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Bibliographische Angaben zur Publikation

SprungBRETT - Damit es nach der Schule weiter geht!

Beratung und Begleitung für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten beim Übergang von der Schule in das Arbeitsleben



Sammelwerk / Reihe:

Integration heute - Perspektiven ihrer Weiterentwicklung in Theorie und Praxis


Autor/in:

Ginnold, Antje; Radatz, Joachim


Herausgeber/in:

Feuser, Georg


Quelle:

Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Lang, 2003, Seite 257-273


Jahr:

2003



Abstract:


Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit haben es Jugendliche und junge Erwachsene mit Lernbehinderung besonders schwer, im Anschluss an ihre Schulzeit einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes zu finden. Die Bundesanstalt für Arbeit und die Jugendberufshilfe bieten daher seit mehreren Jahren berufsvorbereitende Maßnahmen an, um die Beschäftigungschancen der Jugendlichen zu erhöhen und Langzeitarbeitslosigkeit mit ihren psychosozialen Folgen zu vermeiden. Jugendliche mit Lernbehinderung durchlaufen nach ihrer Schulzeit häufig solche Maßnahmen. Derartige Angebote lösen das Problem jedoch nicht grundsätzlich, sondern entwickeln sich zunehmend zu Warteschleifen und schieben sich zwischen Schule, Ausbildung und Beschäftigung (LINDMEIER 1999, S. 235).

Nach Abschluss einer Maßnahme folgt häufig die nächste - beispielsweise eine außerbetriebliche Ausbildung, aber auch die Aufnahme in eine Werkstatt für behinderte Menschen - oder im ungünstigsten Falle Arbeitslosigkeit. Es besteht die Gefahr, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit Lernbehinderung den Einstieg in das Erwerbsleben verpassen und dauerhaft von einer Beschäftigung in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes ausgeschlossen bleiben. Hinzu kommt, dass es dem bestehenden und hoch ausdifferenzierten System der beruflichen Qualifizierung an Transparenz und Übersichtlichkeit mangelt (vgl. GINNOLD 2000 und 2004; BUNDESANSTALT FüR ARBEIT 2002). Über die Vielfalt der Wege innerhalb und nach der Schule wird wenig informiert. Eine wirkliche Wahl haben die Jugendlichen und ihre Familien daher nicht. Insbesondere für Jugendliche mit geistiger Behinderung scheint der Weg in die Werkstatt für behinderte Menschen alternativlos vorgezeichnet.

Die Zuständigkeit der Schule für ihre SchülerInnen endet im Allgemeinen nach der Schulentlassung. Eine Kooperation zwischen der abgebenden Schule und den aufnehmenden Institutionen ist häufig einseitig auf außerbetriebliche Ausbildungsträger gerichtet und besteht selten zu Berufsschulen oder Betrieben. Das bedeutet, dass bereits die Praktika während der Schulzeit bei den außerbetrieblichen Trägern durchgeführt werden und anschließend eine Platzierung der Jugendlichen vorrangig dort vorgenommen wird. Eine nachgehende Betreuung der Jugendlichen durch die LehrerInnen ist selten möglich.

Vor dem Hintergrund dieser allgemeinen Situation entwickelten in Berlin die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport und die Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik (ISB) gGmbH gemeinsam die Idee für ein Projekt, das die Beratung und Begleitung der Jugendlichen mit Lernbehinderung beim Übergang von der Schule in das Arbeitsleben übernehmen sollte. Seit April 1999 schließt das Projekt SprungBRETT die bestehende Lücke in der Beratung und Begleitung zwischen Schule und Arbeitsleben. Gemeinsam mit allen am Prozess Beteiligten versuchen die ProjektmitarbeiterInnen, einen individuell passenden Weg nach der Schule für jeden Einzelnen zu finden und die Jugendlichen auf diesem zu begleiten. Dabei soll einerseits das gesamte Spektrum der Möglichkeiten zur beruflichen Qualifizierung für eine passgenaue Platzierung der Jugendlichen genutzt werden. Andererseits geht es darum, neue betriebsintegrierte Strukturen und Wege zu erschließen.

Zielgruppe des Projekts sind Jugendliche mit Lernbehinderung aus Integrationsklassen und Jugendliche aus Schulen für Lernbehinderte mit den Schulversuchen BO 10 und BESO 10/11. Die Kontaktaufnahme mit den Jugendlichen erfolgt in der Regel im zehnten Schuljahr. Zum einen benötigt der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen der/dem Jugendlichen und der/dem ProjektmitarbeiterIn Zeit. Zum anderen unterstützt SprungBRETT die Berufsorientierung der Jugendlichen während der Schulzeit. Die Dauer der Begleitung richtet sich nach dem individuellen Bedarf der Jugendlichen und wird maximal durch die Projektlaufzeit begrenzt.

SprungBRETT wird in der Trägerschaft der Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik (ISB) gGmbH durchgeführt und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und Landesmitteln finanziert, zzt. der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport. Die Finanzierung ist bis Ende 2005 beantragt.

Unterstützte Beschäftigung und Alltagsbegleitung bilden den konzeptionellen Rahmen der Projektarbeit. Beide Ansätze sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte komplementär. Das Konzept der Unterstützten Beschäftigung ist auf den Arbeitszusammenhang ausgerichtet, d.h. auf die berufliche Integration, und in dieser Hinsicht methodisch durchgearbeitet. Das Konzept der Alltagsbegleitung zielt auf die soziale Integration insgesamt ab. Es gibt praktische Hinweise und Handreichungen für die Unterstützung in allen Lebensbereichen, von denen Arbeit nur ein Teilbereich ist (vgl. Schroeder/Storz 1994; Storz/Stein-Siegle 1994).

Für die Arbeit von SprungBRETT hat sich gerade die Kombination beider Konzepte bewährt. Eine konkrete Unterstützung durch Arbeitsassistenz am Praktikums,- Ausbildungs- oder Arbeitsplatz kann manchmal ausreichend sein. Oft greift dies jedoch zu kurz. Schwierigkeiten in anderen Lebensbereichen können (zeitweise) so bestimmend werden, dass die berufliche Orientierung und Integration teilweise oder ganz gefährdet beziehungsweise nicht möglich ist, bis eine Stabilisierung in den diesen Lebensbereichen erreicht wurde. So bietet SprungBRETT Unterstützung beispielsweise in den Bereichen Wohnen, Eltern, Aufenthaltsstatus, Schwangerschaft und Finanzen.

Inzwischen liegen mehrere Projektberichte vor, in denen das Konzept, die Arbeitsweise, die erreichten Ergebnisse sowie zahlreiche Beispiele von Entwicklungsverläufen ausführlich dokumentiert wurden (RADATZ und andere 2000, 2001, 2003 sowie GINNOLD/ RADATZ 2003).

In dem Beitrag werden die wichtigsten Ergebnisse kurz dargestellt. Seit Projektbeginn (April 1999) nahmen über 500 Jugendliche und junge Erwachsene mit Lernschwierigkeiten die Unterstützung von SprungBRETT in Anspruch.

Derzeit werden circa 90 Jugendliche betreut. Das Verhältnis von jungen Frauen und Männern beträgt etwa ein Drittel zu zwei Drittel. Die Zahlen variieren entsprechend den Projektkapazitäten, da die individuelle Begleitdauer der Jugendlichen unterschiedlich ist und Neuaufnahmen an freie Plätze gebunden sind. SprungBRETT kooperierte bisher mit 35 Schulen, davon 20 Integrationsschulen, elf Schulen für Lernbehinderte und zwei Berufsschulen mit sonderpädagogischen Aufgaben. Aufgrund von Einschnitten in der Finanzierung werden derzeit lediglich neuen Integrationsschulen und die zwei Berufsschulen bedient. Bei SprungBRETT sind zurzeit sieben MitarbeiterInnen (vier Frauen und drei Männer) auf Teil- und Vollzeitstellen sowie ein Projektleiter beschäftigt.

SprungBRETT organisierte und begleitete bisher circa 800 Praktika. Diese erwiesen sich als Schlüsselelement sowohl im Hinblick auf die Ermittlung der beruflichen Wünsche und Fähigkeiten der Jugendlichen als auch bezüglich der angestrebten Integrations- und Überleitungsprozesse (vgl. RADATZ/GINNOLD 2003). Die Akquise der Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze erfolgte teilnehmerorientiert. So konnten mehr als 300 Berliner Wirtschaftsbetriebe für die Kooperation gewonnen werden.

Es ist den ProjektmitarbeiterInnen bis zum Herbst 2003 gelungen, 178 Jugendliche in eine Ausbildung, betriebliche Berufsvorbereitung oder Arbeit zu vermitteln. Davon waren 42 betriebliche Ausbildungsverhältnisse (23,6 Prozent), 71 außerbetriebliche Ausbildungen (39.9 Prozent), 39 betriebliche Berufsvorbereitungen (21,9 Prozent), 19 reguläre Arbeitsverhältnisse (10, 7 Prozent) und 7 andere Beschäftigungsverhältnisse (3,9 Prozent) (Stand Herbst 2003). Aufgrund von immer wiederkehrenden Finanzierungsproblemen kam es zu Projektunterbrechungen und vorzeitigen Abbrüchen der Begleitprozesse. So konnten nicht alle Übergänge bis zum Ende begleitet und dokumentiert werden.

(Gem. Autorenreferat)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


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Sammelwerk 'Integration heute - Perspektiven ihrer Weiterentwicklung in Theorie und Praxis' | REHADAT-Literatur
Weitere Berichte zum Modellprojekt SprungBrett | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Peter Lang GmbH - Internationaler Verlag der Wissenschaften
Homepage: https://www.peterlang.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV251803


Informationsstand: 23.01.2006

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