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Praxisbeispiel Betriebliches Eingliederungsmanagement für einen Programmierer

Wo lag die Herausforderung?

Nach einem Wegeunfall hat der Programmierer eine Querschnittlähmung und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Bedingt durch den Unfall war er lange krank und es musste eine Lösung zur Anpassung der Bedingungen an die Rollstuhlnutzung für den privaten und beruflichen Bereich gefunden werden.

Was wurde gemacht?

Im durchgeführten Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) war der REHA-Manager der Berufsgenossenschaft die Ansprechperson in allen Fragen, dazu gehörte auch die Wohnsituation, Mobilität und der Arbeitsplatz. Das Wohnhaus und der Zugang wurden barrierefrei gestaltet. Für den Arbeitsweg wird ein auf Handbedienung angepasstes Kfz eingesetzt. Der barrierefreie Zugang zum Arbeitsplatz wurde durch einen automatischen Türöffner und behindertengerechten Personenaufzug erreicht. Auch der Arbeitsplatz wurde behinderungsgerecht durch einen höhenverstellbaren Schreibtisch und das WC barrierefrei gestaltet.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Berufsgenossenschaft bzw. gesetzliche Unfallversicherung übernahm die Kosten für die medizinische und berufliche Rehabilitation, da es sich um einen Wegeunfall auf dem Arbeitsweg handelte. Die Förderung beinhaltete auch sämtliche behinderungsbedingte Hilfsmittel, Anpassungen und Anschaffungen zum Wohnen, zur Mobilität und zur Tätigkeitsausübung.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Berufsgenossenschaften.

Unternehmen und Mitarbeiter

Der Programmierer ist 32 Jahre alt und seit acht Jahren in einem IT- Unternehmen, in dem 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Im Betrieb wird Software für Klein- und mittelständische Unternehmen mit individuellen Lösungen entwickelt. Es gibt einen Betriebsrat, und das BEM ist noch in den Anfängen.

Ein Autounfall mit schweren Folgen

Als der Programmierer an einem Dienstag im Juni zur Arbeit fährt, ist er an einem schweren Autounfall beteiligt. Er erleidet schwere Verletzungen und wird sofort in das berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus zur Akutversorgung gebracht. Von seinem Unternehmen wird ein Wegeunfall an die zuständige Berufsgenossenschaft gemeldet.

Der Programmierer liegt drei Wochen im Koma. Nach seinem Erwachen und vielen neurologischen Untersuchungen wird eine Querschnittlähmung festgestellt. Bald darauf wird eine medizinische Rehabilitation eingeleitet.

Physische und psychologische Unterstützung

Durch einfühlsame Gespräche und nach vielfältiger Unterstützung lernt der Programmierer seine Situation zu akzeptieren. Er lernt langsam, seine verbleibenden Kräfte sinnvoll einzusetzen. Seine Beine kann er nicht mehr bewegen, aber ein Rollstuhl und die Kraft seiner Arme machen ihn mobil. Der Programmierer hat einen starken Willen und war auch vor seinem Unfall ein ausdauernder und disziplinierter Sportler. Er ist mit seinem Rollstuhl sogar schneller als jeder andere und bewegt sich sehr geschickt. Er steht in ständigem Kontakt mit dem berufsgenossenschaftlichen Reha-Manager und mit der Hilfsmittelberatung.

Umbau im häuslichen Bereich

Der Programmierer lebt allein. Inzwischen ist der Schlafbereich im ersten Stock seiner Wohnung in einem Reihenhaus seinen Bedürfnissen angepasst.
Es wird alles so gestaltet, dass er weitgehend selbständig leben kann. Dazu gehört ein Treppenlift, um in die obere Etage zu gelangen. Das Badezimmer wird nach den DIN-Vorschriften für Rollstuhlfahrer umgebaut, außerdem werden alle Türen im Haus verbreitert. Die Küche wird unterfahrbar und mit höhenverstellbaren Oberschränken eingerichtet. Der Eingangsbereich des Hauses, mit bisher zwei Stufen, wird ebenerdig gebaut. Seine häusliche Situation ist bald behindertengerecht gestaltet.

Technische Anpassung am Arbeitsplatz

Der Programmierer fühlt sich zunehmend den Anforderungen seines neuen Lebens gewachsen; er möchte und kann wieder arbeiten. Aber die Umgebung an seinem alten Arbeitsplatz ist keineswegs behindertengerecht. Der Reha-Manager ermutigt ihn. Er ist sich sicher, dass es dafür Lösungen gibt.

Das IT-Unternehmen befindet sich im zehnten Stockwerk eines zwölfstöckigen Hochhauses, das nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurde und unter Denkmalschutz steht. Um in das Haus zu kommen, müssen im Eingangsbereich drei Stufen überwunden werden. Es gibt im Haus zwei Personenaufzüge, die nicht ausreichend Platz für einen Rollstuhl bieten. Ein vorhandener alter Lastenaufzug ist für die Personenbeförderung nicht zulässig. Was tun?

Der Reha-Manager der Berufsgenossenschaft organisiert mit dem Unternehmen, einem Vertreter der Hausverwaltung, mit einem Mitarbeiter der Behörde für Denkmalschutz und einem technischen Berater der Arbeitsschutzbehörde eine Begehung, um die Situation vor Ort zu besprechen. Nach einigen Diskussionen über die Machbarkeit wird man sich einig: Der vorhandene Lastenaufzug wird zu einem behindertengerechten Personenaufzug umgebaut. Im Eingangsbereich wird zur Niveauangleichung der Gehweg angehoben, so dass man ebenerdig mit dem Rollstuhl ins Gebäude gelangen kann. Ein Kostenvoranschlag wird eingeholt und die Erlaubnis zur Realisierung der Veränderungspläne beantragt.

Veränderungen sind auch am direkten Arbeitsplatz notwendig. Die Eingangstür zum Büro wird mit einem automatischen Türöffner versehen. Von den drei Toiletten auf der Firmenetage wurden zwei zusammengelegt und zu einem behindertengerechten WC umgebaut. Alle Türen werden daraufhin geprüft, ob sie die vorgeschriebene Breite für einen Rollstuhlfahrer aufweisen. Der Arbeitsplatz des Programmierers erhält einen absenkbaren Schreibtisch, mit dem sich die individuelle Arbeitshöhe einrichten lässt.

Kraftfahrzeughilfe

Und wie kommt der Programmierer zur Arbeit? Auch hierfür wird eine Lösung gefunden: Er stellt einen Antrag auf Kraftfahrzeughilfe. Ein Auto wird für ihn umgebaut und er absolviert ohne Probleme eine Fahrprüfung für die neue Technik, die auch den Rollstuhl automatisch verstaut. Nach kurzer Zeit kommt er auch mit dem Einsteigen ins Auto gut zurecht. Der Programmierer freut sich, sein Leben wieder selbständig führen zu können und in das Arbeitsleben integriert zu sein.

Resümee

Es versteht sich von selbst, dass es ein sehr langer Weg für den Verunfallten war und noch ist. Verzweiflung, Schmerzen und eine Menge Mut gehören zu diesem Weg. Kompetente Beratung, Begleitung und ein materieller Rückhalt sind notwendige Bedingungen für das Gelingen einer Rehabilitation, die in solch einem Umfang, die gesamte Innen- und Außenwelt des Betroffenen verändert.

Vor allem entscheiden die alltäglichen sozialen und materiellen Rahmenbedingungen über eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und in die Arbeitsprozesse. Mit dem Unternehmen und den Kolleginnen bzw. Kollegen war und ist der Programmierer im ständigen Kontakt. Es wurde ihm angeboten, während der erforderlichen Umbauarbeiten im Betrieb zu Hause zu arbeiten. Das Angebot nahm er gerne an, obwohl dies für ihn nur eine Übergangslösung ist, denn er will wie alle anderen Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz im Betrieb nutzen. Mit einer langsamen Wiedereingliederung in den beruflichen Alltag kann er nun seine Belastbarkeit erproben.

Durch die optimale medizinische Betreuung, die im Vordergrund aller Bemühungen stand, sowie seine berufliche und soziale Wiedereingliederung wird hier, mit Unterstützung der Berufsgenossenschaft, die Integration des Programmierers ins Arbeitsleben mit hoher Wahrscheinlichkeit gelingen.

Quelle

Dies ist ein Praxisbeispiel vom Institut für Personalentwicklung und Coaching (ipeco) aus dem Buch: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement – herausgegeben vom W. Bertelsman Verlag (wbv).

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Referenznummer:

Pb/110899


Informationsstand: 03.11.2022