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Bibliographische Angaben zur Publikation

Der Arzt als sozialmedizinischer Gutachter: Ein alternatives Berufsfeld

Gefragt sind unabhängige Sachverständige mit breitem medizinischen Wissen - Sozialmediziner kooperieren mit Kollegen in Klinik und Praxis



Autor/in:

Ueberschär, Ina; Heipertz, Walther


Herausgeber/in:

Bundesärztekammer (BÄK); Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)


Quelle:

Deutsches Ärzteblatt, 2001, 98. Jahrgang (Heft 6), Seite A 299-300, Köln: Deutscher Ärzteverlag, ISSN: 0176-3695


Jahr:

2001



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Abstract:


Von den zum 31.Dezember 1999 bei den Landesärztekammern gemeldeten 291 171 berufstätigen Ärzten waren 47 Prozent in Krankenhäusern und 41 Prozent in einer Arztpraxis tätig. Somit beläuft sich der Anteil der berufstätigen Ärzte in den klassischen ärztlichen Einsatzfeldern auf 88 Prozent. Die aktuell noch relativ günstigen Arbeitsmarktdaten sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der ärztliche Arbeitsmarkt sehr angespannt ist und es sich derzeit nur um ein 'Zwischenhoch' handeln dürfte.

Da zurzeit weiterhin jährlich 11 000 bis 12 000 approbierte Ärzte die deutschen Universitäten verlassen, während nur etwa 6 000 Ärzte pro Jahr aus dem Beruf ausscheiden, ist es wichtig, alternative nichtkurative ärztliche Einsatzmöglichkeiten adäquat zu beachten. Zukunftsträchtige ärztliche Einsatzmöglichkeiten zeichnen sich in Deutschland insbesondere im Bereich der Gesundheitsförderung und des Gesundheitsmanagements, beim Krankenhaus-Controlling, bei der Gentechnologie, in der Medizintechnik und Medizinischen Informatik und in der Pharmaindustrie ab.

Sucht ein Arzt eine nichtkurative Sparte nahe dem klassischen Arztberuf, bietet sich insbesondere auch eine sozialmedizinische gutachterliche Tätigkeit an. Die Sozialleistungsträger beschäftigen haupt- und auch nebenamtlich sozialmedizinische Gutachter. Diese Tätigkeit verlangt insbesondere eine hohe Ausprägung aller vier tradierten ärztlichen Werte, des ärztlichen Wissens und Könnens, der ärztlichen Erfahrung und des ärztlichen Verhaltens und stellt damit hohe Anforderungen an den Arzt.

Begutachtung verlangt eine gesamtorganismische und damit auch fachgebietsübergreifende Betrachtung der Gesundheitsstörungen hinsichtlich der bestehenden Funktionsdefizite, der Leistungseinschränkungen und der daraus resultierenden sozialen Beeinträchtigung. Das Gutachten muss Aussagen enthalten, die dem Auftraggeber Entscheidungen über Art und Umfang der notwendigen Leistungen und auch über deren Dringlichkeit ermöglichen. Die Verantwortung des Gutachters ist dabei sehr groß.

Sozialmedizinische Begutachtungen werden sowohl mit spezieller ärztlicher Untersuchung als auch per Aktenlage auf der Basis aktueller und aussagefähiger Befundunterlagen durchgeführt. Doppel- oder sogar Mehrfachuntersuchungen für die verschiedenen Sozialleistungsträger sind unbedingt zu vermeiden.

Zu einer optimalen Patientenbetreuung gehören nicht nur eine umfassende Diagnostik und Therapie, sondern auch eine adäquate sozialmedizinische Beratung des Patienten bezüglich der für ihn angezeigten Sozialleistungen zur Vermeidung oder zur Bewältigung der sozialen Krankheitsauswirkungen.

Obwohl bei einer entsprechenden Befragung immerhin 97 Prozent der kurativen Ärzte sozialmedizinische Kenntnisse für essenziell erforderlich hielten, stuften 70 bis 85 Prozent ihre eigenen sozialmedizinischen Kenntnisse als 'nicht ausreichend' ein.

Nach der WHO-Definition ist Gesundheit nicht allein das Fehlen von Krankheit oder Behinderung, sondern der Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Für die richtige Entscheidungsfindung der individuell 'maßgeschneiderten' Sozialleistungen bedarf es kompetenter neutraler sozialmedizinischer Sachverständiger mit einem soliden Fundament an fachmedizinischem Basiswissen über die gesamte Breite der Medizin hinweg einschließlich ausreichender Kenntnisse der versicherungsrechtlichen Grundlagen und der Bereitschaft des Arztes, sich ständig über neue Erkenntnisse zu informieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsches Ärzteblatt
Homepage: https://www.aerzteblatt.de/archiv

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA0070/0014


Informationsstand: 27.05.2005

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