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Bibliographische Angaben zur Publikation

Entwicklung und erste Validierung der Aachener Funktionsfähigkeits-Itembank

Vortrag auf dem Achtzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 9. bis 11. März 2009 in Münster



Autor/in:

Böcker, Maren; Eberle, Nicole; Wirtz, Markus [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2009, Sonderausgabe, Seite 126-127, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2009



Abstract:


Die Fähigkeit eines Patienten, Tätigkeiten des Alltags zu auszuführen hat sich in der Rehabilitation als wichtigster Prädiktor für den Behandlungserfolg sowie für das Ausmaß, in dem eine Person später wieder in das alltägliche Leben und den gesellschaftlichen Kontext eingebunden ist, erwiesen.

In der Diagnostik kommt der Untersuchung der Funktionsfähigkeit als Aspekt des Konstrukts Aktivitäten entsprechend der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit eine besondere Bedeutung zu. Auch bei der Einschätzung des Grades der Pflegebedürftigkeit, bei der Bewertung von Rehabilitationsmaßnahmen sowie bei gesundheitspolitischen Entscheidungen spielt die Fähigkeit eines Patienten alltägliche Tätigkeiten zu verrichten eine wichtige Rolle.

Beurteilt wird die Funktionsfähigkeit anhand von Acitivity of daily living (ADL)-Skalen. Als problematisch erweisen sich ADL-Skalen im Hinblick darauf, dass die meisten nur für eine bestimmte Rehabilitationsphase entwickelt wurden. ADL-Skalen zu unterschiedlichen Rehabilitationszeitpunkten einzusetzen um Boden- und Deckeneffekt zu vermieden ist schwierig, da die Skalen oft unterschiedliche Inhaltsbereiche abdecken und so die Ergebnisse schwer vergleichbar machen.

Ziel des vorgestellten Forschungsprojektes ist es, ein computergestütztes, adaptives Testverfahren (CAT) zur Erfassung der Funktionsfähigkeit des Alltags zu entwickeln, das erstens die Datenerhebung vereinfacht, zweitens zu genaueren und aussagekräftigeren, diagnostischen Ergebnissen führt und drittens über den gesamten Rehabilitationsverlauf hinweg eingesetzt werden kann. Dabei sollen unter Anlehnung an neuere Forschungserkenntnisse für die differenzierte Diagnostik der Patienten drei zentrale Dimensionen der Funktionsfähigkeit des Alltags erfasst werden und zwar Mobilität, Persönliche Pflege und instrumentelle Aktivitäten sowie Angewandte Kognition.

Zunächst wurden aus den drei Dimensionen Mobilität, Persönliche Pflege und Instrumentelle Aktivitäten sowie Angewandte Kognition Items aus etablierten deutsch- und englischsprachigen ADL-Skalen zusammengetragen und somit der ursprüngliche Itempool konstruiert. Diese wurde wiederum um die Items ergänzt, die diejenigen ICF-Kategorien abdeckten, die bisher vernachlässigt wurden. Die insgesamt 354 Items wurden 39 Experten vorgelegt, die eine Beurteilung vornahmen in wieweit die jeweiligen Items für Patienten mit neurologischen Erkrankungen für relevant halten. Es blieben 220 Items übrig, die neurologischen Patienten verschiedener Rehabilitationsphasen vorgegeben wurden. Die Antworten von über 500 neurologischen Patienten wurden mit Hilfe des Partial-Credit-Modell ausgewertet um für jede der drei Dimensionen derjenigen Items zu identifizieren, die den Selektionskriterien für Rasch-Skalen genügen.

Die Ergebnisse der Rasch-Analyse zeigten, dass sich für alle drei Dimensionen eine große Anzahl von Items ausmachen ließ (von 44 Items für die Dimension Mobilität bis 64 Items für die Dimension Angewandte Kognition), die den Rasch-Selektionskriterien genügen. Dabei decken die Items bei guter Item-Reliabilität eine große Spannbreite an Itemschwierigkeiten ab.

Dass Funktionsfähigkeit im Alltag nicht als eindimensionales Konstrukt zu verstehen ist, unterstrichen die Korrelationsanalysen der Personenkennwerte für die drei Dimensionen. Die Skala Angewandte Kognition korrelierte nicht hoch mit den beiden anderen Skalen. In allen drei Bereichen der Funktionsfähigkeit des Alltags zeigte der Vergleich der Selbst- und Fremdeinschätzung für eine Substichprobe ambulanter Patienten eine gute Übereinstimmung zwischen den Patienten und ihren Angehörigen, wobei die Übereinstimmung in den beiden Skalen Mobilität und Persönliche Pflege und Instrumentelle Aktivitäten am höchsten war.

Mit der Aachener Funktionsfähigkeit-Itembank wurde eine gute Basis um in der neurologischen Rehabilitation Patienten mit einem Funktionsfähigkeits-CAT zu untersuchen. Durch das Untersuchen der drei Dimensionen Mobilität, Persönliche Pflege und Instrumentelle Aktivitäten sowie Angewandte Kognition kann eine differenzierte Diagnostik über ein breites Schwierigkeitsspektrum hinweg ermöglicht werden. Vergleicht man Selbst- und Fremdeinschätzung eines Patienten, kann man Rückschlüsse auf die Krankheitseinsicht des jeweiligen Patienten ziehen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '18. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Innovation in der Rehabilitation - Kommunikation und Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

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Referenznummer:

R/NV3358X06


Informationsstand: 15.04.2009

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