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Bibliographische Angaben zur Publikation

Qualitative Erhebung des Forschungsprojekts SoKo: Förderung sozialer Kompetenzen bei Rehabilitanden in besonderen beruflichen Problemlagen

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Schulz-Behrendt, Claudia; Völler, Heinz


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 51-54


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Eine entscheidende Rolle für eine gelungene Reintegration spielen einerseits der persönliche Lebensstil mit dem eigenen Gesundheits- beziehungsweise Risikoverhalten, andererseits die jeweiligen Lebensverhältnisse und Kontextfaktoren. Bislang weisen Untersuchungen und Konzepte der medizinischen Rehabilitation vorwiegend kognitive und verhaltensorientierte Ausrichtungen auf, wenig Erkenntnisse liegen dagegen für den Bereich sozialer Unterstützung vor.

Studiendesign:

Innerhalb der Studie wurde in einer ersten Phase ein sozialtherapeutisches Programm für die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation entwickelt, welches in der zweiten Phase an drei Reha-Kliniken durchgeführt und in einer dritten Phase auf seine Wirksamkeit überprüft wird. Die qualitative Erhebung der ersten Projektphase ermittelte die individuellen Wirkungsfaktoren Sozialer Unterstützung auf das Gesundheitsverhalten der Untersuchungsgruppe. 17 Rehabilitanden wurden nach langfristigen Erfolgen der Behandlung, der Umsetzung von gesundheitsförderndem Verhalten im Alltag, ihrer beruflichen Wiedereingliederung sowie der erhaltenen und gewünschten Sozialen Unterstützung befragt.

Ergebnisse:

In der Analyse der Interviews wurde nach dem bio-psycho-sozialen Modell vorgegangen und festgestellt, dass die höchste Zahl der Nennungen (46 Prozent) zu den Auswirkungen der Erkrankung für den Bereich 'Soziale Auswirkungen' vorliegt. Auch die psychischen Auswirkungen (29 Prozent) werden vielfach auf Grund sozialer Probleme hervorgerufen. Im Widerspruch dazu steht jedoch, dass die Befragten einen hohen Anteil von 71 Prozent körperbezogener Bewältigungsstrategien für ihre Erkrankung angeben. Demgegenüber nennen nur 15 Prozent die direkte Bewältigung sozialer Schwierigkeiten als Strategie. Ebenso werden Hilfeleistungen aus dem sozialen Umfeld hauptsächlich auf Grund gesundheitlicher Bedürftigkeit gewährt. Eigenbewältigung und Soziale Unterstützung setzen demnach nicht zuallererst dort an, wo die meisten Auswirkungen zu finden sind, also nicht direkt im sozialen Bereich.

Diskussion:

Insgesamt scheint der Erhalt der bisherigen Lebensstrukturen bei allen Befragten von großer Bedeutung, langjährig erprobte und bewährte Alltags- und Lebensstrukturen möchten beibehalten oder wieder gewonnen werden. Dies entspricht dem Lebensphasenmodell von Erikson, nach dem in diesem Lebensabschnitt eine relative Ich-Stabilität gegeben ist, welche sich auf dem bisher Geschaffenen aufbaut. Eine Neuorientierung ist schwer vorstellbar und stellt zunächst das eigene Selbstbild in Frage. Die relativ geringe direkte Einwirkung auf den sozialen Bereich lässt vermuten, dass die Einbeziehung und Beachtung der Kontextfaktoren im Rehabilitationsprozess noch nicht ausreichend umgesetzt wird. Die Deutsche Rentenversicherung fordert dies hauptsächlich für die sozialmedizinische Begutachtung, für einen nachhaltigen Reha-Erfolg sind jedoch in jedem Fall die sozialen Faktoren mit verantwortlich. Gerade für die Rehabilitanden in besonderen beruflichen Problemlagen sollten die Bedingungen des sozialen Umfelds, die Barrieren und Ressourcen erfasst und in die Therapie einbezogen werden, um möglichst schon während der medizinischen Rehabilitation Lösungen für einen beruflichen Wiedereinstieg zu finden. Auffallend stellt sich in vielen Äußerungen die starke Betonung der Selbstbestimmung dar, wie sie übereinstimmend hiermit im Neunten Sozialgesetzbuch gesetzlich verankert ist. Die Umsetzung dieses Rechts scheint im Einzelnen schwierig zu sein, wenn eigene Vorstellungen beispielsweise von medizinischen Prognosen abweichen oder Wissen zu Möglichkeiten der Umsetzung fehlt.

Schlussfolgerungen, Umsetzung und Ausblick:
Ob ein intensives Einwirken auf die Kontextfaktoren während der medizinischen Rehabilitation tatsächlich zu einer Verminderung der längerfristigen sozialen und beruflichen Auswirkungen führt, soll in der zweiten Studienphase geprüft werden. Hierzu wurde ein Gruppenkonzept entwickelt, das die benannten Punkte aufgreift und nach dem Prinzip des Empowerments Rehabilitanden befähigen soll, die Möglichkeiten ihrer beruflichen und sozialen Wiedereingliederung nach ihren Vorstellungen umzusetzen. Das notwendige Wissen dazu soll vermittelt werden und ein intensive interdisziplinäre Begleitung während der Rehabilitation stattfinden. Auf Grund der beschriebenen sich deutlich voneinander unterscheidenden Problemlagen, ist das Konzept für kleine Gruppen von 4 bis 6 Rehabilitanden geplant. Da die Familie in der Regel mit betroffen ist, bietet das Konzept die Einbeziehung der Angehörigen an, um Zielvorstellungen und Umsetzungsmöglichkeiten gemeinsam zu formulieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362208


Informationsstand: 17.04.2014

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