Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Leistungsfähigkeit von Prostatakrebspatienten am Ende der Rehabilitation - Ein Vergleich von Arzt- und Patientenurteil und Prädiktoren differenter Einschätzungen

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Ullrich, Anneke; Rath, Hilke M.; Otto, U. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 325-326


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Nach einer Krebserkrankung ist die berufliche Leistungsfähigkeit bei einem substanziellen Anteil von Patienten zumindest temporär eingeschränkt. Studien weisen darauf hin, dass die Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit bei Krebspatienten einen hohen prognostischen Wert für die tatsächliche Rückkehr in den Beruf hat. Gleichzeitig beurteilen Rehabilitationsärzte die Leistungsfähigkeit ihrer Patienten im Rahmen der sozialmedizinischen Begutachtung, die in Deutschland Grundlage für die Gewährung von Leistungen der Teilhabe und Rente ist. Die vorliegende Studie untersucht bei an Prostatakrebs erkrankten Patienten, inwiefern Selbst- und Fremdeinschätzung der Leistungsfähigkeit am Ende einer frühen Rehabilitation (AHB) abweichen und identifiziert determinierende Faktoren für differente Einschätzungen.

Methoden:

Im Rahmen einer multizentrischen, prospektiven Evaluationsstudie wurden 837 an Prostatakrebs erkrankte Patienten nach operativer Therapie (T1-4 N0 M0, nicht älter als 64 Jahre und erwerbstätig) sowie die behandelnden Ärzte am Ende der Rehabilitation (t2) befragt. Zusätzlich wurden die Routinedaten der Patienten aus dem Rehabilitations-Entlassbericht erhoben. Die berufliche Leistungsfähigkeit zu t2 wurde patienten- und arztseitig anhand der täglichen Ausdauerfähigkeit im Hinblick auf den zuletzt ausgeführten Beruf beurteilt (unter 3 Stunden, 3 bis unter 6 Stunden beziehungsweise 6 Stunden und mehr). Der Vergleich der Selbst- und Fremdeinschätzung sowie der Gruppenvergleich in Bezug auf eine konkordante versus differente Leistungsbeurteilung erfolgte deskriptiv (n=802; T-Test, Chi2-Test). Die Analyse potenzieller soziodemografischer, klinischer, psychosozialer und arbeitsbezogener Prädiktoren wurde in Bezug auf eine differente Einschätzung der Leistungsfähigkeit mittels logistischer Regression durchgeführt (OR mit 95 Prozent KI; Referenz: konkordante Einschätzung).

Ergebnisse:

Die Patienten sind durchschnittlich 57 Jahre alt und die mittlere Zeit seit Diagnosestellung (Prostatastanzbiopsie) beträgt 2.8 Monate. Am Ende der Rehabilitation liegt in 519 Fällen (64.7 Prozent) eine konkordante Selbst- und Fremdeinschätzung der beruflichen Leistungsfähigkeit vor. In 278 Fällen (34.7 Prozent) schätzen die Ärzte und in fünf Fällen (0.6 Prozent) die Patienten die Leistungsfähigkeit höher ein. In 31.4 Prozent der differenten Einschätzungen weichen Arzt- und Patientenurteil um ± 2 voneinander ab. Der Gruppenvergleich zeigt, dass Patienten bei Vorliegen einer differenten (versus konkordanten) Einschätzung signifikant häufiger in Selbstständigkeit erwerbstätig sind und überwiegend der Mittelschicht angehören. Sie sind zu t2 stärker körperlich-funktionell eingeschränkt (Arzturteil) und weisen eine niedrigere gesundheitsbezogene Lebensqualität auf (Selbsteinschätzung). Darüber hinaus zeichnen sich diese Patienten durch ungünstigere arbeitsbezogene Merkmale aus, wie längere AU-Zeiten, die Intention, einen Rentenantrag zu stellen, die Erwartung einer prolongierten Rückkehr, Unsicherheit bezüglich der Rückkehr in den alten Beruf, Arbeitsstress und höhere Arbeitsunzufriedenheit. In der logistischen Regression ergeben sich das körperliche Funktionsniveau im Arzturteil (Karnofsky-Index; OR=1.044), die selbsteingeschätzte körperliche Lebensqualität (OR=0.964) sowie die Erwartung eines Arbeitsplatzwechsels/Umschulung OR=6.512) beziehungsweise einer stufenweisen Wiedereingliederung (OR=6.400) als signifikante Faktoren für differente Einschätzungen der beruflichen Leistungsfähigkeit. Die durch das Regressionsmodell erklärte Varianz beträgt 34 Prozent (Nagelkerke-R2= 0.340, p<.001).

Diskussion:

Die Ergebnisse weisen generell auf eine hohe Übereinstimmungsrate zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung der beruflichen Leistungsfähigkeit am Ende der Rehabilitation hin. Gleichzeitig bewertet etwa ein Drittel der an Prostatakrebs erkrankten Patienten ihre Leistungsfähigkeit restriktiver als die behandelnden Ärzte. Die Prädiktorenanalyse zeigt, dass insbesondere Unsicherheiten der Patienten in Bezug auf die berufliche Rückkehr mit einer differenten Einschätzung assoziiert sind. Umso mehr benötigen Patienten, die während oder nach Abschluss der Rehabilitation abweichend von der ärztlichen Beurteilung ihre berufliche Leistungsfähigkeit als eingeschränkt einschätzen, eine sorgfältige sozialmedizinische und gegebenenfalls psychologische Unterstützung, auch begleitend zur Wiederaufnahme der Arbeit. Dies setzt ein regelhaft in den Rehabilitationsverlauf integriertes Assessment des subjektiven Erlebens der Patienten im Hinblick auf ihre Fähigkeit zur beruflichen Reintegration voraus.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362267


Informationsstand: 17.04.2014

in Literatur blättern