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Inklusionsbetriebe

Junge Kellnerin steht in einer Küche mit Köchen im Hintergrund

Unternehmen mit sozialem Auftrag

Inklusionsbetriebe sind Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes mit besonderem sozialen Auftrag. Sie bieten Qualifizierungsmöglichkeiten und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse für Menschen mit Behinderung. Insbesondere richten sie sich an schwerbehinderte Menschen, deren berufliche Teilhabe besonders erschwert ist aufgrund der Art und Schwere ihrer Behinderung oder anderer Umstände.

Vorreiter der beruflichen Inklusion:

In Inklusionsbetrieben arbeiten in der Regel behinderte und nichtbehinderte Menschen gemeinsam. Die Unternehmen beschäftigen jedoch bis zu 50 Prozent Schwerbehinderte und verwirklichen dadurch in weitaus höherem Maß berufliche Teilhabe als andere Firmen. Die Beschäftigung in einem Inklusionsbetrieb kann den Übergang vorbereiten zu einer sonstigen Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Wechselnde Bezeichnungen:

Neben der Bezeichnung "Inklusionsbetrieb", die durch das Bundesteilhabegesetz eingeführt wurde und den neuen Bezeichnungen "Inklusionsfirma" und "Inklusionsunternehmen", findet man derzeit auch noch die bisher verwendeten Begriffe Integrationsfirma, Integrationsunternehmen, Integrationsprojekt. Alle Benennungen meinen in der Regel dasselbe.

Unterschiedliche Rechtsformen:

Inklusionsbetriebe können rechtlich selbstständige Unternehmen sein oder rechtlich unselbstständige unternehmensinterne Betriebe oder Abteilungen. Inklusionsbetriebe, die rechtlich selbstständige Unternehmen sind, werden überwiegend in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführt.

Mindestquote:

Inklusionsbetriebe sollen seit dem 1. Januar 2017 laut Bundesteilhabegesetz (§ 215, Absatz 4, SGB IX) mindestens 30 Prozent schwerbehinderte Menschen beschäftigen. (Psychisch erkrankte Menschen auch ohne  anerkannte Schwerbehinderung zählen mit zur Quote). Der Anteil der schwerbehinderten Menschen soll in der Regel 50 Prozent nicht übersteigen. Die bisherige Mindestquote lag bei 25 Prozent.

Personenkreis / Zielgruppen

Inklusionsbetriebe richten sich an schwerbehinderte Menschen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf.

Das SGB IX beschreibt im Paragraf 215 wer zu diesem Personenkreis zählt:

  • schwerbehinderte Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung oder mit einer schweren Körper-, Sinnes- oder Mehrfachbehinderung, die sich im Arbeitsleben besonders nachteilig auswirkt und allein oder zusammen mit weiteren vermittlungshemmenden Umständen die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt außerhalb eines Integrationsprojekts erschwert oder verhindert,
  • schwerbehinderte Menschen, die nach zielgerichteter Vorbereitung in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder einer psychiatrischen Einrichtung für den Übergang in einen Betrieb oder eine Dienststelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Betracht kommen und auf diesen Übergang vorbereitet werden sollen,
  • schwerbehinderte Menschen nach Beendigung einer schulischen Bildung, die nur dann Aussicht auf eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt haben, wenn sie zuvor in einem Integrationsprojekt an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen teilnehmen und dort beschäftigt und weiterqualifiziert werden,
  • schwerbehinderte Menschen, die langzeitarbeitslos im Sinne des § 18 des Dritten Buches sind (ein Jahr und länger).

Erweiterter Personenkreis seit dem 1. Januar 2017

Das Bundesteilhabegesetz (§ 215, Absatz 4, SGB IX) hat den Personenkreis erweitert auf psychisch kranke Menschen, die behindert oder von Behinderung bedroht sind (ohne dass eine Schwerbehinderung anerkannt sein muss), und deren Teilhabe an einer sonstigen Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf besondere Schwierigkeiten stößt.

Begleitende Unterstützung und Angebote

Zu den Angeboten der Inklusionsbetriebe für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung kann gehören:

  • arbeitsbegleitende Betreuung
  • nach Bedarf berufliche Qualifizierungsmaßnahmen
  • Berufsausbildung
  • Unterstützung bei der Vermittlung in eine andere Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
  • neben regulären Arbeitsplätzen auch stundenweise Beschäftigungsmöglichkeiten im Modell des sogenannten "Zuverdienst"

Zuverdienstangebote

Einige Inklusionsbetriebe bieten neben regulären Arbeitsplätzen Beschäftigungsmöglichkeiten an im Modell des sogenannten "Zuverdienst".

Zielgruppe:

Zuverdienstangebote richten sich an Menschen, die dauerhaft erwerbsgemindert sind und deren Leistungsvermögen unterhalb von drei Stunden Arbeit täglich liegt. Eine Vielzahl von ihnen ist psychisch erkrankt oder behindert. Dies bedeutet nicht, dass sie nicht arbeiten können und wollen. Sie benötigen allerdings einen passenden Rahmen.

Rahmenbedingungen von Zuverdienstangeboten:

  • angepasste Arbeitszeiten auch unter drei Stunden täglich
  • individuelle Arbeitsanforderungen
  • Rücksichtnahme auf Leistungsschwankungen und Krankheitsausfälle
  • (wenn möglich) keine zeitliche Beschränkung der Beschäftigungsdauer

Niedrigschwelliges Konzept:

Die Nutzer/innen brauchen weder eine ärztliche Verordnung bzw. Begutachtung und die angebotenen Tätigkeiten sind in ihren Anforderungen (z. B. was Zeit und Arbeitsintensität angeht) an den physischen und psychischen Möglichkeiten der Nutzer/innen ausgerichtet.

Zuverdienstangebote gibt es in vielen Bereichen und mit unterschiedlichen Konzeptionen (Zuverdienstfirmen, Zuverdienstprojekte oder Einzelarbeitsplätze in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes).

Entlohnung:

In den meisten Fällen handelt es sich bei den Zuverdiensttätigkeiten um eine „betreute“ oder „therapeutische“ Tätigkeit, also kein reguläres Beschäftigungsverhältnis. In diesen Fällen wird auch kein „Lohn“ sondern in der Regel eine sogenannte Motivationszuwendung oder Mehraufwandsentschädigung gezahlt.

In einzelnen Regionen gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung eine Zuverdiensttätigkeit aufzunehmen. Hier wird ein regulärer Arbeitsvertrag geschlossen, mit Tariflohn und psychosozialer Unterstützung bei der betreffenden Tätigkeit.

Geschäftsfelder / Branchen

Insgesamt bieten in Deutschland mehr als 900 Inklusionsbetriebe Arbeitsplätze an in den verschiedensten Branchen. Das Spektrum der Geschäftsfelder wird stetig erweitert und verändert. Inklusionsbetriebe müssen sich dem Wettbewerb mit anderen Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes stellen und passen bei Neugründungen oder Umstrukturierungen ihre Geschäftsmodelle entsprechend der Nachfrage an.

Inklusive Unternehmen bieten Arbeitsplätze und Dienstleistungen in den Bereichen

  • Bürodienstleistungen / Grafik / IT
  • Garten- und Landschaftspflege
  • Gastronomie / Event / Freizeit
  • Haus / Gebäude / Bauen
  • Hauswirtschaft / Soziale Dienste
  • Industriedienstleistungen
  • Handel / Verkauf
  • Handwerk / Kunsthandwerk
  • Kfz / Zweirad / Werkstatt
  • Landwirtschaft / Lebensmittelerzeugung
  • Recycling / Entsorgung

Finanzielle Förderung

Inklusionsbetriebe können Zuschüsse erhalten für

  • betriebswirtschaftliche Beratung
  • Aufbau
  • Erweiterung
  • Modernisierung
  • Ausstattung eines Unternehmens

Daneben können sie, wie andere Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen von schwerbehinderten Menschen auch, Geldleistungen beantragen, zum Beispiel für

  • behinderungsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen
  • Ausgleich für Minderleistungen
  • notwendige personelle Unterstützung
  • Lohnkostenzuschüsse

Grundlegende Kostenträger:

Die wichtigsten Kostenträger sind die Integrationsämter des jeweiligen Bundeslandes.

Eventuelle weitere Kostenträger in der Startphase können die Agentur für Arbeit sein oder das Jobcenter sowie Stiftungen.

Unterschiedlich nach Bundesland kann es zudem besondere Sonderförderprogramme oder kommunale Zuschüsse geben zur Förderung von Inklusionsbetrieben.

Gründungsberatung und Ansprechpartner

Integrationsämter:

Erste Ansprechpartner zu Fragen der Gründung und Förderung sind die Integrationsämter, da sie Hauptkostenträger und Bewilligungsbehörde für die Inklusionsbetriebe sind.

Die betriebswirtschaftliche Begleitung der Inklusionsbetriebe durch die Integrationsämter ist je nach Bundesland und Integrationsamt-Struktur unterschiedlich organisiert. Manche Integrationsämter haben eigene Referate, die die Gründung und den Aufbau von Inklusionsbetrieben durch intensives Monitoring begleiten.

Manche Integrationsämter arbeiten fest mit speziellen externen Beratungsunternehmen zusammen.

Ergänzend können von den Integrationsämtern die örtlichen Agenturen für Arbeit und die Jobcenter mit eingebunden werden, da sie für arbeitslose Menschen einen Eingliederungszuschuss finanzieren können.

Kammern und gewerkspezifische Beratungsanbieter:

Gewerkspezifische Berater und Beraterinnen der Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und von branchenbezogenen Organisationen (wie die DEHOGA im Gastronomiebereich) können bei der Entwicklung eines branchenspezifischen Geschäftsmodells helfen und bei der Erstellung betriebswirtschaftlicher Gutachten.

Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte (FaF):

Das Beratungsunternehmen mit verschiedenen Standorten in Deutschland wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationfirmen (bag if) gegründet und berät seit vielen Jahren bei der Gründung und dem Aufbau von Integrationsprojekten / Inklusionsbetrieben in den unterschiedlichsten Branchen.

Aktion Mensch:

Die Aktion Mensch fördert den Auf- und Ausbau von Inklusionsbetrieben durch Investitionskostenzuschüsse. Vorher wird geprüft, ob ein öffentlicher Kostenträger wie das Integrationsamt vorrangig fördern kann.

Die Aktion Mensch hat auf ihrer Internetseite einen Account eingerichtet, über den Förderanträge gestellt werden können.

Autorin / Autor: (kn) 2017