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Infobrief REHADAT-talentplus Köln, Mai 2013
 
Auszubildende gesucht
Im Ausbildungsjahr 2012 konnten über 33.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. In einigen Regionen und Branchen sind schon jetzt nicht die Lehrstellen Mangelware, sondern die Bewerber. Das Problem verstärkt sich, denn die Zahl der Schulabgänger sinkt weiter. Nach einer Schätzung des DIHK werden bereits im kommenden Jahr 65.000 junge Leute weniger die Schule verlassen.

Die betriebliche Ausbildung gehört zu den wichtigsten Bausteinen der Fachkräftesicherung. Unternehmen, die auch in der Zukunft junge Menschen ausbilden möchten, müssen neue Wege gehen.

Eine Möglichkeit ist, den Blick auf die Talente und Fähigkeiten junger behinderter Menschen zu richten. Viele Beispiele aus der Praxis zeigen, dass eine betriebliche Ausbildung gut gelingen kann.

Neues Portal REHADAT-Bildung

Es gibt viele Gründe, Jugendliche mit einer Behinderung im Betrieb auszubilden. Im neuen Portal www.rehadat-Bildung.de finden Sie Beispiele aus der Praxis. In Videos kommen sowohl Arbeitgeber als auch die Auszubildenden zu Wort. Lesen Sie hier: Gute Gründe junge Menschen mit Behinderung auszubilden

Welche Unterstützungsangebote es gibt, welche Möglichkeiten neben der Regelausbildung existieren und welche Förderung Sie erhalten können, finden Sie in der Rubrik für Arbeitgeber

Verzahnte Ausbildung

Bildungsanbieter wie die Berufsbildungswerke bieten Arbeitgebern die Möglichkeit, behinderte Jugendliche in Kooperation mit der Einrichtung auszubilden. Der praktische Teil der Ausbildung beträgt dabei mindestens 6 Monate und findet im Unternehmen statt. Vorteile für das Unternehmen gibt es viele: Es fallen weder Ausbildungsvergütung noch Sozialversicherungsbeiträge an.

Die Azubis werden voll auf die Ausgleichsabgabe angerechnet und das Fachpersonal des Bildungsanbieters unterstützt das Unternehmen während der gesamten Ausbildungszeit. Wie dies im Einzelnen funktioniert und an wen Sie sich wenden können, erfahren Sie im Artikel zur Kooperativen Ausbildung bei REHADAT-Bildung.

 

Eventuelle körperliche Einschränkungen können durch technische Hilfen ausgeglichen werden. Hierbei helfen technische Berater der Integrationsämter oder der Arbeitsagentur. Die Kosten für die Beratung und die technischen Hilfsmittel werden meist übernommen.

Auch Jugendliche mit Lernschwierigkeiten haben gute Chancen, eine normale Ausbildung zu schaffen, wenn begleitende Unterstützungsangebote genutzt werden. Reichen diese nicht, sind theoriereduzierte Fachpraktiker-Ausbildungen eine gute Alternative.

Wenn Sie behinderte Jugendliche in Ihrem Unternehmen ausbilden, sparen Sie außerdem Ausgleichsabgabe und werden finanziell gefördert, zum Beispiel über Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung und Inklusionsprämien.

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Wie finde ich einen Azubi?

In großen Unternehmen ist die Ausbildung behinderter Jugendlicher oft schon die Regel, in kleineren dagegen eher die Ausnahme. Fragt man nach den Gründen, wird oft berichtet, dass sich keine behinderten Jugendlichen bewerben.

Hier kann eine aktive Rekrutierungsstrategie helfen. Viele Betriebe pflegen den Kontakt zu Schulen in der Region und beziehen dabei auch Förderschulen mit ein. Die Galeria Kaufhof arbeitet seit Jahren mit der integrativen Anna- Freud-Schule in Köln erfolgreich zusammen. Dies hat für alle Beteiligten Vorteile: Die Jugendlichen machen erste Erfahrungen mit dem Berufsalltag. Der Arbeitgeber bekommt ein realistisches Bild von den Fähigkeiten des Azubi in spe und erhält von Anfang an beratende Unterstützung.

Generell sind Praktika eine gute Möglichkeit, behinderte Jugendliche kennenzulernen. Hilfe bei der Suche nach Praktikanten erhalten Sie auch bei Bildungsanbietern wie beispielsweise den Berufsbildungswerken oder den Bildungswerken der Wirtschaft. Auch ein gefördertes Langzeitpraktikum im Rahmen der sogenannten Einstiegsqualifizierung ist möglich.

Häufig lohnt es sich, die Aufmerksamkeit auf regionale Aktivitäten in der eigenen Stadt oder im Kreis zu richten. Vielerorts haben sich bereits Ausbildungs-Netzwerke gebildet. Hier kommen Vertreter der Kammern, Schulen, Behörden, Fachdienste und auch Arbeitgeber zum Informationsaustausch zusammen.

An wen können sich Arbeitgeber wenden?
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Interview mit Stefan Fehr, Director Training & People Development der McDonald’s Deutschland Inc.

In der Gastronomie klagt man seit langem über den Mangel an Auszubildenden. Die sinkende Zahl der Schulabgänger hat sich längst bemerkbar gemacht. Hinzu kommt, dass Jobs in der Gastronomie als anstrengend gelten und die Vorstellung arbeiten zu müssen „wenn die anderen feiern“ bei jungen Leuten nicht unbedingt gut ankommt. Die Systemgastronomie macht da keine Ausnahme. Unternehmen wie McDonald’s haben den Trend zum Fachkräftemangel längst erkannt. Sie werben aktiv für Chancengleichheit und die Einstellung behinderter Azubis und Fachkräfte.

talentplus:
Was genau war der Auslöser für Sie schwerbehinderte Menschen auszubilden bzw. einzustellen? Gab es ein konkretes Ereignis?

Stefan Fehr:
Bei McDonald’s hat Vielfalt eine lange Tradition – deshalb legen wir großen Wert auf Chancengleichheit. Diese Chancengleichheit gilt auch für die Einstellung und Ausbildung von Menschen mit Behinderung, die wir bei McDonald’s voll in unsere Teams integrieren. Wir nehmen unsere soziale Verantwortung wahr und wollen den Anteil von Menschen mit Behinderung an unseren Mitarbeitern weiter erhöhen. Zudem hat der demographische Wandel dazu beigetragen, dass wir unsere Suche nach Mitarbeitern gezielt ausgeweitet haben. In den letzten zwei Jahren konnten wir den Anteil schwerbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits um knapp 25 Prozent auf 822 Beschäftigte erhöhen. Teams aus Menschen mit und ohne Behinderung sollen bei uns bald überall ganz normal sein.

talentplus:
Worin unterscheidet sich in der Praxis die Ausbildung von behinderten und schwerbehinderten Menschen?

Stefan Fehr:
Neben den gesetzlichen Besonderheiten, wie zum Beispiel Sonderurlaub, der Schwerbehinderten zusteht, sind die tatsächlichen Unterschiede geringer als man gemeinhin vermuten könnte. Natürlich muss man aber auf die möglichen Einschränkungen, die der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin hat, Rücksicht nehmen.

talentplus:
Was läuft gut? Gibt es einen Mehrwert an den Sie vorab gar nicht dachten?

Stefan Fehr:
Unsere offene Unternehmenskultur hat sich einmal mehr bewiesen und ermöglicht auch Azubis mit Behinderung eine hundertprozentige Integration in unsere Teams. Trotzdem lernen wir jeden Tag voneinander und miteinander!

talentplus:
Wo gibt es Schwierigkeiten?

Stefan Fehr:
Sowohl in den Restaurants als auch in der Verwaltung sind wir gegenwärtig noch dabei, bauliche Herausforderungen zu beseitigen. Im Arbeitsalltag kann das Tempo einiger Arbeitsabläufe in den Restaurants gerade zu Stoßzeiten herausfordernd sein.

talentplus:
Wurden Sie bei der Einstellung bzw. der Einarbeitung von externen Beratern unterstützt?

Stefan Fehr:
Wir lernen zum einen in der Praxis von unseren Franchise-Nehmern, die ebenfalls viele Menschen mit Behinderung beschäftigen und ihre Erfahrungen mit uns teilen. Aber auch Berufsbildungswerke sind ein wichtiger Ansprechpartner im Rahmen der sog. „Verzahnten Ausbildung“. Zudem pflegen wir eine gute Zusammenarbeit mit Integrationsämtern.

talentplus:
Wie reagieren die Kollegen und die Kunden?

Stefan Fehr:
Wir haben bisher durchweg positives Feedback erhalten und verfügen bereits über viele gute Beispiele.

talentplus:
Was raten Sie anderen Arbeitgebern?

Stefan Fehr:
Eigentlich gibt es gar keinen Grund es nicht zu tun. Trauen Sie sich, es wird sich in vielerlei Hinsicht lohnen!

talentplus:
Werden Sie weiterhin behinderte Menschen einstellen und ausbilden?

Stefan Fehr:
Definitiv, diesen Weg haben wir bereits vor einiger Zeit eingeschlagen. Die Zahlen sprechen für sich: Waren 2009 596 Menschen mit Behinderung bei uns beschäftigt, sind es Ende 2012 bereits 822 Menschen – eine Steigerung von fast 38 %. Für 2014 haben wir uns das Ziel gesetzt 1000 Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen.

talentplus:
Herr Fehr, vielen Dank für das Interview.

Stefan Fehr ist Director Training & People Development der McDonald’s Deutschland Inc. Stefan Fehr
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