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Bibliographische Angaben zur Publikation

Antidiskriminierungsrecht für Menschen mit Behinderung aus rehabilitationsrechtlicher Sicht: Ein Vergleich mit den USA

Vortrag auf dem Achtzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 9. bis 11. März 2009 in Münster



Autor/in:

Fuerst, Anna-Miria


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2009, Sonderausgabe, Seite 280-281, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2009



Abstract:


Anna-Miria Fuerst von der Bucerius Law School stellt in dem Artikel einen Vergleich des Antidiskriminierungsrechts für Menschen mit Behinderung aus rehabilitationswissenschaftlicher Sicht zwischen Deutschland und den USA an.

Die Ziele von Antidiskriminierungsrecht und dem traditionell sozialrechtlich ausgerichteten Recht der beruflichen Rehabilitation gleichen sich in einem wesentlichen Punkt. Beide Materien wollen die verbesserte Integration von Menschen mit Behinderung im Beruf erreichen. Dabei fußt das Antidiskriminierungsrecht weniger auf der Idee eines sozialen Nachteilsausgleichs als vielmehr darauf, das Gleichheitsprinzip durch Beseitigung von stereotypen Denk- und Verhaltensmustern der am Rechtsverkehr beteiligten Akteure durchzusetzen.

Die USA sind das Vorbild eines auf angemessene Vorkehrungen zum speziellen Nachteilsausgleich basierenden Antidiskriminierungsrechts für behinderte Menschen. Dort wurde 1990 ein bundesweit gültiges Antidiskriminierungsgesetz ausschließlich für Menschen mit Behinderung erlassen.

Zwar ist das Konzept eines speziellen Diskriminierungsschutzes für behinderte Menschen rechtsvergleichend gründlich untersucht worden, allerdings bleibt bislang unklar, ob eine solche Antidiskriminierungsgesetzgebung auch wirklich die verhoffte Verbesserung für die Betroffenen mit sich bringen würde.

Die Antwort auf diese Frage setzt voraus, dass die sozialrechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen sich spezielles Antidiskriminierungsrecht für Menschen mit Behinderung in den USA entwickelt hat, umfassend untersucht werden. Dann kann in einem großflächig angelegten Rechts- und Systemvergleich geklärt werden, ob in Deutschland vergleichbare Rahmenbedingungen vorliegen, die eine Übertragung dieses Ansatzes sinnvoll erscheinen lassen.

Fuerst kommt zu dem Ergebnis, dass das System der USA von einer grundlegenden Skepsis gegenüber staatlicher Intervention in sozialen Belangen geprägt ist. Obwohl ein modernes Recht der beruflichen Rehabilitation durchaus vorhanden ist, sorgt das Föderalismusverständnis der US-amerikanischen Verfassung für eine chronische und krasse Unterfinanzierung dieses Bereichs. Zudem fehlt eine passgenaue Einbettung der beruflichen Rehabilitation in das Rentensystem, da der in Deutschland geltende Grundsatz Rehabilitation vor Rente dort in sein Gegenteil verkehrt scheint.

Ein Antidiskriminierungsrecht, das private Akteure zu angemessenen Vorkehrungen für Menschen mit Behinderung verpflichtet, lässt sich in den USA politisch und konzeptionell leichter durchsetzen. Die angemessenen Vorkehrungen können nach Ansicht der Autorin also als verkappter sozialrechtlicher Nachteilsausgleich verstanden werden. Die langjährigen Erfahrungen mit der Wirksamkeit dieses Ansatzes seien eher desillusionierend, da er ein schlagkräftiges Recht der beruflichen Rehabilitation nicht zu ersetzen vermag. Damit ergebe sich für Deutschland, dass besonderes Antidiskriminierungsrecht für behinderte Menschen sozialrechtliche Eingliederungsinstrumente flankieren, jedoch keinesfalls substituieren kann.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '18. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Innovation in der Rehabilitation - Kommunikation und Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV3358X36


Informationsstand: 30.04.2009

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