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Bibliographische Angaben zur Publikation

Ist die im Rahmen von Vollqualifizierungen im Praktikumsbetrieb eingeschätzte Belastbarkeit von RehabilitandInnen ein guter Prädiktor für Erwerbslosigkeit?

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Baumann, Ricardo


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 81-83


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales(BMAS) geförderten Projektes konnte gezeigt werden, dass RehabilitandInnen in zweijährigen Qualifizierungsmaßnahmen je nach individuellen Voraussetzungen zu Reha-Beginn im Betriebspraktikum von Praktikumsbetreuern als unterschiedlich belastbar eingestuft werden. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Belastbarkeit durch geeignete Unterstützungsangebote verbessert werden kann. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse schien es interessant zu untersuchen, ob die Belastbarkeit im Praktikum ein guter Prädiktor für den Integrationserfolg ist. Wäre dies der Fall, dann könnte man mit Blick auf die Verbesserung der Integrationschancen die Belastbarkeit im Praktikum als Zwischenevaluationskriterium verwenden und je nach individuellen Voraussetzungen zu Reha-Beginn gezielt Maßnahmen zur Erreichung einer guten Praktikumsbelastbarkeit durchführen. Darüber hinaus ließe sich bei ungünstigen Bewertungen durch die Praktikumsgeber die bis zum Reha-Ende verbleibende Zeit gezielt nutzen, um aufgetretene Defizite abzubauen. In der vorliegenden Untersuchung wurde vermutet, dass eine vom Praktikumsbetrieb als gering eingeschätzte Belastbarkeit ein erhöhtes Erwerbslosigkeitsrisiko darstellt.

Methodik:

Die Daten der Untersuchung wurden von 2010 bis 2013 im Rahmen des oben erwähnten Projektes erhoben. Für die vorliegende Untersuchung wurden aus der Gesamtstichprobe (sechs Subgruppen) drei Subgruppen ausgewählt, die keine projektspezifischen Interventionen angeboten bekommen haben. Im zweiten Qualifizierungsjahr wurden die Praktikumsbetreuer im Betrieb am Ende des dreimonatigen Praktikums gefragt, wie sie die Belastbarkeit der Person in Schulnoten einschätzten. Ein halbes Jahr nach Ende der Qualifizierung wurden die Rehabilitand/innen nach ihrem Erwerbsstatus gefragt. Es erfolgte eine multiple logistische Regressionsanalyse. In einem ersten Block wurden als Kontrollvariablen Arbeitslosenquote am Wohnort im Jahr nach Reha-Ende, subjektive psychische Gesundheit und subjektive körperliche Gesundheit zum Reha-Ende, Geschlecht, Alter, Erwerbsstatus vor der Reha, Bfw, Kohorte und Umschulungsberuf eingegeben. Darüber hinaus wurde in einem weiteren Schritt als interessierende unabhängige Variable die Belastbarkeit im Praktikum eingeben. Als abhängige Variable wurde der Erwerbsstatus ein halbes Jahr nach Reha-Ende eingegeben. Um zu überprüfen, ob die Belastbarkeit im Praktikum für die Vorhersage des Integrationserfolgs bedeutsam erscheint, wurde ein Likelihood-Ratio-Test durchgeführt, bei dem das Modell mit Kontrollvariablen und der Variable 'Belastbarkeit im Praktikum' gegen das Modell mit Kontrollvariablen, aber ohne die Variable 'Belastbarkeit im Praktikum' getestet wurde.

Ergebnisse:

Für die Regressionsanalyse lagen von insgesamt n=191 Personen Daten vor (Untersuchungsteilnehmer mit Angaben zur Belastbarkeit im Praktikum: n=296). Das Prognosemodell mit den Kontrollvariablen erfährt unter Hinzunahme der Variable 'Belastbarkeit im Praktikum' eine signifikante Verbesserung (Chi-Quadrat=8,786, df=1, p=0,003). Im Mittel haben Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit jeder Note, um die sie hinsichtlich der Belastbarkeit im Praktikum schlechter bewertet werden, ein um das OR=1,67-fach höheres Risiko, ein halbes Jahr nach der Reha erwerbslos zu sein.

Diskussion:

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die vom Praktikumsbetreuer beziehungsweise von der Praktikumsbetreuerin im Betrieb eingeschätzte Belastbarkeit ein relevanter Prädiktor für den Integrationserfolg bei Qualifizierungsmaßnahmen in der beruflichen Rehabilitation darstellt. Die Belastbarkeit im Praktikum kann dabei nach Ergebnissen von bei Personen mit resignativem Arbeitsbewältigungsmuster durch psychologische Interventionen verbessert werden. Unklar ist allerdings, wie bei dieser Personengruppe neben einer Steigerung der Belastbarkeit im Praktikum auch eine Verbesserung der Integrationschancen erreicht werden kann. Im oben genannten BMAS-Projekt stiegen bei Personen, die an den Interventionen teilgenommen hatten, die Übernahmechancen im Praktikumsbetrieb im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht signifikant (p=0,087). Die beobachteten Integrationshäufigkeiten ein halbes Jahr nach der Reha waren im Vergleich zur Kontrollgruppe ebenfalls nicht erhöht.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362222


Informationsstand: 17.04.2014

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