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Bibliographische Angaben zur Publikation

Prädiktiver Wert proximaler Behandlungsziele auf Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität in der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation

Poster auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Neuderth, Silke; Bethge, Matthias; Schuler, Michael


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 266-268


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Auch in der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) können distale (maßnahmenferne) und proximale (maßnahmennahe) Zielkriterien unterschieden werden (Löffler et al., 2012). Berufliche Wiedereingliederung und Verbesserung gesundheitsbezogener Lebensqualität sind relevante, aber distale Ziele und anfällig für nicht kontrollierbare Störvariablen
(z. B. wirtschaftliche Lage). Sie sind daher zur Bewertung des Maßnahmenerfolges nur teilweise geeignet. Proximal hingegen sind Ziele, die direkt durch die MBOR beeinflusst werden. Da die MBOR zumeist multimodal aufgebaut ist (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2010; Bethge, 2011), müssen in der Evaluation verschiedene Zieldimensionen Berücksichtigung finden. Bislang ist nicht untersucht, ob und welche proximalen Behandlungsziele in der MBOR Einfluss auf Arbeitsfähigkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität haben.

Methode:

Der Analyse liegen Patientenbefragungsdaten aus der MBOR-Management-Studie zugrunde, in welcher orthopädische MBOR-Patienten aus sieben Kliniken zu Rehabilitationsbeginn, -ende und 3 Monate nach der Rehabilitation u. a. Fragen zu proximalen und distalen Zielen beantworteten. Es wurden Poissonregressionen bzw. lineare Regressionen gerechnet, um die prognostische Bedeutung proximaler Ziele bei Rehabilitationsende auf distale Ziele nach drei Monaten (Arbeitsunfähigkeitszeiten, subjektive Arbeitsfähigkeit bzgl. körperlicher/psychischer Arbeitsanforderungen [Work Ability Index, WAI], physische und psychische gesundheitsbezogene Lebensqualität [SF-36]) zu quantifizieren. Folgende proximale Ziele aus der Patientenbefragung wurden berücksichtigt: Informiertheit bzgl. Arbeits- und Erwerbsfähigkeit, Verbesserung berufsbezogener Stressbewältigungsfertigkeiten, bessere Bewältigung körperlicher Arbeitsplatzanforderungen, Erwerb neuer Sichtweisen der beruflichen Situation, Unterstützung bei beruflicher Entscheidungsfindung, Wissen über berufliche Leistungsfähigkeit, besserer Umgang mit Konfliktsituationen. Aus dem Entlassungsbericht extrahierte proximale Zielkriterien waren die ärztlich eingeschätzte Arbeitsfähigkeit und die noch leistbare körperliche Arbeitsschwere. Alter, Geschlecht, subjektive Erwerbsprognose, subjektive Arbeitsfähigkeit sowie die jeweiligen Ausgangswerte der Kriterien wurden als Kovariaten berücksichtigt.

Ergebnisse:

Es wurden 185 Personen in die Analyse eingeschlossen (mittleres Alter 49 Jahre, 56 % weiblich). Tabelle 1 enthält signifikante Prädiktoren für die geprüften distalen Ziele. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Entlassungsbericht sagt die Arbeitsunfähigkeitsdauer sowie die subjektive körperliche und psychische Arbeitsfähigkeit vorher. Das Ziel 'Durch die Rehabilitation bin ich den körperlichen Belastungen meines Arbeitsplatzes heute besser gewachsen' prädiziert ebenfalls die Arbeitsunfähigkeitsdauer, die körperliche Arbeitsfähigkeit sowie die körperliche Lebensqualität. Das Ziel 'Durch die Rehabilitation weiß ich jetzt, was ich körperlich noch leisten kann' hat zusätzlichen prädiktiven Wert auf die Arbeitsunfähigkeitsdauer. Das Ziel 'Durch die Rehabilitation habe ich gelernt, wie ich Konfliktsituationen mit Kollegen positiv beeinflussen kann' prädiziert die körperliche Lebensqualität, wobei die Richtung des Zusammenhangs auf einen Supressoreffekt hindeutet. Kein weiteres geprüftes Ziel konnte darüber hinaus die gewählten Ouctomes vorhersagen und keines der Ziele erwies sich als prädiktiv für die psychische Lebensqualität.

Diskussion und Schlussfolgerungen:

Die ärztlich eingeschätzte Arbeitsfähigkeit und die Patienteneinschätzung, den körperlichen Anforderungen des Arbeitsplatzes gewachsen zu sein, sind prädiktiv für Arbeitsunfähigkeitsdauer und körperliche Arbeitsfähigkeit. Die Vorhersage der Lebensqualität (insbesondere der psychischen) aus proximalen Zielen war weniger eindeutig. Gegebenenfalls müssten andere proximale Ziele einbezogen oder die Art der Zielerfassung (direkte vs. indirekte Veränderungsmessung) verändert werden. Kein weiteres der gewählten Ziele erwies sich als prädiktiv für die genannten distalen Parameter. Bivariat fanden sich signifikante Zusammenhänge zwischen fast allen proximalen Zielen und den distalen Outcomes. Eine Kombination verschiedener Zielmessungen erscheint sinnvoll.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357344


Informationsstand: 05.06.2013

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