34 control patients with various stroke syndromes, whose Barthel Index was in the range of the MCA patients (0 - 45). Contrary to our intention, median BI was significantly lower in the two MCA groups (p = 0,006).

This difference was less prominent at discharge (p = 0,02) and no longer present one year after stroke. At that time, patient groups differed only at the function
level of the ICF (hand function and communication), but not in respect to the subscales mood, cognition, mobility, and participation of the stroke impact scale. After discharge from the rehabilitation hospital 19 patients lost their independence for personal care as defined by the respective Barthel Item, whereas 10 patients achieved independent walking (score 10 or 15 in the Barthel item 'walking”) between discharge and follow up. Twelve patients achieved continence.

These changes probably reflect social preferences after discharge. Our data suggest that social and personal factors more and more overshadow the influence of stroke syndrome and functional status, discouraging triage attempts based on neurological findings.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Neurologie & Rehabilitation
Homepage: http://www.hippocampus.de/Neurologie--Rehabilitation.11986.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA0788


Informationsstand: 05.01.2012

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