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Bibliographische Angaben zur Publikation

Therapieassoziierte Polyneuropathien bei Patienten mit Tumorerkrankungen: Folgen für die Teilhabe am Alltag und im Beruf

Poster auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Kaden, Bernhard; Vogt, T.; Körber, J. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 413-414


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

In sozialmedizinischer Hinsicht hat die Diagnose 'Arzneimitteltoxische Polyneuropathie' mit ihren funktionellen Auswirkungen im Sinne der ICF sowohl für den Alltag, als auch für die beruflichen Anforderungen eine große Relevanz. Feinmotorische Fertigkeiten, Anforderungen an die Koordination und die Stand/Gangsicherheit können wegen der Symptome einer Polyneuropathie möglicherweise nur eingeschränkt umgesetzt werden (Voigt-Radloff et al., 2000). In welcher Weise sich eine arzneimitteltoxische Polyneuropathie negativ auf die Teilhabe am Alltag und im Beruf auswirkt und in welchem Umfang mit protrahierten Einschränkungen zu rechnen ist, war bisher nicht eingehend untersucht.

Methode:

In den Rehabilitationskliniken Nahetalklinik Bad Kreuznach und Klinik Nordfriesland wurden sozialmedizinische Daten von 366 Patienten mit einer arzneimitteltoxischen Polyneuropathie nach Tumorbehandlung standardisiert erfragt. Berücksichtigt wurden Patienten nach abgeschlossener Chemotherapie mit zumindest einer stabilen Teilremission. Erhebungen zum Rentenstatus, zum Anteil der Berufstätigen, zu Arbeitsunfähigkeitszeiten, zu beruflichen Anforderungen bezüglich der Arbeitsschwere, der feinmotorischen Fertigkeiten und der Gang/Standsicherheit wurden analysiert. Der Status zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme wurde mit dem nach sechs Monaten in einer Verlaufsbeurteilung verglichen.

Ergebnisse:

70 Prozent der Befragten waren noch erwerbsfähig, 25,1 Prozent bezogen eine Altersrente und 4,9 Prozent eine Erwerbsminderungsrente. 75,1 Prozent wiesen in den zurückliegenden 12 Monaten Arbeitsunfähigkeitszeiten auf, überwiegend länger als sechs Monate. Die berufliche Tätigkeit wurde in der Mehrzahl mit körperlich leicht bis mittelschwer eingestuft. Die Anforderungen an feinmotorische Fähigkeiten waren bei der Berufsausübung deutlich relevanter als die Erfordernisse der Gang- und Standsicherheit. Nach sechs Monaten ergab sich in der subjektiven Einschätzung der Befragten eine weniger belastend empfundene Arbeitsschwere. Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die ihre berufliche Tätigkeit als überwiegend schwer bezeichneten verringerte sich von 14,4 Prozent auf 5,3 Prozent. Die Einschätzung überwiegend leicht erhöhte sich dagegen von 70,0 Prozent auf 77,2 Prozent.

Die durch die PNP bedingten Einschränkungen bei der Berufsausübung wurden zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme von 34,7 Prozent mittelgradig und von 20,1 Prozent erheblich eingeschätzt. Nach 6 Monaten wurden mittelgradige Einschränkungen noch von 23,1 Prozent angegeben. Lediglich für 7,5 Prozent der Befragten waren die Einschränkungen erheblich. In der Einschätzung der Beeinträchtigungen im Verhältnis zur Arbeitszeit gingen zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme 30,9 Prozent davon aus, dass die Einschränkungen überwiegend vorhanden seien, 12,8 Prozent fühlten sich gar nicht beeinträchtigt. Nach 6 Monaten gaben noch 11,2 Prozent in der überwiegenden Arbeitszeit Einschränkungen durch die Polyneuropathie an. Keine Beeinträchtigungen bestanden bei 34,2 Prozent. Zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme waren 70,8 Prozent Patientinnen und Patienten arbeitsunfähig und lediglich 18,6 Prozent wieder beruflich eingegliedert. Nach 6 Monaten waren nur noch 27,6 Prozent arbeitsunfähig. 65 Prozent waren wieder arbeitsfähig. Der Anteil der Arbeitslosen verringerte sich in den 6 Monaten von 10,6 Prozent auf 7,4 Prozent. Dagegen wurden im Befragungszeitraum nur wenige Rentenbewilligungen erteilt. Es kamen 1,9 Prozent Altersrenten und 3,8 Prozent Erwerbsminderungsrenten hinzu.

Schlussfolgerung:

Die Therapiefolgen einer arzneimitteltoxischen Polyneuropathie haben eine große sozialmedizinische Bedeutung in der beruflichen Wiedereingliederung. Ein hoher Anteil der Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer Chemotherapie eine Polyneuropathie entwickeln, ist trotzdem erwerbsfähig. Die berufliche Reintegration gelingt in der Mehrzahl der Fälle. Die subjektiv empfundenen Beeinträchtigungen in der Ausübung der beruflichen Tätigkeit durch die polyneuropathiebedingten Funktionsstörungen sind in der Ausprägung und auch in der Dauer kurze Zeit nach einer ursächlichen Tumortherapie überwiegend mittelgradig bis erheblich. Sie werden nach sechs Monaten deutlich geringer empfunden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://deutsche-rentenversicherung.de/
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV336666


Informationsstand: 29.03.2011

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