Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Möglichkeiten und Risiken für Behinderte: Telearbeit - was ist das?

In Teil 1: Hilfestellungen zur praktischen Einführung von Telearbeitsplätzen für behinderte Menschen



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Mit Telearbeit bezeichnet man alle auf moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) gestützten und regelmäßig erbrachten Tätigkeiten, die teilweise oder ausschließlich an einem außerhalb des Betriebs liegenden Arbeitsplatz verrichtet werden. Folgende Formen der Telearbeit werden unterschieden:

- Telearbeit zu Hause: Telearbeit die ausschließlich zu Hause in der Wohnung erbracht wird
- Alternierende Telearbeit: Telearbeit, die teils zu Hause und teils in der Betriebsstätte erbracht wird
- Telearbeit in Satelliten- oder Nachbarschaftsbüros: Telearbeit, die in ausgelagerten Büros des Unternehmens oder in einem Gemeinschaftsbüro unterschiedlicher Unternehmen in Wohnraumnähe der Telearbeiter erbracht wird
- Mobile Telearbeit: Telearbeit, die an wechselnden Orten, zum Beispiel im Außendienst oder in Betrieben von Kunden oder Lieferanten, erbracht wird. Zu Vor- und Nachteilen der verschiedenen Organisationsformen von Telearbeit für behinderte Menschen siehe auch Dokument D0022.

Begünstigt durch die technologische Entwicklung und die fallenden Preise der Produkte und Leistungen auf diesem Gebiet ist die Anzahl der Telearbeitsplätze in den letzten Jahren stark angestiegen. Nach den Ergebnissen einer im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung durchgeführten repräsentativen Befragung (Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: Entwicklung der Telearbeit - Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen. Forschungsbericht Band 269, Bonn 9/1997) gibt es in Deutschland gegenwärtig circa 875.000 Telearbeiter.

Einbezogen wurden bei dieser Erhebung auch Telearbeitsplätze, die nicht per elektronischer Kommunikationsmittel mit dem Unternehmen verbunden waren. Die am meisten verbreitete Form ist demnach die mobile Telearbeit mit circa 500.000 Arbeitsplätzen und die alternierende Telearbeit mit circa 350.000 Arbeitsplätzen. Telearbeit, die ausschließlich zu Hause erbracht wird, hat mit 22.000 Telearbeitsplätzen bisher noch keine große zahlenmäßige Bedeutung erreicht. Auch die Zahl der Personen, die Telearbeit im Satelliten- und Nachbarschaftsbüro ausüben, ist mit 3.500 Arbeitsplätzen vergleichsweise gering.

Gefahren dieser Entwicklung dürfen nicht übersehen werden. Sie werden einerseits unter dem Stichwort Globalisierung diskutiert. Die Auslagerung von Produktionsstätten und Dienstleistungsbetrieben ins kostengünstige Ausland wird von Unternehmen immer stärker genutzt, Arbeitsplätze in Deutschland geraten damit unter steigenden Konkurrenzdruck. Dies betrifft nicht nur wenig qualifizierte Tätigkeiten, sondern auch hochqualifizierte Arbeiten werden und a. mittels Telearbeit ausgelagert. Andererseits werden sich auch die weiterbestehenden Arbeitsverhältnisse wandeln.

Gegenwärtig wird Telearbeit noch in den meisten Fällen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen durchgeführt. Gleichzeitig lassen sich jedoch eine Vielzahl von Hinweisen in der Literatur finden, die auf das gegen das normale Arbeitsverhältnis gerichtete Potenzial der Telearbeit aufmerksam machen: 'Sicher ist indes: Telearbeit wird zu einem Wandel in der Arbeitsorganisation führen und die sozialen, rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen von Arbeit verändern. Diesen Prozess müssen wir gestalten. ' (Wolfgang Clement: Perspektiven für Telearbeit in Nordrhein-Westfalen. In: media NRW: Telearbeit und Telekooperation. Hrsg.: Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Duisburg, 1997).

Unternehmen werden zunehmend die neuen Möglichkeiten nutzen, um Arbeits- und Dienstleistungen auf einem aufgrund der neuen IuK-Technologien zeitlich und räumlich ungleich weniger beschränkten Markt frei einzukaufen. Für behinderte Menschen ist das sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnis allerdings um so wichtiger, als die gesetzlichen Regelungen zur Förderung der beruflichen Integration behinderter Menschen auf dem Normalarbeitsverhältnis basieren. Eine andere Seite der Flexibilisierung könnte dagegen Behinderten neue Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt eröffnen.

Die weniger auf starren betrieblichen Arbeitszeiten und persönlicher Anwesenheit am Betriebsort beruhende, dafür mehr am Arbeitsergebnis orientierte Organisationsform der Arbeit bietet im Prinzip die Möglichkeit, Anforderungen des Betriebs und Notwendigkeiten und Bedürfnisse behinderter Menschen besser in Einklang zu bringen. Telearbeit wurde nicht zur beruflichen Integration behinderter Menschen erfunden und wird nicht ihnen zuliebe zunehmend eingeführt. Es handelt sich um eine Arbeitsmarktentwicklung, der sich Behinderte, ihre Verbände, die einschlägigen Institutionen und Bildungsträger stellen müssen. Dabei ist zunächst zu prüfen, ob und welche Chancen für die berufliche Integration Behinderter durch die Zunahme von Telearbeitsverhältnissen bestehen.

Literatur zu Telearbeit


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kapitelübersicht: Möglichkeiten und Risiken für Behinderte




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0017


Informationsstand: 01.08.2002

in Literatur blättern