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Bibliographische Angaben zur Publikation

Differences in time to return to work? Eine Analyse leistungsartspezifischer Einflüsse auf die Wiedereingliederung nach beruflichen Bildungsleistungen

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Streibelt, Marco


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 282-284


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Berufliche Bildungsleistungen stellen einen wesentlichen Bestandteil der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben dar (Hansmeier, 2009; Wuppinger, Rauch, 2010). Im Sinne einer evidenzbasierten Rehabilitation von Personen mit erwerbsbedingten Beeinträchtigungen aufgrund chronischer Erkrankungen erlangt der Nachweis erfolgreicher Rückkehr in das Erwerbsleben (Return to work, RTW) nach solchen kostenintensiven Leistungen erhebliche Bedeutung. Die Rehabilitationsforschung hat sich deshalb verstärkt mit der Frage nach Prädiktoren eines erfolgreichen RTW nach beruflicher Bildung auseinandergesetzt (Slesina, Rennert, 2009; Hetzel et al., 2012). Aktuell wurde hierzu vom Autor eine strukturierte Übersichtsarbeit für das deutsche Rehabilitationssystem vorgelegt (Streibelt, Egner, im Druck). Das Leistungsspektrum innerhalb beruflicher Bildungsleistungen reicht jedoch von kurzen, auf die Wiedereingliederung im bestehenden Berufsbild abzielenden Integrationsleistungen bis hin zu mehrjährigen Vollausbildungen. Es stellt sich die Frage, inwiefern bestimmte Merkmale differentielle Wirkungen bei diesen Leistungsarten entfalten.

Fragestellung:

Das Ziel besteht in der Analyse differenzieller Einflüsse des Geschlechts sowie eines regulären Maßnahmeende (RME) auf das RTW nach Qualifizierungs- sowie Integrationsleistungen.

Methodik:

Der Datenkörper umfasst alle durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund anerkannten Bildungsleistungen bei freien Bildungsträgern, deren Integrationsergebnisse bis Dezember 2011 vorlagen (n=6.042 TeilnehmerInnen). Integriert wurden alle Fälle mit Angaben zu Alter und Geschlecht mit Maßnahmeende 2005 bis 2010 und einem Meldezeitraum des Ergebnisses durch den Bildungsträger bis 400 Tage danach. Obendrein wurden nur Fälle berücksichtigt, die in Maßnahmen mit mindestens fünf Versicherten der DRV Bund integriert waren. Damit stehen 4.827 Datensätze von 117 Standorten zur Verfügung. Die Bildungsleistungen wurden den beiden Leistungsarten Qualifizierung (QU, n=2.020) und Integrationsleistung (IN, n=2.807) zugeordnet. Als zentrales Outcome fungierte die Zeit bis zum RTW in Tagen als Zeitpunktmessung. Die differentiellen Effekte des Geschlechtes und des RME wurden mittels Random Effects Cox Regression Model durch Interaktionen zwischen Geschlecht bzw. RME und der Leistungsart geschätzt. Durch den Standort bedingte zufällige Effekte wurden durch das Clustermodell genauso kontrolliert wie auf individueller Ebene die Haupteffekte des Geschlechtes und des RME sowie das Alter und die Dauer der Leistung. Separate Cox Regressionen modellierten anschließend den leistungsartspezifischen Effekt der beiden Untersuchungsmerkmale. Berichtet wird das adjustierte Hazard Ratio, also das 'Risiko'-Verhältnis eines RTW im Beobachtungszeitraum im Vergleich zur Referenz.

Ergebnisse:

Das durchschnittliche Alter der Stichprobe betrug 45,7 Jahre (QU: 44,3; IN: 46,7), 69,4 % Versicherte waren weiblich. Nach 400 Tagen besaßen 49,9 % ein Beschäftigungsverhältnis (QU: 52,8 %; IN: 47,8 %), wobei die durchschnittliche Zeit bis RTW 212 Tage (QU: 205; IN: 218) betrug. Beide Interaktionen zeigten im Gesamtmodell einen signifikanten Effekt (Geschlecht*Leistungsart: HR=1,208, p=.047; RME*Leistungsart: HR=0,389, p=.001). Frauen wiesen also nach QU ein um 21 % höheres 'Risiko' des RTW auf als nach IN. Damit hatten Frauen nur in IN ein von Männern signifikant unterschiedliches, nämlich geringeres RTW-'Risiko' (QU: HR=1,015; p=.841; IN: HR=0,852; p=.006). Bezüglich des RME wies das Gesamtmodell ein um 61 % schlechteres 'Risiko' für TeilnehmerInnen in QU im Vergleich zu IN auf, nach einem Abbruch beruflich reintegriert zu werden. Die leistungsartspezifischen Modelle dokumentierten für beide Leistungsarten erwartungsgemäß eine schlechtere Wahrscheinlichkeit des RTW bei Abbruch. In QU war diese um 76 % (HR=0,241; p<.001), in IN nur um 32 % (HR=0,679; p<.001) geringer als nach regulärem Abschluss.

Diskussion und Schlussfolgerung:

Die Analyse unterstreicht die Annahme leistungsartspezifischer Einflussfaktoren auf das RTW nach beruflichen Bildungsleistungen. Frauen scheinen von Integrationsleistungen weniger zu profitieren als Männer, während nach Qualifizierungsleistungen keine Geschlechterunterschiede sichtbar wurden. Dagegen geht der Abbruch einer Qualifizierung mit einem weitaus höheren Risiko späterer Nichterwerbstätigkeit einher als der Abbruch einer Integrationsleistung. Die verschiedenen Leistungsarten beruflicher Bildung differenzieren stark hinsichtlich der Zielgruppe, der Ausgestaltung der Leistungen und der Nähe zum Arbeitsmarkt. In zukünftigen Studien sollten solche inhaltlichen Überlegungen verstärkt bei der Analyse prädiktiver Faktoren berücksichtigt werden, um das Wissen um erfolgreiche Rahmenbedingungen hinsichtlich Steuerung und Ausgestaltung dieser Leistungen zu erweitern.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357351


Informationsstand: 05.06.2013

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